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Bonner Arbeitsmarkt: Schwierige Jobsuche durch die Corona-Pandemie

Bonner Arbeitsmarkt : Schwierige Jobsuche durch die Corona-Pandemie

Die Bonner Arbeitsagentur verspürt vermehrt die Sorgen der Menschen in der Corona-Pandemie, die Jobsuche gestaltet sich schwierig. Ein Lösungsansatz soll die Beratung per Telefon sein.

„Seit dem ersten Lockdown sitze ich zu Hause“, sagt Eva Beier. Jahrelang hatte die heute 37-Jährige für Zeitarbeitsfirmen in ihrem erlernten Beruf als Bürokauffrau gearbeitet. „Die Zeitarbeitsfirma hatte keine freien Stellen mehr und hat mir gekündigt. Ich hatte mich bei anderen Firmen beworben, aber wegen Corona wurden keine neuen Mitarbeiter mehr eingestellt.“ Sie wandte sich an die Arbeitsagentur. Psychisch gesehen sei es hart gewesen, sagt sie, bis Ende Oktober keinen Alltag mehr gehabt zu haben. Doch seit bald drei Monaten befindet sie sich in einer Umschulung zur Erzieherin. Mit dem Ende der Ungewissheit, wie es weitergehen könnte, geht es ihr wieder besser. Seitens des Arbeitsamts sei sie immer schnell und freundlich beraten worden. Auch die Umschulung wurde ihr direkt bewilligt. Beier sieht optimistisch in ihre Zukunft.

Dass man bei der Arbeitsvermittlung alles dafür tut, den Kontakt zu Arbeitgeber- und Arbeitnehmerkunden auch in Corona-Zeiten so gut wie möglich aufrechtzuerhalten, bestätigt Gerold Gleesner von der Akademischen Arbeitsvermittlung der Agentur für Arbeit Bonn/Rhein-Sieg. In Zeiten des Lockdowns sei die persönliche Beratung aufwändiger geworden und erfolge nun in der Regel telefonisch. Dabei habe er es auch mit Arbeitgebern zu tun, die in großer Not sind und finanzielle Absicherung brauchten. Aber es gebe auch diejenigen, die händeringend neue Arbeitskräfte suchten. „Die allermeisten Kunden gehen mit der Situation sehr verständnisvoll um. Doch wir spüren auch die steigenden Sorgen“, so Gleesner.

Schon vor der Pandemie habe es Ausbildungsbereiche gegeben, die ihren eigenen Fachkräftebedarf nicht mehr sicherstellen konnten. Insbesondere das Hotel- und Gaststättengewerbe sei von der Pandemie betroffen. Für das neue Jahr gibt es dort bisher keine gemeldeten Ausbildungsstellen. Die erhoffte Verschiebung der ausgebliebenen Einstellungen vom Sommer auf die Winterklasse im Januar/Februar sei durch die Verlängerung und das offene Ende des erneuten Lockdowns nicht mehr zu erwarten.

Auf Anfrage des GA teilt die Bonner Arbeitsagentur mit, dass sich der Arbeitsmarkt gemessen an der coronabedingten Gesamtsituation als relativ robust erwiesen habe. Unterstützungsprogramme für Unternehmen sowie für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zeigten Wirkung. Zum jetzigen Zeitpunkt seien jedoch die kurz- und mittelfristigen Folgen der Pandemie auf Wirtschaft und Arbeitsmarkt nur schwer abschätzbar. In den kommenden Jahren werde die sogenannte Babyboomer-Generation nach und nach aus dem Erwerbsleben ausscheiden, die Anzahl der Erwerbspersonen sich somit reduzieren und gleichzeitig werde sich die Anzahl der durch das Gesundheitssystem zu versorgenden Personen erhöhen.

„Im Zuge der Corona-Krise ist die Zuwanderung aus dem Ausland gesunken und bei einigen Personengruppen ist ein vorübergehender Rückzug aus dem Erwerbsleben, zum Beispiel durch Schwierigkeiten mit der Kinderbetreuung, zu beobachten. Der Fachkräftebedarf, der sich unter anderem durch die demografische Entwicklung ergibt, zeigt sich schon jetzt durch wachsende Schwierigkeiten bei der Gewinnung von geeignetem Personal. Die Tatsache, dass die Unternehmen stark auf das Instrument der Kurzarbeit setzen, lässt darauf schließen, dass dort das Interesse sehr groß ist, die Fachkräfte zu halten“, lässt die Bonner Agentur durch ihre Pressesprecherin Elline Köckritz wissen.

Wer jetzt vor einer Ausbildungs- oder Studienwahl steht, sollte sich von Fachleuten der Bonner Arbeitsagentur unterstützen lassen. Die Berufsberatung bietet ihre Hilfen auch in Corona-Zeiten an. „Der beste Start in das Berufsleben ist einer, der gut vorbereitet und überlegt ist“, so Gleesner. Bei der Wahl sollten die eigenen Stärken und die Motivation im Vordergrund stehen. Was die Stärken sind und wo diese am besten zum Einsatz kommen, lasse sich auch telefonisch in einem Beratungsgespräch erarbeiten. Dabei könnten auch immer Alternativen besprochen werden. Ein Ausbildungsstart ist auch noch im „fünften Quartal“ oder bis zum 1. Februar möglich.

Wer jetzt noch etwas sucht, sollte schnell und flexibel sein und sich vor allem initiativ bei der Arbeitsagentur melden und nicht warten. „Uns ist es wichtig, dass die Kundinnen und Kunden sich Zeit und Ruhe für unser Gespräch nehmen und wir ihn oder sie nicht telefonisch an der Supermarktkasse erwischen, um über ihre aktuelle berufliche Situation zu sprechen“, so Gleesner. Daher sollte ein telefonischer Beratungstermin vorher abgestimmt werden. Die Arbeitsagentur hat die persönliche Beratung seit Beginn der Pandemie auf telefonische Beratung umgestellt. „Die Bundesagentur für Arbeit baut auch die Videotelefonie weiter aus, sodass zukünftig auch über diesen Kanal mit den Kunden kommuniziert werden kann. Viele unserer Kundinnen und Kunden warten auf einen Termin zu einem Erstgespräch“, so Köckritz.

Da jedoch etwa 30 Prozent der vereinbarten Termine nicht eingehalten werden, weist Köckritz darauf hin, dass auch telefonische Termine verbindlich sind. Zudem könne die Agentur für Arbeit auch zur persönlichen Beratung einladen, wenn es notwendig sei und der Kunde dies wünsche. Um die Coronaschutz-Verordnung für Kunden und Mitarbeiter einhalten zu können, gibt es entsprechend den Hygieneregeln eingerichtete Beratungszimmer.