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Gedenken am Busbahnhof: Schon elf Drogentote in diesem Jahr

Gedenken am Busbahnhof : Schon elf Drogentote in diesem Jahr

Traurig blickte Tom am Mittwoch am Busbahnhof zu den Bildern verstorbener Bonner Drogenkonsumenten hinüber. "Den Sebastian kannte ich. Und den Andre auch. Mensch, irgendwann sind die verschwunden", sagte Tom hilflos.

In seinen Augen standen Tränen. Der 42-Jährige hatte sich gerade am Stand der Aids-Initiative Bonn mit neuen Einwegspritzen und Kondomen versorgt.

Ja, er komme nicht mehr von den Drogen los, bekannte der Mann im GA-Gespräch. Seit er 16 sei, spritze er und nutze derzeit regelmäßig den Bonner Drogenkonsumraum. Bis vor zwei Jahren habe er nach Entwöhnungsversuchen noch arbeiten können.

"Das schaffe ich jetzt nicht mehr." Auf die Frage, ob Drogenkonsumenten und HIV-Kranke denn in Bonn Hilfen bekämen, nickte der 42-Jährige dann. "Ja, man muss sich melden. Aber dann helfen die einem schon gut."

Mit "die" meinte Tom Mitarbeiter der Aids-Initiative wie Christa Skomorowsky, die am Mittwoch anlässlich des internationalen Gedenktags für verstorbene Drogenkonsumenten einen Stand mit flackernden Kerzen vis-à-vis des Hauptbahnhofs aufgebaut hatten.

"Auch ich kann mir die Fotos der Verstorbenen nicht ohne Heulen ansehen. Bei einigen haben wir ja Sterbebegleitung geleistet", erläuterte sie. Und zeigte auf eine Plakatwand. "Hier sieht man, wohin wir Bonner die Drogengebraucher seit den 1970er Jahren verdrängen."

"Das sind doch sinnlose Tode"

Vom Kaiserbrunnen über den Kaiserplatz, den Platz vor dem heutigen Karstadt über das Bonner Loch bis zum jetzigen Treffpunkt an der Abfahrt des Flughafenbusses. "Unsere Initiative mahnt diesen repressiven und menschenunwürdigen Umgang mit kranken und sozial schwachen Mitbürgern an. Niemand macht sich Gedanken, wo diese Menschen eigentlich hin sollen", sagte Skomorowsky.

Und niemand teile ihnen mit, dass die häufig auftretende Krankheit Hepatitis C inzwischen medikamentös heilbar sei. "Bonner Drogennutzer sterben immer noch daran. Das sind doch sinnlose Tode", klagte Skomorowsky.

Nicht nur an HIV und Hepatitis C litten Menschen aus dem Drogenbereich, sondern auch an gesellschaftlicher Ausgrenzung und täglichen Diskriminierungen, sagte sie dann unter dem Mottoschild: "Der Drogentoten gedenken, Todesfälle verhindern." Man begehe den jährlichen Trauertag gemeinsam mit den Betroffenen, weil denen meist keine Gelegenheit gegeben werde, an den Beerdigungen ihrer Freunde teilzunehmen.

Gedenktag für verstorbene Drogenabhängige

Kürzlich erst sei im Rat eine "Ordnungsbehördliche Verordnung über ein Alkoholkonsumverbot" beschlossen worden, und zwar mit dem Argument, dass das eine erhöhte Beratungsbereitschaft der Betroffenen garantiere, fügte Jürgen Repschläger vom Vorstand der Aids-Initiative hinzu.

"Doch nicht Verbote und repressive Maßnahmen haben zu höheren Beratungszahlen geführt. Der Erfolg basiert auf besseren Beratungsangeboten. Denn Helfen ist sinnvoller als Verbieten."