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Rhein in Bonn - Greenpeace findet Mikroplastik im Fluss

Hohe Verschmutzung : Greenpeace findet in Bonn Mikroplastik im Rhein

Greenpeace warnt vor Folgen von Mikroplastik im Rhein. Nach Untersuchungen – auch in Bonn – fordert die Umweltaktion, dass die Behörden nach schwarzen Schafen fahndet.

Immer mehr Mikroplastikartikel gelangen in der Region Köln/Bonn in den Rhein. Neuesten Erkenntnissen von Greenpeace zufolge schwimmen diese Plastikpartikel kontinuierlich – Tag und Nacht – im Fluss. Dies geht aus einer Untersuchung hervor, bei der Greenpeace den Rhein zwischen Duisburg und Koblenz aufgeteilt in mehrere Abschnitte genau unter die Lupe genommen hat.

„Wir waren mit Schlauchbooten unterwegs und haben 24 Stunden am Stück stündlich Proben entnommen. Die Konzentration ist über diese Zeit relativ gleichgeblieben“, sagt Daniela Herrmann, Umweltwissenschaftlerin bei Greenpeace. In allen 250 Proben sei Mikroplastik gefunden worden. „Dies zeigt, dass der Rhein ständig und kontinuierlich mit Partikeln belastet ist“, sagt Manfred Santen, Chemie-Experte bei Greenpeace.

Auch in Bonn hat Greenpeace Wasserproben aus dem Rhein entnommen. Die untersuchten Mikropartikel kann man mit dem bloßen Auge nicht sehen kann. So klein und doch gefährlich: Tiere verwechseln sie mit Nahrung, und wenn Mikroplastik beispielsweise von Fischen aufgenommen wird, kann dies gesundheitsschädigende Auswirkungen sowohl auf die Tiere als auch die Menschen haben.

190 Millionen Mikropartikel fließen jeden Tag im Rhein Richtung Nordsee, so die Hochrechnung. Die höchste Konzentration hat Greenpeace in der Nähe der Chem-Parks Krefeld-Uerdingen und Dormagen ausfindig gemacht (3,2 beziehungsweise 3,3 Partikel pro Kubikmeter), während Bonn im direkten Vergleich weniger stark betroffen ist.

Zwischen Rheinkilometer 683 (Rodenkirchen) und Rheinkilometer 605,6 (Neuwied) wurde die geringste Konzentration an Mikroplastikpartikeln gemessen, dort blieb der Durchschnittswert unter 0,5 Partikel pro Kubikmeter. An den Rheinabschnitten, wo vermehrt Industrieunternehmen angesiedelt sind, steigt die Partikelzahl im Wasser hingegen. Das führt zur Vermutung, dass Industrieanlagen erheblich zur Verschmutzung mit Mikroplastik beitragen. Neben industriellen Produktionsprozessen könnten die Mikroplastikpartikel auch aus Filtersystemen von Wasseraufbereitungsanlagen stammen. „Die Forschung zu Mikroplastik-Verschmutzung in Flüssen steht noch am Anfang“, sagt Santen.

Bei Kontrollgängen am Rheinufer wurden auch in Säcken eingeschlagene, etwa drei Millimeter große Pellets im Sand entdeckt. Die größte Menge hat Greenpeace bei Köln-Niehl gefunden, nicht weit weg von mehreren Chemieunternehmen, bei deren Produktion Mikroplastik wie Pellets zum Einsatz kommt.

Greenpeace hat genaue Forderungen, wie es nach den neuesten Erkenntnissen jetzt weitergehen soll: „Die Umweltbehörde in NRW muss jetzt ermitteln, wer den Fluss verschmutzt“, fordert Daniela Herrmann und verlangt von den Behörden eine schnelle Identifizierung der Quellen. Die Verantwortung liege aber auch bei Chemiefirmen am Fluss: „Wir brauchen unternehmerische Verantwortung von Beginn der Herstellung bis zur Entsorgung“, betont Santen. Ein verantwortungsvolles Industrieunternehmen sei verpflichtet, seine Abwässer zu überprüfen und sei auch verpflichtet, zu dokumentieren, wie hoch die Mengen sind, die in den Rhein eingeleitet werden. „Mikroplastik gehört bisher allerdings noch nicht dazu“, so Santen.