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Rheinufer in Bonn: Anwohner am Brassertufer fordern Alkoholverbot

Ruhestörung und Belästigungen in Bonn : Anwohner am Brassertufer fordern Alkoholverbot

Die Anlieger des Brassertufers wollen den Lärmbelästigungen und nächtlichen Störungen ein Ende setzen. Sie fordern ein nächtliches Alkoholverbot. Die Stadt prüft den Bürgerantrag.

Die Strapazen für die Anwohner des Rheinufers nehmen kein Ende: Wegen „überlauter Musik und Gegröle“ ist die Polizei in der Nacht zu Freitag an das Brassertufer gerufen worden. Nach Angabe der Polizei feierten dort um 3 Uhr morgens rund 20 Personen. Ein Großteil der Gruppe verließ den Ort nach Ansprache und Ermahnung. Ein 29-jähriger, bereits polizeibekannter Mann erhielt einen Platzverweis und sollte das Brassertufer verlassen. Er zeigte sich laut Polizei uneinsichtig und aggressiv. Er wurde festgenommen und ins Polizeipräsidium gebracht. Ein Alkoholtest ergab einen Wert von rund 1,2 Promille. Am Freitagmorgen konnte er das Polizeipräsidium wieder verlassen.

Lautstarkes Feiern, Reste von Alkoholflaschen, Berge von Müll: Für die Anwohner des Bonner Rheinufers ist dies in den vergangenen Wochen Alltag geworden. Um dieser Situation ein Ende zu bereiten, haben sie einen Bürgerantrag gestellt. Sie fordern darin ein nächtliches Alkoholverbot im Abschnitt zwischen der Beethovenhalle und Zweiter Fährgasse. Besonders an den Wochenenden feiern dort Jugendliche lautstark bis tief in die Nacht, Einsatzkräfte berichten von einer aggressiven Grundstimmung während ihrer Kontrollen.

Anwohner berichten, dass es unter Einfluss von Alkohol und Drogen immer wieder zu lautstarken Auseinandersetzungen und Rempeleien käme. „Regelmäßig nutzen Besucher den Innenhof unserer Wohnanlage, Treppenaufgänge und Wege für Toilettengänge und hinterlassen viele Flaschen, Plastikbecher und Essensreste in Beeten und auf Wegen“, heißt es in dem Bürgerantrag.

Stadt hat Prüfung eingeleitet

Um dem ein Ende zu bereiten, fordern die Anwohner Rat und Verwaltung auf, im Zeitraum von 22 bis 6 Uhr ein Alkoholverbot zu erlassen. „Dieses wird nächtliche Ruhestörungen, Belästigungen und notwendige Polizeieinsätze ebenso deutlich reduzieren“, schreiben sie. Nicht nur in Bonn hat sich dieses Problem während der Corona-Pandemie verschärft.

Ein Alkoholverbot ist auch für den Münchener Gärtnerplatz und auf dem Kiez und im Schanzenviertel in Hamburg im Gespräch. Im ehemaligen Bonner Loch gab es bereits ein Alkoholverbot. Nach Auswertung von Lageberichten wurden dort vermehrt Straftaten und Ordnungswidrigkeiten begangen, die auch auf Alkoholkonsum zurückzuführen waren. Polizei und Ordnungsamt verstärkten ihre Kontrollen vor Ort. „Die Szene hat sich an den Busbahnhof und die  Thomas-Mann-Straße verlagert“, so Kristina Buchmiller aus dem Presseamt der Stadt Bonn.

Im Fall der Lärmbelästigungen am Brassertufer hat die Stadt Bonn bereits die Prüfung eines Alkoholverbotes eingeleitet. „Wir setzen uns mit Lageberichten und Statistiken von Polizei und Ordnungsamt auseinander. Dabei richten wir unseren Blick besonders auf Delikte, die typischerweise mit Alkoholkonsum einhergehen“, sagt Buchmiller auf GA-Nachfrage.

Langfristige Lösung gesucht

Die Mehrheit der Ratsfraktionen stehen dem Antrag skeptisch gegenüber. Sie sind nicht der Meinung, dass ein Alkoholverbot das Problem lösen kann.  „Zum einen könnten die Personen schon betrunken dort ankommen, zum anderen würde es nicht die Ursache bekämpfen“, sagt FDP-Fraktionsvorsitzender Werner Hümmrich. Die sozialpolitische Sprecherin der Grünen, Annette Standop, befürchtet, dass ein solches Verbot eher zu Verdrängungen in andere Gebiete führen würde. Diese Auffassung teilt die Bonner SPD. „Bei dem Störerkreis ist vermutlich von einem schnellen Ortswechsel auszugehen“, sagt auch CDU-Stadtverordneter Georg Fenninger. Michael Faber, Vorsitzender der Linksfraktion, merkt zudem an, dass durch ein Alkoholverbot die Rechte derjenigen eingeschränkt wären, die sich zu benehmen wissen. „Ordnungsamt und Polizei sind gefordert, vor Ort Grenzüberschreitungen zu unterbinden“, so Faber.

Mit den verstärkten Kontrollen gehen die Einsatzkräfte dieser Aufgabe nach. Ein generelles Alkoholverbot auf einer Rheinseite hält die Polizei nicht für sinnvoll. „Das würde vermutlich nur zu einer Verdrängung auf die andere Rheinseite führen“, sagt Polizeisprecher Frank Piontek. „Ein Verbot müsste für beide Seiten gelten.“ Beide Rheinuferseiten zu kontrollieren, würde die Polizei jedoch vor Herausforderungen stellen. „Außerdem ist das Rheinufer dafür da, dass sich die Menschen dort aufhalten“, sagt Piontek.

Die SPD schlägt als langfristige Lösung vor, die Fläche am Brassertufer für neue Restaurants und Cafés zu nutzen. „Dadurch würden wir den Standort erheblich aufwerten“, sagt Jessica Rosenthal, Vorsitzende des SPD-Unterbezirks. „Gleichzeitig würde sich damit die aktuelle Situation entschärfen.“