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Südüberbauung in Bonn: Schon am Montag kommt der Bauzaun

Südüberbauung in Bonn : Schon am Montag kommt der Bauzaun

Die Südüberbauung ist weitgehend leer geräumt, im Hintergrund wird emsig an den Vorbereitungen für den Abriss des Gebäudeensembles gearbeitet. Doch der gestaltet sich schwieriger als angenommen.

„Aber das ist alles lösbar“, sagt Moritz Tank, Projektleiter bei der Ten Brinke Group. Am Abrisstermin Ende Januar werde festgehalten.

Schwieriger scheint indes die Baustelleneinrichtung zu werden. Insbesondere wenn die Bauarbeiten für das Nordfeld („Urban Soul“) im Frühjahr/Frühsommer 2017 beginnen, müssen sich Fußgänger und Geschäftsleute auf einige Unannehmlichkeiten einstellen.

„Das ist sehr ambitioniert“, sagt Peter Knodt von der Bereichsdirektion der Volksbank Bonn/Rhein-Sieg, der die Immobilien an der Maximilianstraße zwischen dem Friseur an der Ecke Gangolfstraße bis hin zu Mr. Music gehört, darunter auch die 60 Wohneinheiten des Studentenwerks.

„Das ist für den Investor sicherlich nicht einfach, mitten in der City solch ein Projekt umzusetzen“, so Knodt. Die endgültigen Pläne, wie die Wegebeziehungen während der Bauphase rund um Südüberbauung und Nordfeld aussehen, kennt auch er nicht.

Maximilianstraße schrumpft auf eine Breite von drei Metern

Bernd Gelhausen ist einer der unmittelbar betroffenen Geschäftsleute. Seit fast 25 Jahren bietet er an der Maximilianstraße in seinem Laden Schallplatten und CDs an. Die Ungewissheit über die Planung der Baustelleneinrichtung zehre an den Nerven.

„Eigentlich wissen wir nicht, was auf uns zukommt“, so Gelhausen. Er habe vergeblich versucht, Informationen zu bekommen. „Ich finde, das geht eigentlich nicht. In vier Wochen geht es ja praktisch los.“ Die Auskunft aus dem Stadthaus auf GA-Anfrage zu Beginn der Woche fällt kurz und knapp: „Details der Baustelleneinrichtung werden noch zwischen Stadt, Investor, Behindertengemeinschaft sowie SWB und DB abgestimmt. Wir informieren rechtzeitig, wenn alle Punkte geklärt sind.“

Am Donnerstag flattert den Geschäftsleuten dann ein Schreiben von Ten Brinke ins Haus. Darin wird kurz und bündig erklärt, dass man am 19. Dezember mit der Baustelleneinrichtung beginnen werde. Also am kommenden Montag.

Aus dem mitgelieferten Plan sind lediglich die Absperrungen zwischen Post- und Gangolfstraße zu erkennen. Und dass dort nur eine Breite von drei Metern bleibt. Auch Autofahrer müssen sich wohl auf Einschränkungen gefasst machen, zumal auf der linken Fahrspur der Maximilianstraße zur Straße Am Hauptbahnhof Baken aufgezeichnet sind.

„Dass ohne Vorwarnung ausgerechnet in der Weihnachtswoche der Bauzaun kommt, ist eine große Sauerei und zeigt, wie wenig Rücksicht hier auf die angrenzenden Geschäfte genommen wird“, ärgert sich Gelhausen.

Fußgängerrampe wird gesperrt

Unbestritten sind die zu erwartenden Probleme: Während der Abriss- und Bauphase wird die Fußgängerrampe aus der Untergeschossebene zum Busbahnhof (ZOB) gesperrt. Schwierig gestaltet sich auch der Zugang zum Hauptbahnhof von der Poststraße aus.

Die Maximilianstraße zwischen Post- und Gangolfstraße wird nach aktuellen Überlegungen gerade mal drei Meter breit – eigentlich zu schmal für die Müllfahrzeuge, die die Müllcontainer der dortigen Geschäfte und Gastronomen leeren. Allein das Studentenwerk hat 60 Tonnen im Keller stehen, die zum Leeren an die Straße gestellt werden.

„Für die Geschäfte wird es eng, weil sich alles in einer gemeinsamen Verkehrsfläche abspielt. Es gibt keinen abgegrenzten Bereich für Lieferverkehr oder das Abstellen von Müllcontainern“, sagt Knodt. Eng wird es auch vor dem Gangolf, denn dort soll der Hauptkran stehen. „Wie das alles mit dem Lieferverkehr funktionieren soll, ist mir ein Rätsel.“ Knodt zeigt aber Verständnis für die Bauherrn. „Die brauchen Sicherheitszonen und Platz für die Lkw. Das wird ein schwieriges Unterfangen.“

Und es kommen noch Kanalbauarbeiten dazu

Als würde das nicht reichen, beginnen ab Mai 2017 Kanalbauarbeiten auf der Maximilianstraße – und sollen bis April 2018 dauern. „Es handelt sich um Kanalbauarbeiten im Bereich des Busbahnhofs. Der Bau erfolgt überwiegend unterirdisch, allerdings soll eine wichtige Grube an einer Stelle abgeteuft werden, an die die Haltestelle der Straßenbahn in Fahrtrichtung Stadthaus verlegt werden soll, wenn die Arbeiten auf dem Nordfeld beginnen“, erläutert Stefanie Zießnitz vom Presseamt.

Sofern das Tiefbauamt für die Grube keine Alternative finde, werde der Kanalbau zeitlich verschoben. „Die Maßnahmen werden sich nicht gegenseitig behindern", so Zießnitz. "Das stellt das Tiefbauamt über das Baustellenmanagement sicher.“

Um Rückbau- und Abrissmaßnahmen zu koordinieren, fänden in regelmäßigen Abständen Treffen aller bei den Stadtwerken beteiligter Fachkollegen mit Investor Ten Brinke und zuständigen städtischen Mitarbeitern statt, sagt Veronika John von den Stadtwerken Bonn.

„Die Baustelle wird rundherum mit einer Absperrung versehen, wobei auch der bisherige unterirdische Durchgang in der sogenannten B-Ebene zum ZOB geschlossen werden muss“, bestätigte sie. Fahrgäste könnten aber weiter den Durchgang zum DB-Bereich nutzen und die Bahnsteige der Stadtwerke auf der C-Ebene erreichen. Über die Wegeführung würden die SWB rechtzeitig informieren.

Bahnhofstiefgarage bleibt vorerst im Betrieb

Bedingt durch Abriss und Neubau der Südüberbauung sowie aller weiteren Umbauten in den Untergeschossen – unter anderem wird eine weitere Passage in Richtung Cassiusbastei entstehen – würden alle Anlagen der Videoüberwachung, Notrufsäulen und die Fahrtreppen zum Schnellrestaurant auf Straßenebene zurückgebaut. „Unsere Mitarbeiter montieren zudem die Tuffsteinstelen der Straßenbeleuchtung rund um die Südüberbauung ab sowie die alte Beleuchtung im Baustellenbereich“, berichtet John.

Zwei gute Nachrichten: Die Bahnhofstiefgarage wird bis zum Beginn der Baumaßnahme im Nordfeld „nach derzeitigen Kenntnis- und Planungsstand“ in Betrieb bleiben. Und: Die Kult-Pizzeria Cala Dor, die 33 Jahre lang gegenüber dem Hauptbahnhof nicht nur Nachtschwärmern fast rund um die Uhr mit belegtem Fladen versorgt hat, hat ein neues Domizil gefunden: an der Wesselstraße, direkt an der Kaiserpassage.