Sanierung des Rheinauensees Armleuchter für den Gewässerschutz

Bonn · Anfang des Jahres hat die Sanierung des Rheinauensees begonnen. Das Gewässer wurde entschlammt, Fische kurzfristig umgesiedelt. Nun stehen die letzten Schritte an. Damit er in Zukunft gesund bleibt, hat jetzt noch ein anderes Lebewesen den Rheinauensee bezogen.

 Jens Päzolt hat im Rheinauensee mit seinem Kollegen Klaus van de Weyer Armleuchteralgen angepflanzt. Die Algen sollen für ökologisches Gleichgewicht im Wasser sorgen.

Jens Päzolt hat im Rheinauensee mit seinem Kollegen Klaus van de Weyer Armleuchteralgen angepflanzt. Die Algen sollen für ökologisches Gleichgewicht im Wasser sorgen.

Foto: Benjamin Westhoff

Was für Armleuchter! Und gleich so viele. Klaus van de Weyer und Jens Päzolt zaubern sie ein Lächeln ins Gesicht. „Das sind wirklich sehr gesunde Exemplare“, begutachten die beiden Gewässerspezialisten die Algenproben in den Eimern, die gerade in die Rheinaue geliefert wurden.

Behutsam nimmt Päzolt die Makroalgen aus den Eimern und drückt sie in den Boden des Rheinauensees. Bis Donnerstag lebten diese noch im Phoenix See in Dortmund. „Wir haben die Pflanzen aus dem Dortmunder Gewässer extra mit Sediment entnommen, damit sie hier gut anwachsen“, erzählt van de Weyer, während sein Kollege – ausgestattet mit Taucheranzug, Sauerstoffflasche und Algen– zum Boden hinabtaucht.

Armleuchteralgen sorgen für ökologisches Gleichgewicht

Nachdem im Rheinauensee im Mai erstmals Algen bepflanzt wurden, stand nun die geplante Nachpflanzung an. „Die Armleuchteralgen binden Phosphat und Nährstoffe im Wasser und verhindern so, dass sich andere, unerwünschte Organismen ausbreiten“, erklärte van de Weyer, Geschäftsführer des von der Stadt beauftragten Gutachterbüros. Das Besondere: Die Algen selbst werden nur maximal einen Meter hoch und erreichen so nicht die Oberfläche.

In flachen Gewässern wie dem Rheinauensee gibt es daher keinerlei Einschränkungen für die Freizeitnutzung etwa mit Booten. „Eine echte Win-Win-Situation für den Gewässerschutz und die Erholungsnutzung“, so van de Weyer. Die Rheinauenseen sind größtenteils nur eineinhalb bis maximal zweieinhalb Meter tief.

700 Eimer mit Algen für den Rheinauensee

Insgesamt werden für den rund 15 Hektar großen See laut der Fachleute etwa 700 Fünf-Liter-Eimer mit lebenden Makroalgen benötigt. Da diese Pflanzen im Handel in dieser Menge nicht verfügbar sind, half die Stadt Dortmund mit einer Pflanzenspende aus ihrem See aus. Dort wurden die Armleuchteralgen bereits vor zehn Jahren bei einer ähnlichen Seesanierung angesiedelt. Seither sind die Experten mit der Gewässerqualität dort sehr zufrieden. Auch im Blücherpark-Weiher in Köln hat sich dieses System bereits bewährt.

Damit auch die Rheinauenseen auf Jahrzehnte ökologisch gesund bleiben, sei es notwendig, dass das Wasser nährstoffarm ist und auch bleibt, erklärte Jan Peter Stiller vom Amt für Umwelt und Stadtgrün. Nach der Entschlammung wurde deshalb 15 Zentimeter dicke Sandschicht auf dem Grund angehäuft, die den Algen als Substrat dient. Zwar ist der sanierte Teilbereich südlich der Autobahnbrücke bereits gut mit Wasser gefüllt, doch erst in ein paar Monaten wird der normale Pegel wieder erreicht sein, so Stiller.

Abschluss der Sanierung für August geplant

Parallel dazu laufen die Arbeiten am zweiten Gewässerabschnitt zwischen Brücke und Post Tower. Der Abschnitt ist entschlammt, in der kommenden Woche kommen Sand und Kies auf den Grund. „Ende August werden die Arbeiten komplett beendet sein“, versprach Stiller. Da die Baumaßnahme in zwei Abschnitten abläuft, ziehen die Fische während der Sanierung in die jeweils andere Seehälfte um. So haben die Tiere stets einen Rückzugsraum und werden so wenig wie möglich gestört.

Wichtig für die Erhaltung des Gleichgewichts im See sind neben den richtigen Pflanzen auch die passenden Fische. Karpfen und Brassen sollen sich dort nicht ausbreiten. „Das sind Bodenwühler, die wir nicht haben wollen“, erklärte Gewässerexperte van de Weyer. Die Fische würden der Armleuchterpopulation so schaden. Stattdessen sollen Hechte, Schleien, Rotaugen und Rotfedern angesiedelt werden.

Invasive Arten bereiten Gewässerexperten Sorgen

Sorge bereitet van de Weyer die Ausbreitung der invasiven Arten. Neben einigen Wasservögeln sind das in der Rheinaue vor allem Nutrias. Die lassen sich am Freitag von der großen Pflanzaktion der Armleuchteralgen und dem Taucher nicht stören. Im Gegenteil. Es dauerte nicht lange und die ersten Tiere nähern sich bereits den Eimern mit dem frischen Grünzeug. Offenbar sind die Pflanzen ganz nach ihrem Geschmack. Erst als sie sich ausgiebig bedient hatten, zogen sie weiter.

Die Verwaltung kalkulierte ursprünglich rund 4,8 Millionen Euro für die Sanierung des Rheinauensees. Mittlerweile geht sie von rund 775.000 Euro Mehrkosten aus. „Grund dafür sind die enormen Schlamm- und Kiesmengen, die im Zuge der Sanierung abgefahren werden müssen, sowie der drastische Anstieg der Kraftstoffpreise, der sich auch bei der Rheinauensee-Sanierung bemerkbar macht, da große Massen an Schlamm, Kies und Sand transportiert werden müssen“, so Andrea Schulte vom Presseamt.

Weitere Informationen zur Sanierung der Rheinaue gibt es unter www.bonn.de/rheinauensee.