Berufe entgegen der Rollenklischees Schüler testen beim Girls' und Boys' Day verschiedene Jobs

Bonn · Berufe wider der Rollenbilder: Schülerinnen verbrachten den Girls’ Day bei „Geobasis NRW“ in Muffendorf, ein Schüler versuchte sich als Erzieher in der Kindertagesstätte in Endenich.

 Sandy Dreher – hier im Jugendzentrum „Jap“ – will später als Erzieherin arbeiten.

Sandy Dreher – hier im Jugendzentrum „Jap“ – will später als Erzieherin arbeiten.

Foto: Horst Müller

Tierärztin, Schauspielerin, Sängerin steht bei den Mädchen hoch im Kurs, Polizist, Mechatroniker und Fußballprofi sind die Traumjobs der Jungs. Die Berufswahl wird immer noch von Rollenklischees geprägt. Um Jugendlichen einen Blick in ganz andere Arbeitsbereiche zu bieten, öffneten am Donnerstag wieder Betriebe, soziale Einrichtungen, Forschungsinstitute sowie Behörden und Handwerksunternehmen ihre Türen zum „Girls’ und Boys’ Day“.

Der Zwölfjährige Aron von der Bertolt-Brecht-Gesamtschule verbrachte den Tag in der Kita der Trinitatskirchengemeinde in Endenich. „Ich weiß, dass so etwas eigentlich Mädchen machen“, erzählte er. „Aber ich war früher selbst hier. Ich habe viele schöne Erinnerungen und wollte die Arbeit in einem Kindergarten kennenlernen.“ Zwar ist eine Karriere als Fußballprofi immer noch seine erste Wahl, doch „ich könnte mir auch so eine Arbeit vorstellen“. Für Kita-Leiterin Elke Kirschner wäre das ein Glücksfall. „Wir würden uns freuen, wenn wir auch männliche Erzieher in unserem Team hätten“, stimmte sie ihrem Praktikanten zu.

Sandy aus der sechsten Klasse der Karl-Simrock-Schule hatte sich ebenfalls für einen sozialen Beruf entschieden. Im Kinder- und Jugendzentrum „Jap“ half sie nachmittags bei der Kinderbetreuung. „Ich will später auf jeden Fall etwas mit Kindern machen. Am liebsten wäre ich einmal Erzieherin an einer Schule“, sagte die 13-Jährige. Diesen Traum haben viele Mädchen aus ihrer Klasse. „Alle wollen später einmal mit Kindern arbeiten“, berichtete sie. Nur wenige würden sich für einen Handwerksberuf interessieren.

Werbung für einen „Schnuppertag“ in einem naturwissenschaftlichen Beruf muss man an der Liebfrauenschule nicht machen. „Nein“, beobachtet Annika Rüter, die an dem Erzbischöflichen Gymnasium für die Organisation des Girls’ Day zuständig ist. „Sehr beliebt sind Schnuppertage im Fraunhofer Institut. Da die Mint-Förderung fester Bestandteil an unserer Schule ist, stehen bei unseren Mädchen alle naturwissenschaftliche Bereiche hoch im Kurs.“

Den schnellsten Weg ins Kino finden oder nur rasch eine Abkürzung zum Treffen mit der Freundin nehmen. Ein kurzer Wisch über das Smartphone, schon wird die optimale Strecke angezeigt. „Wir haben uns schon öfters gefragt, wie Navigations-Apps funktionieren.“ Carina, Luisa, Leonie und Amelie kamen mit großen Erwartungen zur „Geobasis NRW“ nach Muffendorf. „Beim Einsatz von Solartechnik, dem Hochwasserschutz sowie bei Straßen-, Brücken- und Schienenausbau werden Daten der Satellitenvermessung eingesetzt“, erklärte Olaf Lüders den 15 Schülerinnen. „Die Vermessungstechnik ist immer noch eine männerdominierte Branche. Es wäre schön, wenn wir mehr Mädchen für diesen Beruf begeistern können“, warb er für sein Metier und ergänzte: „Die Mädchen sind wirklich sehr interessiert. Es macht Spaß, ihnen alles zu erklären.“

Mit Eifer waren auch Emma und Jessica bei der Sache. Nach einigen Erklärungen duften sie schließlich selbst Messübungen durchführen. „Ich könnte mir schon vorstellen, einmal in diesem Beruf zu arbeiten“, sagt die 14-jährige Emma vom Rheinbacher St. Joseph-Gymnasium. Sie hatte aber noch eine zweite Option für den Girls’ Day. „Ich habe mich auch für das BKA in Meckenheim interessiert. Letztendlich fand ich das hier jedoch spannender.“ Jessica, zwölf Jahre alt, hat sich noch nicht entschieden, in welche Richtung es einmal gehen soll. „Vielleicht studiere ich, vielleicht mache ich eine Ausbildung“, sagt die Schülerin der Gertrud-Bäumer-Realschule und bediente unter Anleitung von Guido Balkenhol einen GPS-Empfänger.

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