Systemausfall in der Feuerwehr-Leitstelle Scharfe Kritik an Feuerwehrchef Jochen Stein

BONN · Nachdem der GA über den erneuten Systemausfall in der Integrierten Leitstelle der Bonner Feuerwehr berichtet hatte, meldeten sich weitere Insider, die die Dramatik der Situation am Freitag bestätigten: "So etwas haben wir lange nicht mehr erlebt."

Zwar hätten sich die Störfälle zuletzt deutlich verringert, "aber das Ganze ist noch weit entfernt von gut", so ein Feuerwehrmann. Zudem meldet sich auch die Politik zu Wort: Bernhard Wimmer, Vorsitzender des Bürger Bundes Bonn (BBB), übt heftige Kritik an Feuerwehrchef Jochen Stein.

Ungeachtet des rund dreistündigen Systemausfalls habe Stein "ungeniert" die Feuerwache verlassen und sei ins Wochenende gefahren. Und zwar nachdem er über den Totalabsturz informiert worden war, so Wimmer weiter: "Das erinnert mich stark an das Verhalten des eitlen Kapitäns Schettino beim Untergang des Passagierschiffes Costa Concordia." Wer als Chef in der Stunde der Not nicht bei seinen gestressten Kameraden bleibe, ist in Wimmers Augen "für diese Führungsaufgabe nicht geeignet".

Marc Hoffmann, stellvertretender Stadtsprecher, bestätigte, dass Amtsleiter Stein "unverzüglich" über den Systemausfall informiert worden sei. Wie vorgesehen, habe sich dann der diensthabende A-Dienst sofort in die Leitstelle begeben. Dass Stein in der Krisensituation nicht selber die Regie übernahm, erklärt Hoffmann so: "Der Amtsleiter und sein Vertreter hatten wichtige andere Verpflichtungen, hätten bei Bedarf aber ebenfalls zur Leitstelle kommen können." Darüber hinaus habe sich Stein "mehrfach berichten lassen und dafür gesorgt, dass weitere Stellen informiert wurden".

Aus Sicht von BBB-Fraktionschef Wimmer muss die Kritik noch früher ansetzen: Es habe vor der Entscheidung zur Beschaffung der neuen Leitstellentechnik genug Warnungen gegeben, das funktionierende System "nicht ohne parallele Erprobung und nur schrittweise Einführung der neuen Technik abzuschalten". Auch dem GA liegen Informationen vor, wonach Führungskräfte den Amtsleiter seinerzeit vor einer Inbetriebnahme der Integrierten Leitstelle gewarnt hatten. Die Technik musste in Bonn aufgewertet werden, weil im April 2013 die Bonner Leitstelle mit der des Rhein-Sieg-Kreises zu einer "Integrierten Leitstelle" vernetzt wurde.

Diese laut Wimmer "sinnvollen Ratschläge von erfahrenen Praktikern in der Feuerwehr" seien aber von Stein und Dezernent Wolfgang Fuchs beiseite geschoben worden. Schließlich habe man in Bonn im Gegensatz zum Rhein-Sieg-Kreis eine nur in Teilen modernisierte Technik eingeführt. "Das eröffnet weitere Fehlerquellen", betont Wimmer.

Laut Stein habe man, so weit möglich, sehr wohl Lasttests gefahren. Aber die Störungen hätten sich schließlich erst beim Zusammenschalten der kompletten Anlage eingestellt.

Da aber selbst die für das "Desaster" Verantwortlichen nicht mehr voraussagen könnten, ob und wann aus alter und neuer Technik "ein funktionierendes Gesamtsystem wird", verlangt der Bonner Bürger Bund "endlich personelle Konsequenzen".

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