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Rheinpegel in Bonn: Pegel sinkt am Samstag leicht

Hochwasser in Bonn : Rheinpegel weiter sehr hoch

Das Unwetter hat Bonn größtenteils verschont. Doch jetzt blicken viele Bürger besorgt auf den Rheinpegel. Inzwischen ist der Pegel gut einen halben Meter gesunken.

Während am Freitag zig Rettungsfahrzeuge den ganzen Tag über an Bonn vorbei in die umliegenden Katastrophengebiete jagten und mit ihren Sirenen unüberhörbar vom Leid der Hochwasseropfer zeugten, schauten viele Bonner auf den Rheinpegel. Der Stadt Bonn zufolge lag er am späten Freitagabend bei 7,69 Meter. Da waren Teile der Uferpromenaden in Beuel, Bad Godesberg und der Bonner Innenstadt bereits überschwemmt. Am späten Abend sollte der Pegel der Stadt zufolge den vorläufigen Höchststand von acht Metern erreichen. Entgegen dieser Erwartungen sank der Pegel am Samstagmorgen aber erstmal wieder ein paar Zentimeter auf 7,56 Meter. Am Sonntagmorgen liegt er bei 7,02 Metern.

Rechtzeitig gesperrt hatte die Stadt da bereits das Rathenau- und Brassertufer. Bis auf einen Fahrzeughalter hatten bis dahin alle anderen Autobesitzer ihre Fahrzeuge aus den Uferbereichen entfernt. So musste der Stadtordnungsdienst lediglich einen Wagen abschleppen lassen. Nach dem Höchststand am Freitagabend soll der Pegel nun langsam wieder fallen, er bleibe aber weiter auf hohem Niveau. „Die weitere Entwicklung ist abhängig von weiteren Regenfällen in den nächsten Tagen und vom Zusammentreffen von Scheitelwellen an Rhein und Mosel“, erklärt Andrea Schulte vom Presseamt.

Bonns einstiger Chefstatistiker Klaus Kosack teilt dem GA mit: „Am Freitag ist um 15 Uhr mit einem Pegelstand von 7,51 Metern der höchste je erreichte Pegel in einem Juli seit Beginn der Aufzeichnungen der Stadt Bonn erreicht worden.“

Familie Opgenorth aus Beuel hat es schon vor Tagen vorausgesehen: In den Keller ihres Cafés und Restaurants „Bundeshäuschen“ ist erneut das Rheinwasser eingedrungen, die Terrasse ist überspült. In der Nacht zu Freitag hat der Pegel die Höhe von 7,20 Metern erreicht, wie Monika Opgenorth dem GA berichtet. „Wir kennen das und können uns rechtzeitig darauf einstellen. Ich denke jetzt eher an die Menschen in der Region, die viel schlimmer betroffen sind. Dort ist es eine Katastrophe, und das tut mir leid.“ In der Rheinlust nahe der Kennedybrücke dagegen kann man nach Aussagen eines Mitarbeiters auch bei Hochwasser noch ohne nasse Füße im Biergarten sitzen. „Die Stadt Bonn hat vor unserem Biergarten rechtzeitig die Wasserschotts eingebaut“, erklärt er. Zwar sei der Weg von der Promenade aus damit versperrt. „Aber wir sind ja immer noch gut durch den Haupteingang zu erreichen.“

In Bad Godesberg zieht das Rhein-Hochwasser zahlreiche Schaulustige an. An der Bastei steht das Ufer, das normalerweise von Spaziergängern und Radfahrern genutzt wird, längst unter Wasser. Vor einer Woche war der Bereich noch Kulisse für Szenen für die neue ARD-Mini-Serie „Bonn“. Die Dreharbeiten wären nun nicht mehr möglich. Viele machen mit ihren Smartphones Fotos und staunen, wenn ein großes Schiff auf fast gleicher Höhe vorbeifährt. Auch am Drachensteinpark in Mehlem kommen immer wieder Menschen vorbei und blicken auf den Fluss. Die Stadt Bonn hat an den Zufahrtsstraßen zum Rhein entlang der Rüdigerstraße Absperrungen aufgestellt – nicht, dass noch jemand mit seinem Auto mitten ins Hochwasser fährt.

Mit Sorgen blicken auch die Verantwortlichen der Stadt Bornheim auf den Rhein. In den Rheinorten ist der Leinpfad direkt am Fluss bereits vollkommen überschwemmt, der alte Herseler Sportplatz hat sich in einen See verwandelt. Mit Absperrungen weist die Stadt auf die Gefahr hin. Zudem ist der höher gelegene Rheinuferweg in Hersel, Uedorf und Widdig wegen Hangrutschgefahr für alle Fahrzeuge bis auf Weiteres gesperrt. Diese Sperrung soll laut Stadt andauern, solange sich die Pegelstände des Rheins auf so hohem Niveau bewegen wie derzeit, mindestens aber solange der Leinpfad überflutet ist.

Zurück in Bonn: Nach wie vor meldet die DB erhebliche Einschränkungen im Fernreiseverkehr für alle, die von Bonn in Richtung Köln, Düsseldorf oder Dortmund oder in die Gegenrichtung gen Koblenz reisen wollen. Es komme zu Umleitungen mit Verspätungen und Zugausfällen, so die DB. Der Abschnitt Köln - Wuppertal - Hagen - Dortmund sei derzeit gar nicht befahrbar. Das gelte auch für die Strecke Köln - Koblenz über Bonn-Hauptbahnhof.

Entwarnung geben dagegen die Stadtwerke Bonn für den öffentlichen Nahverkehr. Die durch das Unwetter bedingten Einschränkungen hätten über den Freitag größtenteils aufgehoben werden können, dennoch könne es noch zu Umleitungen und Verzögerungen im Bus- und Bahnverkehr kommen. Die Linie 18 pendelt den Stadtwerken zufolge vorerst weiter halbstündlich zwischen dem Bonner Hauptbahnhof und Brühl. Die Stadtbahnlinie 68 hat ab Freitagnachmittag ab der "Brühler Straße" in Richtung Ramersdorf wieder ihren Kurs aufgenommen. Wieder zugänglich ist die Bus- und Bahnhaltestelle „Am Propsthof“. Diese konnte aufgrund von Wasserschäden und Überflutung der Unterführung nicht angefahren werden. Die Unterführung Am Propsthof ist allerdings weiterhin gesperrt. Grund: Nachdem das gestaute Wasser am Donnerstag abgepumpt werden konnte, trat am Freitag erneut Wasser aus dem Kanal. „Das Technische Hilfswerk (THW) ist mit einer Pumpe vor Ort, das Tiefbauamt sucht derzeit nach der Ursache“, so Andrea Schulte. Außerdem wurde am Godesberger Bach und am Rheindorfer Bach jeweils eine Alarmpegelmessstelle durch die Fluten zerstört. Schulte: „Sie werden schnellstmöglich repariert.“

Apropos THW: In der Einsatzzentrale ist man froh, dass die Telekom Baskets ihren Parkplatz am Telekom Dome als Sammelpunkt für alle Einsatz- und Rettungsfahrzeuge zur Verfügung gestellt haben. „Das heißt, dort kommen die Einsatzkräfte aller Einheiten zur Koordinierung hin und fahren von dort in den Einsatz im Raum Rhein-Sieg-Kreis“, erläutert Denise Stritter vom THW Leitungs- und Koordinierungsstab der Landesverbandsdienststelle NRW.