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Rheinufer in Bonn und Beuel: So liefen die Polizeikontrollen am Wochenende

Bonn und Beuel : So liefen die Polizeikontrollen am Rheinufer

Seit sechs Wochen zeigt die Bonner Polizei an den Wochenenden massiv Präsenz am Rheinufer. 266 Platzverweise haben die Beamten schon ausgesprochen. Die Strategie funktioniert, wie man an diesem Wochenende beobachten konnte.

Der schlaksige junge Mann ist zu betrunken, um sich zu wehren. Das weiß er wohl auch. Sein rechter Arm steckt in einem Gips, der linke ist notdürftig bandagiert. Woher die Verletzungen stammen? Keine Ahnung. Er sackt an der Seitenwand des Polizeibusses zusammen und bleibt auf dem Boden sitzen, eine Taschenlampe strahlt in sein Gesicht. Drei Polizisten haben ihn umstellt. „Sie haben einen Platzverweis für das Rheinufer erhalten und sich nicht daran gehalten“, erklärt ein Beamter. Genauso wie der andere junge Mann, der wenige Meter entfernt steht. Er hingegen wehrt sich, schreit laut – ohne Erfolg. Die Staatsmacht in Gestalt eines Zwei-Meter-Hünen greift durch, drückt ihn auf die Motorhaube und legt ihm Handschellen an. Statt ins Nachtleben stürzen sie sich heute in die Gewahrsamszelle.

Seit sechs Wochen patrouillieren Polizei und Ordnungsamt verstärkt am Bonner und Beueler Rheinufer. Jeden Freitag, jeden Samstag, ab Einbruch der Dunkelheit. „Aber wir haben unsere Kontrollen auf die ganze Stadt ausgeweitet“, so Polizeisprecher Frank Piontek. Es geht nicht mehr nur um ungebetene Randalierer und Säufer entlang des Rheins, sondern auch um Lärmende an der Poppelsdorfer Allee oder Raser auf der B 9 (siehe unten).

Als die rund 50 Polizisten gegen 22 Uhr in ihren Mannschaftsbussen anrollen, ist vor dem Chinaschiff noch nicht viel los. Die Besucher der Rheinlust, die von der Terrasse direkt auf die Fahrzeuge blicken, stört das nicht. Die meisten haben sich an die Polizeipräsenz gewöhnt, finden sie sogar gut. „Ich kriege in der Notaufnahme immer die Verletzungen von Schlägereien hier mit, wenn ich Nachtschicht habe“, erzählt ein Mann Mitte 30, der in der Ambulanz arbeitet. „Es ist gut, dass jemand für Ordnung sorgt.“

So liefen die Polizeikontrollen am Rheinufer

So ein Lob hört Piontek gerne. Er ist vorbeigekommen, um den massiven Polizeieinsatz zu erklären. „Mit Beginn der Corona-Lockerungen ist die Stimmung zunehmend aggressiver geworden“, sagt er. Kollegen seien angepöbelt und angegriffen worden. Anwohner beschwerten sich über Lärm und berichteten von Schlägereien und fliegenden Glasflaschen. Angesichts Hunderter Feiernder an der Promenade waren die normalen Streifen, zu denen auch der Stadtordnungsdienst stieß, zahlenmäßig unterlegen. Deshalb musste die Bereitschaftspolizei her. „Wir hatten die Szene aber schon vorher im Blick. Bereits Ende 2019 war klar, dass das Rheinufer so wie der Hofgarten ein Schwerpunkt für uns werden wird“, sagt Piontek. Nur eben nicht mit verdeckten Ermittlern und dem Fokus auf Drogen, sondern sichtbar, „um abzuschrecken“.

Das Muskelspiel zeigt Wirkung. Diejenigen, die die Polizei im Visier hat, meiden das Rheinufer. „Die haben dich angemacht, nach Bier gefragt, Schlägereien angezettelt. Das waren aber auch Motorradfahrer, die die Straße hoch und runter knallen“, erzählt der 22-jährige Kevin Schmitz. Er hat ein paar Flaschen Bier im Fahrradkorb und möchte sich mit seinem Kumpel Manuel Busch an die Promenade setzen. „Die gaffen auch die Mädels an und pfeifen ihnen hinterher“, erzählt Busch. Die Freunde befürworten den Polizeieinsatz. „Wir hatten noch nie Probleme. Wer sich nichts zu Schulden kommen lässt, wird von der Polizei in Ruhe gelassen.“

Eine Gruppe junger Leute, die sich an der Oper getroffen haben, sieht das anders. „Das ist übertrieben, wie die hier herumrennen. Die sehen aus wie Krieger, und man fühlt sich beobachtet. Das gehört nicht an den Rhein“, sagt ein Mann Anfang 20. Ein anderer fällt ihm ins Wort. „Man kann bald nirgendwo mehr hingehen. Wir wollen einfach nur was trinken. Wenn die Leute der Lärm stört, sollen sie nicht in die Stadt ziehen.“ Kurz darauf wird die Gruppe von einer Streife, rund zehn Polizisten und zwei Mitarbeiter des Ordnungsdienstes, angesprochen. Es folgt eine Ermahnung, den Abstand einzuhalten, und nicht zu laut zu sein. Zwei Jungs, die deutlich angetrunken sind, prosten sich in diesem Moment zu und leeren ihre Mixgetränke in einem Zug – aber es bleibt friedlich.

Polizeisprecher Piontek sieht die Taktik aufgehen, genau wie eine Anwohnerin. „Diese Nacht war es deutlich besser“, erzählt sie. Gegen 2 Uhr ziehen sich die Streifen zurück, bis zum nächsten Abend. Auch wenn viele sich die Polizeipräsenz wünschen und auch nicht geplant ist, sie abzubauen, wird sie früher oder später reduziert werden müssen. Wenn das öffentliche Leben sich wieder normalisiert und die Bereitschaftspolizei mehr durch Fußballspiele und andere Einsätze gebunden ist.