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Schließung der Karstadt-Immobilie in der Bonner Innenstadt

Schließung in der Innenstadt : Bonner sorgen sich um Leerstand bei Karstadt

Die Vermieterin der Karstadt-Immobilie an der Poststraße zeigt sich von der bevorstehenden Schließung überrascht. Die Bonner befürchten indes, dass das Gebäude lange leerstehen wird - und liefern Ideen für die Zukunft.

Die Aachener Grundvermögen, Vermieterin der Karstadt-Immobilie an der Poststraße, ist von der bevorstehenden Schließung der Filiale überrascht worden. „Wir sind davon ausgegangen, Karstadt mit unserem Angebot einer um mehr als 50 Prozent reduzierten Miete in Bonn halten zu können“, teilte Sonja Nees von der Pressestelle der Aachener Grundvermögen dem GA am Dienstag mit.

Bisher sei aber noch keine Kündigung des laufenden Mietvertrags seitens Karstadt bei ihnen eingegangen. Dieser laufe regulär bis Mitte 2026. Auch auf das neue Mietangebot habe das Essener Unternehmen noch nicht reagiert, sagte Nees. Wie es mit Aldi und der DM-Filiale im Basement des Warenhauses weitergehen wird, hänge von Karstadt ab. „Kündigt Karstadt seinen Mietvertrag vorzeitig, endet somit automatisch auch das Mietverhältnis für DM und Aldi“, sagt Nees. Eine vorzeitige Kündigung ist deswegen möglich, weil sich der Konzern im Schutzschirmverfahren befindet. Wie berichtet, hängen seit Montag Schilder in allen Etagen und an den Schaufenstern von Karstadt, die auf die Schließung hinweisen.

„Wenn wir einen langen Leerstand haben, dann ist das sehr dramatisch“, sagt Karina Kröber, Vorstandsmitglied des Vereins City-Marketing. Kröber schlägt als eine Option vor, dass die Stadt ihr Dienstleistungszentrum dort unterbringen könnte. Um die Mitarbeiter der Filiale tue es ihr allerdings sehr leid. „Von kaufmännischer Seite können wir das nachvollziehen“, sagt Jannis Vassiliou, Vorsitzender des Einzelhandelsverbands Bonn/Rhein-Sieg/Euskirchen. Er verweist auf die nahegelegene Galeria Kaufhof am Münsterplatz, beide Häuser nebeneinander könne man auf Dauer nicht halten. Mit der Schließung von Karstadt werde aber ein starker Publikumsmagnet fehlen. Vassiliou schlägt ebenfalls vor, städtische Dienststellen mit viel Publikumsverkehr dorthin zu verlegen. In den ersten beiden Etagen sollte aber wieder großflächiger Einzelhandel einziehen.

Das sind die Wünsche der Bonner

„Bitte nicht noch eine Shoppingmall oder so was“, sagt Inge Lange (73), die verärgert auf die bevorstehende Schließung des Karstadt-Hauses an der Poststraße reagiert. An eine alternative Nutzung mag sie gar nicht denken. Zu sehr fühlt sie mit den Mitarbeitern. „Die Lage ist zwar attraktiv“, sagt sie, aber eine Idee, was man hier machen könne, habe sie auch nicht. Die meisten vom GA vor Ort befragten Bonnerinnen und Bonner wünschen sich, dass alles so bleibt wie es ist. „Erst gehen Wehmeyer, Puppenkönig und Knauber“, fasst Ute Bahr (52) resigniert zusammen, „und jetzt auch noch Karstadt“. Vielleicht sollte man einen Baumarkt dort eröffnen, überlegt sie. „Ich könnte mir einen Bastelmarkt vorstellen“, sagt Bahr weiter. „Vielleicht kombiniert mit einem Baumarkt und ein paar Restaurants.“ Dann lacht sie und meint, dass ihr „Konzept“ zur Abwehr eines zu befürchtenden Leerstands eigentlich ein „neuer Knauber“ wäre.

„Das Beste wären bezahlbare Büroflächen. Die suchen wir nämlich dringend“, sagt ein Anfang Dreißigjähriger, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Er arbeitet für das Bonner International Center for Conversion (BIC) und klagt darüber, wie schwer es sei, in Bonn geeignete Büroflächen für die rund 50 BIC-Mitarbeiter zu finden.

Für Hendrik Böttcher (31) wäre eine Umwandlung der Karstadt-Etagen in für Bonn so dringend benötigten Wohnraum eine Option. Da­rüber hinaus könnte er sich auch vorstellen, dass man das Haus begrünt. „Sei es auf dem Dach oder an den Außenwänden. Oder, wenn es machbar ist, könnte man im Inneren auch so etwas wie Botanische Gärten anlegen.“ Grüne Gärten und Restaurants kombiniert mit vielen Einzelhändlern fänden auch die beiden 18-jährigen Freundinnen Mladina Arnold und Lisa Hengstler gut. „Man könnte auch das Maximiliancenter in das Karstadt-Gebäude umziehen und dafür einen großen Bahnhofsvorplatz entstehen lassen“, lautet ein anderer, nicht ernst gemeinter Vorschlag von Mladina.

Ute Bahr, 52, aus Bonn könnte sich einen Baumarkt dort vorstellen. Foto: Stefan Hermes
Mladina Arnold und Lisa Hengstler, 18, sind für einen bunten Mix. Foto: Stefan Hermes
Gerhard Schäfer, 67, sieht die Schließung als Herausforderung. Foto: Stefan Hermes

„Alles ist vorstellbar, nur keine Ein-Euro-Shops“, ist die Meinung von Marion Hübner (53). Ali Aktas (48) wünscht sich, dass dort ein Karstadt-Kaufhof-Konkurrent einziehen sollte, um zu zeigen, dass Bonn durchaus noch ein Warenhaus verkraften könnte. „Das Angebot muss eben nur attraktiv sein“, ist seine Überzeugung. „Ich sehe den Wegfall von Karstadt vor allem als eine Herausforderung an die Stadt Bonn“, sagt Gerhard Schäfer (67). Mit der anstehenden Wahl des Oberbürgermeisters, so Schäfer, könne man davon ausgehen, dass sich die Kandidaten wohl etwas zur Nachnutzung einfallen ließen.