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Sanierung des Bonner Schlosses: Studie facht Diskussion um Uni-Interimsbauten an​

Sanierung des Kurfürstlichen Schlosses : Studie facht Diskussion um Uni-Interimsbauten an

Die Debatte um die temporären Unterkünfte während der Sanierung des Uni-Hauptgebäudes hat durch eine Studie neuen Auftrieb bekommen. Uni-Rektor Michael Hoch pocht auf die Errichtung der Ersatzgebäude nahe des ehemaligen Schlosses pocht. Die Ratskoalition sieht das anders.

Die von der Universität Bonn in Auftrag gegebene Studie zur Wirtschaftskraft der Hochschule bewerten die Bonner Kommunalpolitiker unterschiedlich. Die vom Economica Institut vorgelegte Studie besagt nicht nur, wie berichtet, dass die Uni in der gesamten Region Tausende Arbeitsplätze sichert und maßgeblich zu Wohlstand, Wertschöpfung und Kaufkraft beiträgt. Sie warnt auch davor, Teile des Studienbetriebs während der Sanierung des Hauptgebäudes aus der City an den Stadtrand zu verlegen. Während die Partner der Ratskoalition aus Grünen, SPD, Linken und Volt letzteres Ergebnis eher kritisch bewerten, fühlt sich die CDU in ihrer Sorge um die Uni bestätigt.

So begrüßt Stefan Freitag, wirtschaftspolitischer Sprecher der Grünen-Ratsfraktion, die Pläne, während der langen Renovierungsarbeiten am vermutlich mehr als zehn Jahre für den Betrieb geschlossenen Hauptgebäude einen Teil der Studierenden weiterhin in unmittelbarer Nähe des früheren kurfürstlichen Schlosses in Interimsbauten auf dem Areal der heutigen temporären Mensa am Regina-Pacis-Weg zu unterrichten. Er sieht aber auch weitere Standorte wie den Campus Poppelsdorf und den Campus Endenich als durchaus geeignete Standort für weitere Interimsbauten. „Alleine der Campus Poppelsdorf ist fußläufig nur zehn Gehminuten von der Innenstadt entfernt“, so Freitag.

Uni-Rektor fordert Verbleib nahe des Hauptgebäudes

Uni-Rektor Michael Hoch hat dagegen wiederholt gefordert, die Ersatzgebäude müssten unbedingt nahe des heutigen Hauptgebäudes stehen – nicht zuletzt wegen des zeitlich sehr eng getakteten Lehrbetriebs. Planungen, einen Teil dieser Interimsbauten auch auf dem Gelände des Stadtgartens zu setzen, scheinen indes bereits obsolet zu sein: Das Gelände steht unter Landschaftsschutz, auch besteht bis 2024/25 ein Vertrag mit dem Betreiber der Eisbahn, die dort im Winter für einige Wochen aufgebaut wird.

Auch Angelika Esch (SPD) steht temporären Bauten anstelle des aktuellen Ersatzgebäudes für die Mensa Nassestraße, die zurzeit neu gebaut wird, positiv gegenüber, wie sie sagt. „Denn es soll sich auch weiterhin studentisches Leben in der City abspielen. Aufgrund der veranschlagten langen Renovierungsphase von zehn Jahren und dem enormen Raumbedarf müssten jedoch auch weitere Standorte ins Auge gefasst werden. Esch: „Schon jetzt besteht die Universität nicht nur aus dem Hauptgebäude am Hofgarten, sondern erstreckt sich über das gesamte Stadtgebiet.“

„Dass die Uni Werbung in eigener Sache macht, um den öffentlichen Druck zu erhöhen und ihre Interessen durchzusetzen, ist völlig legitim“, sagt Tobias Haßdenteufel von der Linksfraktion. Bei der Entscheidung über den Standort der Interimsbauten gehe es für ihn allerdings nicht nur um mögliche wirtschaftliche Effekte, sondern auch um Freiflächen für alle in der Innenstadt und Fragen des Denkmalschutzes für Hofgarten und Stadtgarten. Ähnlich argumentiert Bündnispartner Nummer vier, die Volt-Fraktion. „Daher sehe ich einen zusätzlichen Interimsbau auf dem Gelände der früheren Kinderklinik an der Adenauerallee als zielführender an, weil dort bereits Baurecht besteht“, so Fraktionsgeschäftsführer Frank Fremerey.

CDU-Ratsfraktionschef Guido Déus betonte, seine Fraktion unterstütze die Pläne der Uni, mit den Interimsbauten in der City bleiben zu wollen, uneingeschränkt. „Unsere Bonner Exzellenz-Universität bei ihrem Ansinnen, im Herzen der Stadt zu bleiben, nicht zu unterstützen, halte ich für verantwortungslos. Dies wegen der berechtigten Interessen der Universität, der über 10.000 Studierenden, dem in Bonn gewollten innerstädtischen studentischen Flair und nicht zuletzt auch wegen dem ansonsten eintretenden Kaufkraftverlust für die Bonner Innenstadt.“ Déus verweist auf die Modellrechnungen der aktuellen Studie, wonach bei einer Verlagerung von Uni-Einrichtungen in die Peripherie 170 Arbeitsplätze und 15 Millionen Euro Bruttowertschöpfung pro Jahr verloren gingen. „Insofern ist es für uns überhaupt nicht nachvollziehbar und völlig unverständlich, dass die Oberbürgermeisterin und die grün-linke Ratskoalition hier dermaßen auf der Bremse stehen, letztlich zum Schaden der Stadt und ihrer Bürgerinnen und Bürger.“

Oberbürgermeisterin Katja Dörner (Grüne) erklärte, die aktuelle Studie des Economica Instituts zeige die besonderen wirtschaftlichen Effekte auch für den Standort Bonn differenziert auf. „Vor allem die vielfältigen Verflechtungen innerhalb von Stadt und Region sowie ihre spezifischen positiven Wirkungen arbeitet die Studie heraus. Die Stadt Bonn ist deshalb froh darüber, diese dynamische Exzellenzuniversität am Standort Bonn zu beheimaten und wird weiterhin daran mitwirken, die bestehenden Netzwerke zum Wohle von Stadt und Region weiter auszubauen.“

Auf den Wunsch von Rektor Hoch, die Stadt solle die Uni unterstützen, die temporären Bauten nahe dem Hauptgebäude errichten zu können, ging sie nicht konkret ein. Nur soviel: „Bezüglich der gewünschten Standorte für Interims-Hörsaalgebäude steht die Stadt Bonn weiterhin in Gesprächen mit der Universität und dem Bau- udn Liegenschaftsbetrieb über die planungs-, bau- und denkmalrechtlichen Voraussetzungen.“