Fotografie-Workshop Tannenbusch Schüler zeigen Tannenbusch aus ungewohnten Blickwinkeln

TANNENBUSCH · Dass man den oft als sozialen Brennpunkt verschrienen Tannenbusch mit anderen Augen sehen kann, diese Erfahrung haben elf Schüler des Tannenbusch-Gymnasiums bei einem Fotografie-Workshop gemacht.

 Impressionen aus Tannenbusch: Ivana erklärt ihre Fotos, die sie in dem Stadtteil gemacht hat.

Impressionen aus Tannenbusch: Ivana erklärt ihre Fotos, die sie in dem Stadtteil gemacht hat.

Foto: LISA ROSSEL

Zum Abschluss zeigten die Jugendlichen im Alter von 13 bis 16 Jahren ihre Fotos im Tannenbusch-Center. Der Workshop beleuchtete Tannenbusch aus Sicht der Jugendlichen. Sie lernten dabei zum einen, mit digitalen Spiegelreflexkameras umzugehen, zum anderen aber auch, dass Tannenbusch mehr ist als nur ein Brennpunktviertel.

Hierzu machten sie Fotoexkursionen durch das Stadtviertel und führten Interviews mit anderen Jugendlichen. Bei der Ausstellung am vergangenen Samstag zeigten die Schüler rund 60 Schwarz-Weiß-Fotografien und prägnante Zitate, die sie in den Interviews gesammelt haben.

Iwana (15) und Nico (13) haben in erster Linie wegen der Fotografie an dem Projekt teilgenommen. Beide interessierten sich zuvor schon dafür und fotografieren in ihrer Freizeit. "Ich habe trotzdem noch viel gelernt", sagt Iwana. Nico ergänzt, dass es ihn aber auch gereizt hat, Interviews zu führen und damit die Fotos einzuordnen. Die 15-jährige Ikram findet es interessant, dass jeder einen anderen Blickwinkel auf die verschiedenen Dinge hat und dass die Motive ausgedruckt ganz anders aussehen als auf dem Bildschirm der Kamera. "Das war die beste Gelegenheit, sich mit dem Viertel Tannenbusch auseinanderzusetzen. Jeder lässt sich von den Vorurteilen leiten, aber Tannenbusch ist viel mehr als nur ein Brennpunktviertel", so Yasmin (15). Ähnlich sieht es auch Nico: "Ich wollte das Projekt dazu nutzen, um zu zeigen, dass Tannenbusch nicht kriminell ist."

Die Jugendlichen suchten während ihrer Exkursionen ihre Lieblingsorte auf, aber auch Plätze, an denen sich andere Jugendliche gerne aufhalten. So entstanden Fotos vom Grüngürtel, Reihenhaus- und Hochhaussiedlungen, Jugendzentren und Sportplätzen und viele Interviews. Die Fotos zeigen unerwartet schöne Seiten des Stadtviertels mit dem problematischen Ruf, andere zeigen vermeintlich hässliche Ecken aus einer anderen Perspektive.

Geleitet wurde das Projekt von der brasilianischen Fotografin Lene Pampolha und ihrer Kollegin Ulrike Tscherner-Bertoldi, die das KinderAtelier im Frauenmuseum leiten. Die Spiegelreflexkameras hatte der Förderverein der Schule extra für das Projekt angeschafft. Nun sollen die Bilder und Interviews auch noch an anderen Orten in Bonn gezeigt werden.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort