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Poppelsdorfer Geschichte: Sammeln, forschen und entdecken

Poppelsdorfer Geschichte : Sammeln, forschen und entdecken

Der Förderverein Poppelsdorfer Geschichte feiert sein 20-jähriges Bestehen. Die Heimatsammlung hat inzwischen mehr als 500 Exponate.

Im Pfarrsaal von St. Sebastian war am Samstag kein Stuhl frei, als der Vorsitzende Wolfgang Alt Mitglieder und Gäste begrüßte und auf eine 20-jährige spannende und erfolgreiche Spurensuche für die Poppelsdorfer Historie zurückblickte. Ehrenvorsitzender Helmut Uessem hatte als Mitinitiator den Verein 1997 mit 20 Mitstreitern aus der Taufe gehoben. „Wir wollten eine Lobby für die Heimatsammlung sein, forschen, entdecken und als gesellschaftlicher Knotenpunkt wirken“, sagte Uessem.

Heute zählt der Verein fast 150 Mitglieder, und Bürgermeisterin Gabriele Klingmüller lobte das ehrenamtliche Engagement: „Sie haben das Leben in Poppelsdorf mit ihren zahlreichen Aktivitäten sehr bereichert.“ Der ehemalige Stadtarchivar Manfred van Rey appellierte als einer der Geburtshelfer des Vereins, sich weiterhin der historisch fundamentalen Aufgabe des Sammelns und Dokumentierens zu widmen.

Die 1953 von Pfarrer Hansrudolph Stöcker gegründete Heimatsammlung in der Clemens-August-Schule steht heute in engster Verbindung mit dem Förderverein. Mehr als 500 Exponate, DVDs, Bildsammlungen, Dias und Fachliteratur informieren über die Poppelsdorfer Ortsgeschichte besonders zur Zeit der Kurfürsten, aber auch über das Poppelsdorfer Schloss, den Botanischer Garten, Kirchen, Schulen und die Industrie. Das Heimatmuseum ist mittwochs von 9.30 bis 11 Uhr und donnerstags von 14.30 bis 17.30 Uhr geöffnet.

„Wir bemühen uns um eine Ausweitung der Öffnungszeiten und das Aufstellen von Schildern, die auf das Museum hinweisen“, sagte Alt. Seit Mai des vergangenen Jahres hängt ein wertvolles Originalgemälde von Kurfürst Clemens August aus der Werkstatt des Münchener Hofmalers Franz Joseph Winter an markanter Stelle im Museum. Es stellt den von 1723 bis 1761 in Bonn regierenden Kölner Kurfürsten nicht im üblichen Erzbischofs- und Fürstenornat dar, sondern als Hochmeister des Deutschen Ordens. „Das Gemälde wurde uns auf dem privaten Kunstmarkt angeboten. Wir wollen es für 15 000 Euro erwerben. Bisher wurden für den geplanten Ankauf mehr als 4000 Euro gespendet“, sagte Alt.

Der Kunsthistoriker Marc Jumpers aus Potsdam bezeichnete das Gemälde in seinem Festvortrag unter dem Titel „Clemens August in Poppelsdorf“ als „echten Schatz“. Bonn sei eine überragend bedeutende Barockstadt gewesen. Die meisten Ideen dafür habe aber nicht Clemens August, sondern sein Onkel Joseph Clemens gehabt. Neueste Forschungen hätten ergeben, dass Clemens-August keineswegs hoch verschuldet gestorben sei.

Überlegungen, den Innenhof von Schloss Poppelsdorf zu überdachen, erteilte Jumpers eine klare Absage: „Das würde den Innenhof zerstören“, sagte der Kunsthistoriker unter großem Beifall. Nach der Feier konnten sich die Gäste eine Fotoausstellung anschauen und sich über die vielfältigen Veranstaltungen des Fördervereins wie Vorträge, Erzählsalons, Exkursionen und Arbeitskreise informieren. Auf der Agenda des Fördervereins für 2017 stehen unter anderem die Arbeitskreise „Poppelsdorfer Familien“ und „Poppelsdorfer Geschäfte“. Auch beim Poppelsdorfer Straßenfest und dem Tag des offenen Denkmals ist der Verein wieder dabei.