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Verzwickter Gerichtsfall in Bonn: Roter Ferrari gibt Rätsel auf

Verzwickter Gerichtsfall in Bonn : Roter Ferrari gibt Rätsel auf

Das Bonner Finanzamt ließ einen Wagen pfänden. Nun klagt ein Mann aus Tschechien auf Herausgabe, weil der Bolide gar nicht dem Steuerschuldner gehören soll.

Wem gehört der Ferrari? Eine Frage, mit der sich derzeit ein Bonner Zivilrichter befassen muss. Der gut 100.000 Euro teure Sportwagen aus dem italienischen Maranello steht nämlich derzeit in einer Garage des Finanzamts Bonn-Außenstadt. Ein Mann aus Tschechien ist der Meinung, dass die Finanzbehörde seinen Flitzer zu Unrecht beschlagnahmen ließ. So verklagte er das Land NRW als Dienstherrin auf Herausgabe des Fahrzeugs.

Zur Vorgeschichte: Am 11. November 2020 waren zwei Edelkarossen auf der Autobahn A3 vom Rheinland Richtung Süden unterwegs: Voran fuhr der besagte Ferrari mit Schweizer Händlerkennzeichen, ein F458 Italia aus dem Jahr 2010, natürlich imolarot lackiert. Direkt dahinter folgte eine Oberklasselimousine der Marke Maybach. Auf der Höhe von Montabaur wurden die Fahrzeuge dann von der Polizei aus dem fließenden Verkehr gewinkt. Für die „Bella Macchina“ war die Fahrt hier denn auch zunächst zu Ende. Weil der Besitzer des knapp 600 PS starken Achtzylinders nicht ganz unerhebliche Steuerschulden beim Finanzamt Leipzig hat, ließen die Bonner Kollegen den Boliden sicherstellen. Am 18. November folgte dann die offizielle Pfändung.

Das Problem: Am Steuer des Sportwagens saß ein Schweizer Händler, und der Maybachfahrer gab gegenüber den Polizisten an, der Eigentümer des Ferraris zu sein. Der Steuerschuldner selbst war nicht vor Ort. Nun muss der Bonner Richter herausfinden, wem der Wagen tatsächlich gehört – dem klagenden Maybachfahrer oder dem Steuersünder. Offenbar gibt es eine Reihe verschiedener Verträge, teilweise nach tschechischem Recht, in denen der Verkauf des Fahrzeugs an juristische oder natürliche Personen geregelt sein soll.

Ein Vergleich kam in Bonn nicht zustande: Auf den vorsichtigen Hinweis des Klägers, man könne sich durchaus vorstellen, im Gegenzug für die Herausgabe des Wagens die Schulden des Steuersünders zu übernehmen, wenn diese nicht zu hoch seien, erntete er nur ein Schmunzeln der Gegenseite: Die Zahlungsrückstände des Schuldners würden nicht nur den Wert des roten Flitzers komplett aufzehren. Sie seien tatsächlich mehr als dreimal so hoch.