Kommentar zum GA-Herbstbarometer Schöner Platz zum Leben

Meinung | Bonn · Die Leser des General-Anzeigers sehen die Zukunft ihrer Region in der Mehrzahl optimistisch. Auf einer Skala von - 5 (negativ) bis + 5 (positiv) geben sie Bonn, dem Rhein-Sieg-Kreis und dem Kreis Ahrweiler im Durchschnitt eine 2. Das ist eines der Ergebnisse einer großen GA-Meinungsumfrage, an der sich 3010 Frauen und Männer beteiligt haben.

Wir leben in einer Gegend, in der man getrost alt werden kann – so darf man das GA-Herbstbarometer interpretieren. Die Antworten der rund 3000 Umfrageteilnehmer belegen, was die meisten Bewohner unserer Region trotz alltäglicher Ärgernisse ganz genau wissen: Es ist ein Standort mit hoher Lebensqualität und sehr guten Perspektiven.

Die Menschen haben mehrheitlich Vertrauen in die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Region mit ihren starken Mittelständlern, den Dax-Riesen Post und Telekom, den Ministerien und Bundesbehörden, den vielen Wissenschaftseinrichtungen. Die Verbundenheit mit ihren Städten und dem Rheinland ist groß – so viel sei schon verraten, bevor der GA in den kommenden Ausgaben weitere Ergebnisse der großen Umfrage präsentiert. Und auch die Zufriedenheit mit dem eigenen Leben ist bei den meisten hoch.

Was auffällt: Der Optimismus ist bei den Bonnern weniger ausgeprägt als in den anderen Kommunen. Das mag daran liegen, dass sich Probleme in größeren Städten schärfer abzeichnen. Die Tendenz passt aber zu einer Studie, die das Infas-Institut vorige Woche vorgestellt hat: Demnach sinken bei den Bonnern die Zufriedenheitswerte im Bereich innere Sicherheit, beim Nahverkehr und beim Straßenausbau, und auch ihr Vertrauen in die Wirtschaft nimmt ab. Die Stimmung der Bundesstädter kippt offenbar gerade.

Verkehrsprobleme und spektakuläre Gewaltverbrechen, die trotzdem nur Einzelfälle sind, tragen dazu sicherlich bei. In beiden Bereichen kann die Stadt selbst wenig bewegen, sondern ist auf Bund und Land angewiesen. Ganz anders beim Wohnungsmangel, der den Menschen Sorgen bereitet: Hier sind Rat und Verwaltung in Bonn gefordert, den Neubau viel stärker anzukurbeln – auch durch Verdichtung, auch gegen den Widerstand von Anwohnern.