1. Bonn
  2. Stadt Bonn

Razzien gegen Drogenhandel in Bonn: Polizei durchsucht zahlreiche Wohnungen

Schwerpunkt der Durchsuchungen war Tannenbusch : Hauptverdächtiger bei Drogenrazzia ist 41-Jähriger aus Alfter

In Tannenbusch und Alfter sind am Dienstagmorgen zahlreiche Wohnungen durchsucht worden. Dabei gab es mehrere Festnahmen. Im Fokus der Ermittlungen steht ein 41-Jähriger.

Erneut mit einem Großaufgebot zur Bekämpfung der Drogenkriminalität war am Dienstagmorgen die Bonner Polizei im Einsatz. Neben Alfter, Meckenheim und Königswinter stand einmal mehr Tannenbusch im Fokus der Beamten. Ein Schwerpunkt dort: Zwei Wohnungen in zwei, rund 200 Meter Luftlinie auseinanderliegenden Mehrfamilienhäusern an der Scheidemühler Straße, zudem eine Wohnung in einem benachbarten Hochhaus an der Liegnitzer Straße. Rund 150 Einsatzkräfte durchsuchten zahlreiche Wohnungen, Garagen, Kellerräume sowie einen Schrebergarten.

Es war noch stockdunkel, als der Einsatz um Punkt 6 Uhr begann, nur vereinzelt brannten Lichter in der Siedlung. Zivile Ermittler verschafften sich, unterstützt von Polizisten einer Einsatzhundertschaft, Zutritt zu den verdächtigen Wohnungen. Für einen Bewohner in dem Hochhaus an der Liegnitzer Straße war der Überraschungseffekt anscheinend so groß gewesen, dass er laut Polizei einen Schock erlitt. Die Besatzung eines Rettungswagens kümmerte sich um ihn.

In einer Wohnung an der Scheidemühler Straße hatten die Beamten viel zu tun. Dort nahmen die Fahnder auch den Keller des Bewohners unter die Lupe. Ferner sein Auto, einen schwarzen Ford-Mondeo Kombi mit Kindersitzen, der unmittelbar vor der Haustür parkte. Intensiv untersuchten zwei Ermittler in Zivil das Fahrzeug. Unter anderem fanden die Beamten ein Funkgerät. Nach rund anderthalb Stunden führten zwei Beamte schließlich einen mit Handschellen gefesselten Mann  ab. Den Kopf verhüllt unter einer Jacke, ließ sich der Festgenommene widerstands- und wortlos zu einem Zivilfahrzeug führen.  Gegen 8 Uhr rückte die Polizei ab.

Insgesamt wurden 15 Objekte zeitgleich durchsucht, darunter vier in Tannenbusch sowie vier in Alfter. Dabei nahm die Polizei fünf Tatverdächtige fest. Darunter war ein 41-Jähriger aus Alfter, den die Polizei als Hauptverdächtigen ausmacht. Zudem nahmen die Einsatzkräfte einen 51-Jähhrigen fest, gegen den bereits zwei Haftbefehle vorlagen und der polizeilich gesucht wurde. Der Mann muss nach seiner Vernehmung eine elfmonatige Haftstrafe antreten.

Nach Angaben der Polizei richtete sich die Aktion besonders gegen den Alfterer. Die Ermittlungsgruppe Tannenbusch hatte Hinweise darauf, dass er über Drogenverstecke in Tannenbusch verfügte, sogenannte Bunkerwohnungen. Von dort aus soll er mit Amphetamin, Kokain und Marihuana gehandelt haben. Verdeckte Ermittlungen hatten zuvor mehrere mögliche Mittäter identifiziert.

Derweil liefen auch die Durchsuchungsmaßnahmen an der Scheidemühler Straße auf Hochtouren. In einer Wohnung wurde ein Drogenspürhund eingesetzt. Pech für eine junge Frau, die mit ihrem Auto zur Arbeit wollte: Ein auf der Straße abgestellter Polizeitransporter versperrte die Ausfahrt aus der Sackgasse. Die Frau musste sich 20 Minuten gedulden, bis einer der Beamten den Wagen wegsetzte. Gegen 7.20 Uhr brachten zivile Ermittlerinnen mehrere Tüten voller sichergestellter Utensilien aus der Wohnung zu einem Zivilfahrzeug der Polizei.

Bei den Durchsuchungen stellten die Beamten eine Vielzahl an Betäubungsmitteln sicher, darunter mehrere Hundert Gramm Marihuana, zwölf Cannabispflanzen, Kokain sowie Amphetamin. In die Hände der Ermittler fielen zudem mehrere Tausend Euro mutmaßliches Dealgeld, Stich-, Stoß- und Schusswaffen, Mobiltelefone und Dokumente. Der SUV des 41-Jährigen wurde beschlagnahmt. Mit dem Fahrzeug soll er Drogen ausgeliefert haben – alles ohne Führerschein.

Die Tatverdächtigen wurden zur Vernehmung auf das Polizeipräsidium nach Ramersdorf gebracht. Ob sie einem Haftrichter vorgeführt werden und ob Haftgründe vorliegen, soll sich nach der Auswertung der Ermittlungen entscheiden, so die Polizei. Jedenfalls ergaben sich nach den Untersuchungen weitere Vorwürfe gegen die Verdächtigen. Ihnen wird neben dem Handel mit Drogen auch Hehlerei und Betrug vorgeworfen.