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Sanierung des Bonner Münsters: Altar wird mit Laser gereinigt

Sanierungsarbeiten schreiten voran : Altar im Bonner Münster wird mit Laser gereinigt

Die Sanierungsarbeiten am Bonner Münster schreiten voran. Jetzt sind die Details an der Reihe. Zum Beispiel die Reinigung kostbarer Altäre. Dabei kommt moderne Technik zum Einsatz.

Nach wie vor ist das Bonner Münster innen und außen eine große Baustelle. Die Fassaden sind von Gerüsten verdeckt, im gesperrten Kirchenschiff herrscht Bauhelmpflicht. Nach über sechs Jahren der Voruntersuchungen und unumgänglicher Generalsanierung ist nun ein Ende absehbar, sodass man sich mittlerweile den nicht minder wichtigen Detailarbeiten im Innern zuwenden konnte. Die sieben schwungvoll im Barockstil verzierten, aber äußerst empfindlichen Altäre sollen gereinigt werden. Dabei bedient man sich modernster Lasertechnologie. Diese bekam als erstes der geschichtsträchtige Dreifaltigkeitsaltar zu spüren.

„Wir rechnen damit, dass das Innere der Basilika ab dem 1. November für Gottesdienste wieder nutzbar sein wird“, stellt Stadtdechant Wolfgang Picken im noch etwas derangiert wirkenden Eingang der Kirche fest. In knapp acht Monaten wird das Bonner Wahrzeichen seinen Besuchern allerdings dort ein völlig neues Empfangserlebnis bieten können. Maßgeblich dafür wird der komplett restaurierte, gereinigte und an neuer Stelle aufgesetzte Dreifaltigkeitsaltar sein, der sich dann gegenüber dem Eingangstor befinden wird.

Zuvor befand sich der 1704 in einer Kölner Werkstatt gefertigte Altar etwas unbeachtet in einer entfernten Ecke des Münsters, wodurch seine auf die Stadt Bonn bezogenen Motive im Gewölbe stets etwas unterzugehen drohten. So auch das im Altar beherbergte Ölgemälde, das das damalige Stadtbild Bonns mit den darüber wachenden Stadtpatronen Cassius und Florentius sowie der heiligen Helena darstellt. Nun soll das daher auch als Stadtpatronealtar bezeichnete sakrale Kunstwerk prominenter ins Licht rücken.

„Wir haben uns im Zuge der Renovierung dazu entschieden, den Patronealtar direkt auf die Sichtachse von der Tür aus zu setzten, sodass die Blicke der Besucher, die von der Stadt kommen, sofort auf diesen Altar gerichtet werden.“ Man wolle damit, so Picken, den „klassischen Eindruck der Reglementierung vermeiden“, der beim Betreten von Kirchen so häufig entstehe. „Nachdem man erfuhr, dass man hier keine kurzen Hosen oder Röcke tragen durfte, fiel der erste Blick dann direkt auf den Beichtstuhl, sodass man sich sofort als Sünder fühlen durfte. Das hat mich schon immer gestört.“ Abbau, Versetzung und Aufbau des über acht Tonnen schweren Objekts machten dabei weitere 130.000 Euro aus. Dieser Mehrbetrag konnte mit Unterstützung des Münster-Bauvereins aufgebracht werden.

Um später den größtmöglichen Effekt zu erzielen, mussten die barocken Alabasterverzierungen am Altar vom jahrhundertealten Staub und Schmutz befreit werden. Angesichts der enormen Empfindlichkeit dieses besonderen Minerals wurden die beiden erfahrenen Kölner Restauratorinnen Susanne Brinkmann und Christina Verbeek mit dieser Aufgabe betraut. Dank ihres innovativen Laserstrahlverfahrens können sie den drucksensiblen Alabaster mit Licht reinigen, ohne ihn zu berühren.

 Es geht vorwärts: Stadtdechant Picken erklärt die Sanierungsarbeiten im Bonner Münster.
Es geht vorwärts: Stadtdechant Picken erklärt die Sanierungsarbeiten im Bonner Münster. Foto: Benjamin Westhoff

„Anders als Marmor ist Alabaster sehr viel empfindlicher gegenüber äußeren Einflüssen und mechanischer Beanspruchung. Außerdem ist es wasserlöslich. Herkömmliche Restaurierungsmethoden wie Lösemittelauftrag sind daher denkbar ungeeignet“, erklärt Brinkmann. Um die Engelsskulpturen, Kreuze und Wappen wieder im strahlenden Weiß scheinen zu lassen, bearbeiteten die Restauratorinnen die einzelnen Fragmente des Altars sechs Wochen lang mit dem beweglichen Kopf ihres modifizierten CL20 Backpacklasers. Mit dem Hersteller Clean Lasersysteme GmbH und dem Fraunhofer Institut Werkstoff und Technik passten sie ihr mobiles Lasergerät im Zuge eines Forschungsprojektes 2006 eigens für die Restaurierungsnutzung an.

„Licht hat die Eigenschaft, entweder absorbiert oder reflektiert zu werden“, erklärt Verbeek. „Der sich auf dem Objekt befindende Schmutz absorbiert die Energie des Lichtstrahls, und durch die entstehende Wärmeenergie kommt es zur Ausdehnung und das wiederum bewirkt ein Abplatzen der selektiven Schichten.“ Die so entstehende Plasma- beziehungsweise Staubwolke könne dann abgesaugt werden. „Der Alabaster selbst ist sehr hell und reflektiert die Strahlung, sobald der Laser darauf trifft“, so Verbeek.

Was so einfach klingt, erfordert jedoch neben einer gehörigen Portion Geschicklichkeit auch viel Erfahrung. Diese haben sich Verbeek und Brinkmann bei zahlreichen Arbeiten, etwa in ägyptischen Grabkammern, erworben. „Man darf natürlich nicht allzu lange auf eine Stelle strahlen. Man sieht sofort einen Effekt. Das schönste aber ist, man weiß, dass es bei richtiger Handhabe keine Folgeschäden am Objekt geben wird“, sagt Brinkmann.

Picken zeigt sich vom Ergebnis der innovativen Restaurierungsmethode begeistert: „Der Alabaster wirkt nun beinahe transluzid. Dadurch wird die transzendente Bedeutung der Motive viel stärker hervorgehoben.“ Verbeeks und Brinkmanns Arbeit an den verbliebenen Altären soll in Kürze beginnen.