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Rhein in Bonn: Niedrigwasse macht es den Schiffern schwer

Rhein führt Niedrigwasser in Bonn : Rheinschiffer müssen ihre Fracht verringern

Der Rheinpegel liegt noch immer so niedrig, dass die Schiffer ihren Frachtraum oft nur zur Hälfte nutzen können. Niedriges Grundwasser ist eine der Ursachen. Auch der wenige Regen im November brachte keine Erleichterung.

Weil im November zu wenig Regen gefallen ist, bleiben auch die Flusspegel niedrig. Am Rhein hat das Auswirkungen auf die Schifffahrt. Besonders am Mittelrhein wird es eng, sagt Gewässerkundler Jörg Uwe Belz von der Bundesanstalt für Gewässerkunde in Koblenz. In Bonn liegt der Pegel derzeit bei 1,80 Meter.

Der niedrige Wasserstand des Rheins belastet die Binnenschifffahrt. Viele Schiffe könnten nicht einmal die Hälfte der üblichen Ladung befördern, sagte Roberto Spranzi, Vorstandsmitglied im Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt, der Deutschen Presse-Agentur in Duisburg.

Das führe zu erheblichen Mehrkosten. So könne ein sogenannter Schubverband mit 5200 Tonnen Tragfähigkeit derzeit teils nur noch 2200 bis 2400 Tonnen transportieren, wenn er den besonders niedrigen Pegel Kaub nahe dem Loreley-Felsen in Rheinland-Pfalz passieren wolle.

Folgen für die Wirtschaft

Das Niedrigwasser hat auch Folgen für die Wirtschaft. Weil die Transportschiffe weniger laden können, steigen die Transportkosten. Der Branchendienst agrarheute meldet, dass die Preise für Getreide, Ölsaaten, Futtermittel, aber auch für Dünger, Treibstoff und andere Betriebsmittel steigen, weil die Binnenschiffer auf den höheren logistischen Aufwand mit sogenannten Kleinwasserzuschlägen reagieren. Für die Schifffahrt sieht Belz am Niederrhein derzeit nur geringe Einschränkungen. Dort sei der Pegel Duisburg sehr aussagekräftig. Er liegt bei 2,80 Metern. Belz erklärt: „Etwa ab 3,20 Meter können die meisten Schiffe ganz normal fahren.“

Im Juni führte ein Pegelstand von 1,56 Metern in Bonn zu besonders viel Schiffsverkehr - weil jedes einzelne Schiff weniger Ladung aufnehmen konnte, erhöhte sich die Zahl der Fahrten.

Aktuell liegt der Pegel in Bonn bei 1,80 Meter und damit weit entfernt vom extremen Niedrigstand vor zwei Jahren. Am 23. Oktober 2018 lag die Marke gerade mal bei 79 Zentimetern. Damals ragten richtige Inseln aus dem Rhein empor und steinerne Zungen streckten sich bis weit in die Mitte des Stroms. Schiffe nutzten damals die Außenseite der Flussbiegung, wo der Strom für gewöhnlich tiefer ist.

Schneeschmelze könnte kurzfristig für steigende Pegel sorgen

Gewässerkundler Belz sieht in seiner sieben-Tage-Prognose kaum Aussicht auf große Veränderungen. Einzig die wärmere Luft, die Meteorologen gegen Ende der Woche in den Alpen erwarten, könnte dort für Schneeschmelze sorgen. Doch eine nachhaltig steigende Tendenz sei nicht abzusehen. Eine Ursache dafür ist der außergewöhnlich trockene November. Laut Niedrigwasserbericht liegt einer der trockensten Novembermonate seit Beginn der Wetterdatenaufzeichnungen im Jahr 1881 hinter uns.

Die Pegel der Flüsse seien derzeit außergewöhnlich stark an den aktuellen Niederschlägen orientiert, so Belz. Ein Grund dafür ist, dass der Abfluss aus dem Grundwasser nach vielen trockenen Monaten noch sehr gering ist. Erst, wenn die Grundwasserspeicher nach mehreren regenreichen Monaten wieder gefüllt seien, erwartet Belz eine Normalisierung der Lage, sagt er: „Diese Reserven müssen sich füllen“. Über ergiebige und lang andauernde Niederschläge würden sich aus seiner Sicht nicht nur Schiffer, sondern wohl auch Landwirte und vor allem die Forstwirtschaft freuen. (Mit Material von dpa)