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Schulen in Bonn: Nachhilfe beim digitalen Unterricht nach Corona-Pause

Schüler ohne Laptops : Nachhilfe beim digitalen Unterricht an Bonner Gymnasien

Die digitalen Voraussetzungen für das Homeschooling waren Mitte März an Bonner Schulen nicht die besten. Unterstützung gibt es jetzt von einem EDV-Unternehmen.

Aufgaben per E-Mail oder Briefumschlag zum Abholen, Nachfragen über die WhatsApp-Gruppe, wobei der Lehrer darin nicht Mitglied sein darf – die digitalen Voraussetzungen für das Homeschooling waren Mitte März auch an Bonner Schulen nicht die besten. Und auch wenn jetzt einige Klassenstufen wieder zum Unterricht dürfen: Für die meisten Schüler wird dieses Schuljahr vermutlich nicht im normalen Rahmen enden.

Sieben Wochen nach der Schließung seiner Schule Mitte März kann Uwe Bramstedt am Beethoven-Gymnasium mit seinem Kollegium auf eine ganze andere Infrastruktur zurückgreifen. „Wir haben uns die Kommunikation zwei Wochen lang angesehen. Dann war klar, dass wir eine andere Lösung brauchen“, berichtet der Schuldirektor. Nach einer Umfrage unter Kollegen und bei der Schulpflegschaft nach den dringendsten Bedarfen fanden Bramstedt und sein Digital-Team in der Bonner Firma Hansen und Gieraths für EDV-Vertrieb einen Partner. Innerhalb weniger Tage haben die dortigen Mitarbeiter die kostenlosen Schüler-Accounts für Microsoft Office 365 zu einzelnen Teams verknüpft. So entstanden für jede Lerngruppe und auch für die Lehrerschaft virtuelle Klassen- und Lehrerzimmer.

„Darin lassen sich jetzt gesammelt Aufgaben verteilen und die Ergebnisse zurückschicken, Materialien einstellen, individuelles Feedback geben und auch Videokonferenzen abhalten“, schwärmt Bramstedt. Ein ganzer Baukasten für digitales Lernen steht dem Gymnasium mit über 900 Schülerinnen und Schülern jetzt zur Verfügung. Um die Lehrerschaft zu entlasten, übernahm das Unternehmen die Arbeiten kostenlos. „Uns als Laien in diesem Bereich hätte das viele Tage Arbeit gekostet“, glaubt der Schulleiter. Bramstedt ist aber auch überzeugt: „Digitale Angebote können nur ein Werkzeug zur Unterstützung sein“. Am besten lernten Schüler weiterhin von Mensch zu Mensch.

Auch das Konrad-Adenauer-Gymnasium hat das Angebot zur freiwilligen Unterstützung gerne angenommen. Mechthild Ankerhold, stellvertretende Schulleiterin, freut sich, dass es damit nun auch datenschutztechnisch eine solide Lösung gibt. „Bei vielen jüngeren Schülern mussten wir die E-Mail-Adressen der Eltern nutzen. Manche konnten wir gar nicht digital erreichen“, sagt sie. Improvisieren war notwendig, auch über Konferenz-Programme wie Zoom, bei denen allerdings Bedenken zum Datenschutz bestehen. „Für mich war vor allem wichtig, dass der Kontakt zwischen uns und den Schülern nicht abriss“, sagt Ankerhold. Alle zwei Wochen rief sie deshalb sämtliche Schüler ihrer Latein- und Mathe-Kurse individuell an, um Feedback zu geben und einzuholen. „Das ist sehr zeitaufwendig“, erklärt sie.

Wirklich entschärft ist die Situation für viele Schüler damit allerdings nicht. Längst nicht jeder habe einen eigenen Computer zur Verfügung, sagt Ankerhold. Und auf dem Smartphone sei Lernen doch sehr erschwert. Einige Kinder müssten ihre Aufgaben auf Papier in der Schule abholen. Viele Familien hätten keinen Drucker. „Solange der Schulträger hier nicht in die Tasche greift und alle Kinder mit Laptops oder Tablets ausstattet, bleibt die digitale Revolution in der Schule in den Ansätzen stecken“, fasst sie zusammen. Und das vor allem auch vor dem Hintergrund, dass der städtische Datenschutzbeauftragte bislang die Nutzung eigener Geräte im Unterricht untersagt habe.

Letzteres bestreitet die Stadtverwaltung. Der Datenschutzbeauftragte der Stadt, Erik Lindener-Schmitz, „hat bislang weder zum Einsatz privater Endgeräte noch zu dem Thema Einsatz von Zoom eine Empfehlung abgegeben“, sagt Marc Hoffmann, Vizesprecher der Stadt Bonn. Im Übrigen könne Lindener-Schmitz die Verwendung auch nicht verbieten.

Natürlich gibt es Pädagogen wie den Mathematik-Lehrer Kai Schmidt aus dem Emsland, der auf seinem Youtube-Kanal sehr erfolgreich und kostenlos Nachhilfe gibt. Auch seine Fachkollegin Ankerhold in Bonn hat sich bereits an Video-Tutorials versucht. „Aber das muss man sorgfältig vorbereiten. Und es kostet viel Zeit zusätzlich.“

Auch Manfred Theis, Direktor des Clara-Schumann-Gymnasiums in der Südstadt, freut sich über das Engagement der Firma Hansen und Gieraths, die auch seiner Schule die kostenlose Einrichtung der Internet Plattform Teams anbietet sowie bis zu den Sommerferien bedürftigen Familien unentgeltlich Laptops zur Verfügung stellt. Schließlich spielt an den Schulen „ die digitale Bildung derzeit eine besonders wichtige Rolle“, so Schulleiter Theis.