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Reiserechtsfall im Amtsgericht Bonn: Ehepaar verklagt Reiseanbieter

Urteil in Bonn : Bonner Reiseanbieter nach PCR-Testpflicht verklagt

Ein Paar aus Hessen wollte von seinem Bonner Reiseveranstalter das Geld zurück, nachdem es wegen der Pandemie einen Aufenthalt in Sachsen-Anhalt absagen musste. Das Gericht gibt den beiden großenteils recht.

Zu reisen war vor der Pandemie schon einmal einfacher: eine Erfahrung, die auch ein Paar aus dem Gebiet der hessischen Bergstraße machte. Aufgrund der Einstufung ihres Heimatbundeslandes als Risikogebiet, konnten die Eheleute im Herbst 2020 eine Reise nach Sachsen-Anhalt nicht antreten, sollten aber dennoch 90 Prozent des Reisepreises zahlen.

Das sah der Mann nicht ein und verklagte das Bonner Reiseunternehmen, bei dem er den Aufenthalt gebucht hatte, auf Rückzahlung des restlichen Betrages. Eine Bonner Amtsrichterin gab dem Kläger nun grundsätzlich recht und verurteilte den Anbieter auf Rückerstattung von 70 Prozent der Gesamtsumme, die 1016 Euro beträgt. Auch die Anwaltskosten des Klägers muss das Unternehmen zu 70 Prozent tragen. 30 Prozent darf das Reiseunternehmen aber behalten, da nach Ansicht des Gerichts der Kläger eine Mitschuld trägt.

Es hätte ein Pärchenurlaub nach den Tagen des ersten Lockdowns werden sollen: Der Kläger und seine Frau wollten mit einem befreundeten Paar einige goldene Oktobertage in einem Wellnesshotel in Sachsen-Anhalt verbringen. Im Sommer waren die Infektionszahlen zunächst niedrig. Je weiter der Herbst allerdings fortschritt, desto mehr Regionen wurden zu Risikogebieten erklärt. Und als ein solches galt plötzlich auch das Heimatland des Klägers.

Hessen benötigten nun als Voraussetzung für einen Urlaubsaufenthalt in Sachsen-Anhalt einen negativen PCR-Test. Schnelltests waren zu diesem Zeitpunkt noch keine Option. Von der neuen Sachlage habe er erst erfahren, als er kurz vor der geplanten Abfahrt das Hotel angerufen habe, so der Kläger. Weil er in der verbleibenden Zeitspanne keinen PCR-Test mehr habe realisieren können, habe man schweren Herzens auf die Abreise verzichtet.

Die vollen Stornokosten in Höhe von 90 Prozent wollte er allerdings nicht bezahlen, und die Amtsrichterin pflichtete ihm nun bei. In den allgemeinen Geschäftsbedingungen des Veranstalters sei klar geregelt, dass das Hotel ihn von sich aus über jede Änderung der Aufenthaltsmodalitäten hätte informieren müssen. Eine Mitschuld sah die Richterin aber dennoch: Der verhinderte Urlauber hätte sich früher nach der aktuellen Lage erkundigen müssen.