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Dialekt im Rheinland: Rheinische Lebensweisheiten fürs Glück

Dialekt im Rheinland : Rheinische Lebensweisheiten fürs Glück

Im Haus der Bildung stellen Jörg Manhold und Georg Cornelissen Mundart-Erkenntnisse vor. Wo sich Alltagsweisheit und Philosophie küssen.

Wer einen Igel in der Tasche hat, greift nicht gerne hinein, weil er sich stechen könnte. In dieser Tasche befindet sich aber auch das Portemonnaie. Deshalb, erklärte GA-Redakteur Jörg Manhold am Donnerstag im Haus der Bildung, bezeichnet die Redensart „Dä hätt ene Ijel in de Täsch“ einen Geizhals.

Manhold hat in den letzten zweieinhalb Jahren eine ganze Reihe solcher rheinischer Formulierungen zusammengetragen und erklärt sie in einer Kolumne, die viel Leserresonanz hat. „Ich bekomme praktisch jeden Tag E-Mails mit Vorschlägen“, sagte er. Nicht alle könne er auch umsetzen – manche seien nicht ganz jugendfrei, und man brauche auch eine zündende Idee: „Ich möchte ja auch immer ein bisschen Philosophie transportieren.“ Einige seiner Texte hat er in seinem Buch „Rheinische Redensarten. Der rheinische Glücksratgeber“ zusammengefasst, aus dem er am Donnerstag Beispiele las.

Zu der Veranstaltung, deren Erlös für die Spendenaktion Weihnachtslicht des General-Anzeigers bestimmt ist, kamen rund 100 Besucher. „Ich gehöre zu einer Generation, die den Dialekt nicht sprechen durfte“, sagte Elke Lawrenz, die aus Swisttal kommt und inzwischen in Bonn wohnt. Zu ihrer Zeit sei man in der Schule sehr darauf bedacht gewesen, Hochdeutsch zu sprechen. Aber den rheinischen Einschlag hört man ihr dennoch an. „Ich will das noch mehr lernen und finde es deshalb gut, dass es solche Veranstaltungen gibt.“ Man müsse die rheinische Sprache erhalten, findet sie.

Einen anderen Ansatz hat Eberhard Witt, gebürtiger Sachse, der seit 1956 in Bonn lebt und anfangs nur wenig verstand. Um das zu ändern, nutzte er die Langspielplatten der Bläck Fööss: „Da standen die Texte auf Platt und auf Hochdeutsch drauf“, erklärte er. „So habe ich den Dialekt gelernt.“

Sicher lernte er bei der Lesung noch einiges dazu, etwa über rheinische Schimpfwörter wie den „Kniesbüggel“: Knies, erläuterte Manhold, sei etwas Klebriges, und wenn man das in einem Beutel, also Büggel, hat, bleibt alles daran kleben. Also noch einmal eine Umschreibung für den Geizhals. Es ging um Redensarten wie „Jeck loss Jeck elans“, „Bekloppt un Drei is Ellef“ und „Do häst do de Ühl om Dach“.

Dazu referierte Georg Cornelissen vom Landschaftsverband Rheinland über die regionalen Unterschiede des kölschen, bönnschen und Witterschlicker Dialekts: „Wer fließend Kölsch spricht, kann in Witterschlick noch etwas dazulernen.“ Überdies musizierte Manhold auch noch – zusammen mit Uli Müller und Markus „Major“ Jouaux von den Rhingpirate. „Die Sprache ist einzigartig“, sagte er, „man müsste sie am Leben erhalten.“ Die Redewendungen würden rheinische Lebensart und den Charakter der Menschen transportieren. „Sie sind auch Regeln für das menschliche Miteinander.“ Zu dem, der sich mit diesen Lebensweisheiten befasse, „kommt das Glück von ganz alleine“, ist Manhold sicher.

Die „Rheinischen Redensarten“ sind als Buch erschienen und in den GA-Geschäftsstellen und im Buchhandel für 9,99 Euro erhältlich.