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Kommentar: Reichlich spät

Kommentar : Reichlich spät

Der Bonner ADFC hat die Idee, bei den Bauarbeiten an der Viktoriabrücke einen Boulevard für Radfahrer und Fußgänger mit einzuplanen. Reichlich spät ist die Idee, findet GA-Redakteurin Lisa Inhoffen.

Gute Ideen, den Umweltverbund in Bonn attraktiver zu machen, sind sehr willkommen. Immer noch wird den Bedürfnissen der Menschen, die zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem öffentlichen Nahverkehr unterwegs sind, nicht genügend Rechnung getragen. Denn Bonn ist – wie viele Städte in Deutschland – nach wie vor eine autogerechte Stadt. Das soll sich ändern, daran lässt die Ratskoalition keinen Zweifel, und das ist auch gut so. Doch mit dem jüngsten Vorschlag, die Viktoriabrücke zum Bönnschen Boulevard für Fußgänger und Radfahrer umzuwandeln, schießt die Radfahrerlobby, der ADFC, wohl übers Ziel hinaus. Zudem kommen diese Pläne reichlich spät auf den Tisch: Die Arbeiten für den Neubau der Brücke sollen Anfang 2022 (ohne Rampe zur Thomastraße) enden.  Fakt ist: Die Viktoriabrücke gilt als wichtige Nord-Süd-Verbindung im Stadtgebiet. Zigtausende Fahrzeuge täglich queren die Brücke. Bei Unfällen auf der Autobahn wird sie als Ausweichstrecke genutzt und dann – wie auch regelmäßig zur Rushhour –   schnell zum Nadelöhr.  Da kann unsereins – selbst passionierte Radfahrerin –  angesichts der Idee eines Bönnschen Boulevards auf der Brücke nur den Kopf schütteln. Damit werden sich Autofahrer zu Recht gegängelt fühlen. Abgesehen davon fragt man sich, welche Aufenthaltsqualität die Viktoriabrücke mit Blick auf Gleis- und Industrieanlagen haben soll, wer dort Fahrradständer braucht und wie man als Radler vor und hinter der Brücke wieder auf die richtige Seite kommt. Denn bis ein beidseitig nutzbarer Schnellradweg gen Süden und Norden realisiert werden könnte, fließt viel Wasser den Rhein runter.     

 Okay, der ADFC versteht seinen Vorschlag zunächst nur als Anregung zur Debatte. Wenn sie dazu führt, dass der bislang lediglich neben der Fahrbahn geplante Radfahrstreifen ein geschützter Radweg und der gefährliche Rechtsabbieger zur Endenicher Straße entschärft wird, dann wäre viel gewonnen. Eigentlich verwunderlich, dass der ADFC sich mit diesem wichtigen Thema erst kurz vor Ende der Bauarbeiten befasst.