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Bekämpfung der Allesfresser: Rattenköder im Kanalschacht

Bekämpfung der Allesfresser : Rattenköder im Kanalschacht

Sie sehen aus wie kleine, schwarze Pflastersteine und üben auf Ratten eine nahezu unwiderstehliche Anziehungskraft aus. Was die Nager jedoch nicht ahnen: Diese Anziehung endet tödlich.

Die zirka 200 Gramm schweren Köder der so genannten Zweiten Generation werden seit dem Frühjahr in die Kanalschächte im gesamten Stadtgebiet eingehängt und enthalten ein spezielles Rattenbekämpfungsmittel mit blutgerinnungshemmenden Wirkstoffen.

Die Köder sind in der verwendeten Dosierung für Mensch und Haustier ungefährlich: "Das Mittel wirkt langsam über mehrere Tage hinweg - Ratten sind nämlich sehr intelligent und knüpfen schnell einen Zusammenhang zwischen dem Tod ihrer Artgenossen und deren Futter", weiß Thomas Bürvenich vom Tiefbauamt der Stadt. Gemeinsam mit der stellvertretenden Leiterin des Amtes, Monika Frömbgen, und Dietmar Kuhn vom Amt für Bürgerdienste stellte er gestern auf dem Münsterplatz die aktuellen Maßnahmen der Stadt zur Rattenbekämpfung vor.

Seit Anfang des Jahres ist die Firma Bertram aus dem pfälzischen Konken für die Bekämpfung der Nagetiere zuständig - alle drei Jahre wird der Auftrag von der Stadt neu ausgeschrieben. Die Mitarbeiter des Unternehmens kontrollieren in den Sommerferien nun rund 16 500 Kanalschächte und überprüfen, ob nachgelegt werden muss. Im März und April hatte das Unternehmen bereits in einer ersten Phase nach einem ausgewiesenen Bekämpfungsplan Köder in Kanälen im gesamten Stadtgebiet verteilt.

Dabei ist die Stadt in Ortsteile mit starkem und mit normalem Rattenbefall aufgeteilt; alle 18 Monate wird in Bereichen mit starkem Befall jeder Schacht, in weniger befallenen Gebieten jeder zweite mit Ködern ausgestattet. In der zweiten, jetzt beginnenden Phase kontrolliert die Firma die Lockmittel, ersetzt gegebenenfalls abgefressene Köder und dokumentiert die Wegfraßquote. Während der gesamten Vertragslaufzeit nehmen die Mitarbeiter Meldungen aus der Bevölkerung entgegen und statten bei dem Hinweis auf Ratten die Schächte dort erneut mit den nur für Ratten tödlichen Happen aus.

Aber auch oberirdisch geht es den Allesfressern an den Kragen: Hinweise auf die ungebetenen vierbeinigen Gäste im öffentlichen Verkehrsraum oder in städtischen Grünanlagen nimmt das Amt für Bürgerdienste entgegen - auch hier wird das pfälzische Unternehmen tätig. Die Kosten für die Bekämpfungsmaßnahmen in der Kanalisation belaufen sich auf 387 000 Euro für den laufenden Zeitraum bis 2018, für die oberirdische Aktion auf rund 117 000 Euro im gleichen Zeitraum.

Ratten sind Allesfresser, enorm anpassungsfähig und halten sich in Kellern, undichten Behausungen, vor allem aber in der Kanalisation auf. Sie müssen bekämpft werden, da sie Krankheitserreger übertragen können, sich an Vorräten zu schaffen machen oder Infrastruktur, wie zum Beispiel Stromkabel, beschädigen. Vor allem die Kanalisation hat die Wanderratte als gute Schwimmerin und Taucherin voll für sich erschlossen. Sie bietet Unterschlupf und Nahrung, beispielsweise durch Essensreste, die über das Abwasser in die Kanäle gelangen. Die Stadt Bonn ist für die Unterhaltung eines fast 1000 Kilometer langen Kanalnetzes verantwortlich; die Bekämpfung der Ratten erfolgt dabei auf Grundlage eines Runderlasses des NRW-Umweltministeriums.

Hinweise und Ansprechpartner

Um das Nahrungsangebot für Ratten so gering wie möglich zu halten, bittet die Stadt, folgende Regeln zu beachten:

  • Keine Essensreste in die Toilette, also in die Kanalisation, geben.
  • In Bezirken, in denen Rattenbefall beobachtet worden ist, sollte vorübergehend auf die Kompostierung von Essensresten verzichtet werden.
  • Abfälle nur in geschlossenen Behältern lagern.
  • Gelbe Säcke so lagern, dass Ratten sie nicht erreichen.
  • Vögel sollten nur so gefüttert werden, dass das ausgelegte Futter nur für sie erreichbar ist.
  • Katzenfutter sollte nicht draußen bereitgestellt werden.

Ratten können unter Tel. 0228/77 25 45 (oberirdisch) oder 77 41 40 (wenn Rattenbefall in der Kanalisation oder in Gullys vermutet wird) gemeldet werden.