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Prozess in Bonn: Sechseinhalb Jahre Haft für Messerattacke auf Taxifahrer

Prozess in Bonn : Sechseinhalb Jahre Haft für Messerattacke auf Taxifahrer

Nach einer Messerattacke auf einen Taxifahrer ist ein 33-jähriger Mann vom Bonner Landgericht zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Einen Teil der Strafe muss der Drogenabhängige in einer Entziehungsklinik verbringen, entschied das Gericht am Montag.

Das Urteil ist eine Überraschung: Das Schwurgericht befindet den 33-jährigen Drogenabhängigen, der als Fahrgast am 12. Januar einen Taxifahrer im Annagraben überfallen und mit dem Messer attackiert und verletzt hat, nicht wie angeklagt des versuchten Mordes, sondern der gefährlichen Körperverletzung und des versuchten schweren Raubes für schuldig. Die Strafe fällt trotzdem hoch aus: Die Strafkammer schickt den Mann für sechseinhalb Jahre hinter Gitter und ordnet überdies dessen Unterbringung in einer geschlossenen Entziehungsanstalt an.

„Nein, es war kein Mordversuch“, erklärte Kammervorsitzender Josef Janßen zu Beginn der Urteilsbegründung. Aber, so der Richter: „Es war ein Albtraum, der für den Taxifahrer wahr wurde.“ Und zwar zum zweiten Mal, der 46-jährige Familienvater war schon einmal überfallen worden.

Als er am Mittag des Tattages den 33-Jährigen als Fahrgast aufnahm, ahnte er nichts Böses, schließlich war helllichter Tag. Doch der 33-Jährige hatte ihn bestellt, um ihn zu überfallen und ihm sein Geld und das Taxi zu rauben, davon ist das Gericht überzeugt. „Er hatte auch gar kein Geld dabei, um die Fahrt zu bezahlen“, so der Richter, der es als „dummes Zeug“ bezeichnet, dass der Angeklagte die Tat spontan begangen haben will.

Der 33-Jährige, der in Russland trotz frühen Drogenkonsums und ungünstiger familiärer Bedingungen die Schule und eine Ausbildung als IT-Fachmann absolviert hatte, stürzte in Deutschland völlig ab: Sein Abschluss wurde nicht anerkannt, er fand keine Arbeit und wurde noch abhängiger von Drogen. Doch die staatliche Unterstützung und die Zuwendungen der Großmutter reichten dafür nicht. Er lieh sich Geld von gefährlichen Männern, und als er durch diese immer mehr unter Druck geriet, entschloss sich der unbestrafte Angeklagte zu dem Überfall.

Messer an den Hals gehalten

Nachdem er noch einmal das Grab seines Großvaters besucht hatte, ließ er sich zum Annagraben fahren, packte den Fahrer von hinten und hielt ihm das Messer an den Hals. Als der Fahrer seine Hand packte, stach er aus Angst davor, von dem kräftigen Mann überwältigt zu werden, zu. „Ein einziges Mal, um aus der Situation herauszukommen, und nicht, um ihn zu töten“, so Richter Janßen.

Das Messer traf den Fahrer am Kopf und rutschte ab bis zum Hals. Der Fahrer wollte aussteigen, doch der Angeklagte, der das Taxi wollte, stand schon vor seiner Tür. Er zerrte an dem Fahrer, der sich wehrte, dabei einen Stich in die Hand erhielt und um Hilfe schrie. Da flüchtete der Angeklagte und warf das Messer weg. Drei Tage später wurde er gefasst.

Und für das Gericht steht nun fest: Zwar spricht für ihn sein reuiges Geständnis und seine bisherige Unbescholtenheit, aber gegen ihn sprechen vor allem die massiven Folgen für das Opfer, das nicht nur unter der Traumatisierung leidet, sondern auch finanziell geschädigt ist: Weil der 46-Jährige nur noch tagsüber fahren kann, hat er erhebliche Einbußen. Eine GA-Leserin hat der Familie nun aufgrund der bisherigen Berichterstattung finanzielle Hilfe angeboten, wie seine Anwältin Gudrun Roth mitteilte.

In seinem letzten Wort hatte der Angeklagte sein Opfer um Verzeihung gebeten und beteuert, wie sehr er die Tat bedaure. Der 33-Jährige ist mit der Unterbringung in der geschlossenen Entziehungsanstalt einverstanden. Er hoffe, so hatte er erklärt, endlich von den Drogen loszukommen und sein Leben zu ändern.