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Reisen und Corona: Bonner zögern bei Buchung von Urlauben

Reisen und Corona : Viele Bonner zögern bei ihrer Urlaubsplanung

Trotz der Aufhebung der Reisewarnung für 31 europäische Länder bleibt die Nachfrage verhalten. Mitarbeiter in Reisebüros berichten, dass die Kunden viele Fragen hätten und Angst vor einer zweiten Infektionswelle haben.

Unter Palmen liegen, am Strand spazieren oder in den Pool springen: Der Traum vom Sommerurlaub ist etwas näher gerückt, nachdem die Regierung die Reisewarnungen für 31 europäische Länder aufgehoben hat. Doch bei den Bonner Reisebüros läuft das Geschäft nur langsam wieder an.

„Abgesehen von Deutschland und Österreich werden jetzt besonders die Balearen und Griechenland wieder gebucht“, berichtet Angelika Götte, Mitarbeiterin im Reisebüro an der Oper. Die Nachfrage nach europäischen Reisezielen sei zwar insgesamt noch verhalten, doch habe man zuletzt zumindest einen leichten Anstieg verbuchen können. „Man merkt, dass die Kunden sehr viele Fragen haben, beispielsweise zu Sicherheitsabläufen am Flughafen“, berichtet Götte. Am größten sei die Sorge vor einer zweiten Infektionswelle kurz vor oder während der Urlaubsreise. Wer unsicher ist, dem rät Götte zum Buchen von Pauschalreisen im Reisebüro des Vertrauens, da man so tagesaktuelle Informationen erhält und kurzfristige Stornierungen leichter möglich sind.

Die Reisebüros müssen zahlen

Stornierungen sind auch ein Thema im Reisebüro des Deutsch-Südafrikanischen Reisedienstes (DSAR) in der Innenstadt. „Uns trifft die Krise besonders stark“, berichtet Harald Lux, Inhaber der DSAR-Reisedienst GmbH. Das Bonner Büro ist spezialisiert auf Reisen ins südliche Afrika. Nachdem die weltweite Reisewarnung für Länder außer­halb der EU verlängert wurde und die Corona-Infektionen derzeit in Südafrika steigen, ist Lux damit beschäftigt, in persönlichen Gesprächen mit Kunden, für deren lange im Voraus gebuchte Afrika-Reise abzuklären, welche Optionen sie jetzt haben. Bei Stornierungen zahlt das Reisebüro sämtliche Anzahlungen zurück. Doch die meisten Kunden, die für dieses Jahr eine Reise ins südliche Afrika gebucht haben, verlegen stattdessen ihre Reise: „Die Mehrheit ist bereit, die Anzahlung stehen zu lassen und die Reise aufs nächste Jahr zu verschieben, ohne sich schon jetzt auf ein Datum festzulegen“, berichtet Lux. Er hofft auf einen Wiederanstieg an Buchungen, wenn die weltweite Reisewarnung aufgehoben wird.

Das Tourismusgeschäft läuft nur langsam wieder an. Angelika Götte berät Kunden im Reisebüro an der Oper. Foto: Benjamin Westhoff

Bernd Hoberg hingegen glaubt nicht an eine baldige Steigerung der Reiselust der Bonner: Dem Inhaber des gleichnamigen Reisebüros hatte sein Beruf bis Anfang dieses Jahres noch viel Freude bereitet. Dann aber kam die Corona-Pandemie. Und auch wenn jetzt Reisen innerhalb von Europa möglich sind, bleiben die Kunden aus. „Deshalb habe ich beschlossen, das Reisebüro nach über 40 Jahren zu schließen“, sagt Hoberg.

Deutsche Reiseziele sind gefragt

Viele Institutionen aus der Touristik-Branche hingegen wagen einen Neuanfang, stellen sich komplett um und versuchen, ihr Angebot den neuen Nachfragen anzupassen. Der Bad Godesberger Reiseveranstalter Via Verde war bisher unter anderem auf den südlichen Kaukasus spezialisiert. „Wir gehen davon aus, dass Fernziele längerfristig abgeschrieben sind und beschäftigen uns damit, welche Alternativen möglich sind“, berichtet Mitarbeiterin Margarete Hartmannsberger. Im Gespräch mit Kunden hat Via Verde die Erfahrung gemacht, dass diesen Sommer touristische Ziele in Deutschland einem europäischen Ziel vorgezogen werden. „Viele sind noch sehr skeptisch, wenn es ums Fliegen geht. Auch die Sorge vor einer möglichen Quarantäne-Pflicht im Urlaubsland gibt es“, berichtet Hartmannsberger.

Bei deutschen Urlaubszielen sei besonders die Sächsische Schweiz sehr gefragt. Via Verde plant jetzt, verstärkt innerdeutsche Reisen anzubieten. „Eine unserer Mitarbeiterinnen ist zu Recherchezwecken in der Pfalz unterwegs“, berichtet Hartmannsberger. Auch dort gibt es sicherlich viel zu entdecken.