Bonner Stadtgeschichte Rote Couch trifft Bundesbüdchen

Bonn · Fotokünstler Horst Wackerbarth porträtiert den ehemaligen Bonner Kioskbetreiber Jürgen Rausch für ein NRW-Projekt. Thema sind markante Orte und Menschen.

Der ehemalige Betreiber Jürgen Rausch (links) und Fotokünstler Horst Wackerbarth vor dem Bundesbüdchen im Bornheimer Depot.

Der ehemalige Betreiber Jürgen Rausch (links) und Fotokünstler Horst Wackerbarth vor dem Bundesbüdchen im Bornheimer Depot.

Foto: Barbara Frommann

Jürgen Rausch kommt groß heraus: Der 60-jährige langjährige Betreiber des sogenannten Bundesbüdchens und seine Lebensgeschichte finden Eingang in das Projekt „heimat.nrw“ des international bekannten Fotokünstlers Horst Wackerbarth. Anlass für das Projekt sind der 70. Geburtstag des Landes Nordrhein-Westfalen und der 30. Geburtstag der NRW-Stiftung in diesem Jahr.

Im Oktober soll das Bundesbüdchen, an dem einst Altbundeskanzler Konrad Adenauer und viele weitere prominente Polit-Köpfe und Journalisten der Bonner Republik ihre Tageszeitungen oder eine Bockwurst kauften, wieder in der Nähe seines ursprünglichen Standortes – gleich neben dem WCCB-Hotel – im heutigen UN-Campus aufgestellt werden. Zurzeit ist das Büdchen auf einem Bauhof in Bornheim deponiert, wo sich Wackerbarth mit Rausch zum Film- und Fototermin traf.

Wackerbarth reist für das Projekt mit seiner berühmten roten Couch ein Jahr lang durch die verschiedenen Regionen Nordrhein-Westfalens. Dabei will er besonders typische und markante Themen, Orte und Menschen in Szene setzen, erklärte er. Auf diese Weise soll ein Porträt Nordrhein-Westfalens und seiner Bewohner, bestehend aus 100 Bild- und Videowerken, entstehen. Die Bonner Republik wolle er auf „charmante Art und Weise abhandeln“, sagte er dem GA.

Einen Menschen wie Rausch zu porträtieren, sei da viel interessanter, als eine historische Stätte. „Herr Rausch ist ein bönnsches Original“, meinte Wackerbarth. Ein Zeitzeuge, der etwas zu erzählen habe, vor allem mit Blick auf die großen Veränderungen, die das ehemalige Regierungsviertel im Laufe der Zeit mit der Errichtung des ehemaligen Plenarsaals und des Erweiterungsbaus des World Conference Center Bonn (WCCB) erfahren habe.

Rausch selbst fühlt sich „sehr geehrt“ über das Interesse des Künstlers an seiner Person. „Das hat mich schon sehr überrascht“, sagte der Einzelhandelskaufmann, der das Bundesbüdchen 1984 von seinen Eltern übernommen hatte. „Ich bin Herrn Wackerbarth wohl nicht unangenehm aufgefallen“, scherzte Rausch.

Zurzeit betreibt der 60-Jährige einen Imbiss am WCCB. Er sei froh, wenn der seit Jahren dauernde Hickhack um die Rückführung des Bundesbüdchens endlich ein Ende habe und er wieder seinen angestammten Platz in dem mittlerweile denkmalgeschützten Verkaufspavillon einnehmen könne.

Errichtet wurde das kleine Denkmal 1949 im ehemaligen Regierungsviertel. 300.000 Euro kostet der Rücktransport samt Sanierung. Im vergangenen Jahr hat sich ein Förderverein gegründet mit dem Bonner Rechtsanwalt Peter Storsberg als Vorsitzenden. Der Verein sammelt seither Spenden für das Büdchen, und Rausch ist zuversichtlich, dass das Geld bald zusammen ist. „Wir haben schon viele Spenden erhalten, freuen uns aber über jede weitere.“ Auch von der Stiftung Deutscher Denkmalschutz erwarte man finanzielle Unterstützung. In welcher Höhe, sei noch nicht klar.

Das Projekt „heimat.nrw“ soll ab September im Landtag und im NRW Forum in Düsseldorf öffentlich gezeigt werden. Anschließend ist eine Wanderausstellung unter anderem in Berlin, Brüssel und in den NRW-Regionen geplant. Das Projekt steht unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft. Wackerbarth will, so sagte er, alle Menschen auf der roten Couch „auf Augenhöhe“ zusammenbringen. Aber auch verschiedene Wahrzeichen in NRW sollen porträtiert werden. Dazu gehören natürlich der Kölner Dom, der Drachenfels und die Zeche Zollverein in Essen.

Angesprochen auf seinen jahrelangen Rechtsstreit mit den Bonner Stadtwerken, die mit einer blauen Couch für das Unternehmen werben, sagte er lediglich: „Das ist Vergangenheit.“ Der 65-jährige Künstler hatte die SWB wegen des Plagiatsvorwurfs verklagt. Der Streit endete 2014 vor dem Oberlandesgericht Köln mit einem Vergleich. Danach erhielt Wackerbarth 30.000 Euro von den Stadtwerken, die damit alle Forderungen abgegolten haben. Glücklich zeigte sich der Künstler mit dem Vergleich damals nicht, er sah aber aus Kostengründen keine andere Möglichkeit mehr als zustimmen.

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