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Hilfsprojekt an Carl-Schurz-Grundschule: Sandspiel als Trauma-Hilfe

Hilfsprojekt an Carl-Schurz-Grundschule : Sandspiel als Trauma-Hilfe

Neun syrische Schüler mit Fluchterfahrung profitieren von dem Projekt.

Wie man durch Sandspiel seelisch belasteten geflüchteten Kindern helfen kann, zeigt das Projekt der Psychotherapeutinnen für Kinder und Jugendliche, Annette Röseler und Angela Schuh, an der Carl-Schurz-Grundschule in Tannenbusch.

Die beiden Initiatorinnen kooperierten mit dem Kollegium der Grundschule. Neun syrische Schüler mit Fluchterfahrung konnten so in den letzten Monaten an dem Traumahilfeprojekt, das nicht als Therapie, sondern als Entwicklungsanstoß zu verstehen ist, teilnehmen.

Jeden Montagmorgen, elfmal hintereinander, gingen die Kinder in einen Raum, in dem sie in einer kleinen Sandkiste mit Hilfe von Spielmaterial gestalten durften, was ihre Seele bewegt. Jedes Kind an einem eigenen Tisch und einer eigenen Betreuerin. Was die Kinder im Sand gestalteten, war sehr unterschiedlich.

Allerdings zeigten die meisten Kinder eine ähnliche Tendenz in ihren Bildern: diese wurden mit der Zeit freundlicher und reicher in der Ausstattung, die Phantasien offenbar freier und weniger destruktiv. Und, was die betreuenden Psychotherapeutinnen besonders wichtig finden: Die meisten Kinder wurden ruhiger und fingen an, auf die übliche kindliche Art zu spielen. Kämpfende konnten Freunde werden, eine Familie aß zusammen zu Abend, im Garten wurden Blumen gepflanzt.

Claudia Köse, die Schulleiterin der Carl-Schurz-Grundschule, in der in den letzten Jahren zeitweise 100 geflüchtete Kinder unterrichtet wurden, ist dankbar für das Projekt und die Hilfe für die betroffenen Schüler.

Die Kinder haben traumatische Erlebnisse in Syrien und oft eine jahrelange, lebensgefährliche Flucht hinter sich. Für die Lehrer an der Carl-Schurz-Grundschule ist klar - das, was die Kinder mit sich tragen, wirkt sich auf ihr Sozialverhalten, ihre Emotionalität und ihr Lernen aus. „Das Schöne ist, dass die Eltern es sehr gut angenommen haben“, zieht die Schulleiterin ein positives Fazit.  In Form von begleitenden Gesprächen wurden die Eltern in das Projekt einbezogen.

Die Betreuerinnen - Psychologiestudentinnen, Berufstätige und ältere Menschen - nahmen vor Aufnahme des Projekts an einer intensiven Schulung teil, lernten das Konzept des Sandspiels in Selbsterfahrungsübungen kennen und besprachen mit den Psychotherapeutinnen jede Sitzung im gesamten Team nach.

Vanessa Schneider, Psychologiestudentin, spricht von einer ganz besonderen Erfahrung. Sie habe aus dem Projekt viel mitgenommen und die Erfahrung mit den Kindern als sehr intensiv empfunden. Außerdem schwärmt sie von der schönen Dynamik in der Gruppe der Ehrenamtlichen.

„Wichtig war auch, vorher die eigene Rolle zu klären“, beschreibt Vanessa Schneider ihren Einstieg in das Projekt. Es ging darum, als teilhabende Beobachterin einen geschützten Rahmen für das Spiel zu schaffen und da zu sein, ansonsten sollten die Kinder die Zeit für sich und ihre eigene Entwicklung nutzen.

Diese Entwicklung sei sichtbar geworden - auf inhaltlicher Ebene und im Verhalten. So beschreibt Vanessa Schneider, dass sich die Spielzeugauswahl, die Themen der Bilder, das Verhalten in der Gruppe und  die Mimik ihres Bezugskindes merklich veränderte.

Die Psychotherapeutinnen wie die Betreuerinnen arbeiteten ehrenamtlich. Die Sandkästen und das Spielzeug finanzierte die Stiftung „Robin Good“ der Caritas und des Diakonischen Werks. Angela Schuh und Annette Röseler hoffen, dass das Projekt auch noch später Früchte trägt. Dass die Erfahrung, in seinem Erleben ernst und wichtig genommen zu werden, mehr Freiheit und Vertrauen zu seinen eigenen Möglichkeiten schafft.