Verkehr in Bonn Kritik an geplanter Bürgerinformation zur Seilbahn

Bonn · Die Stadt plant weiter für die Seilbahn über den Rhein. Nach Kritik an einer geplanten Informationsveranstaltung für Anwohner bietet die Verwaltung jetzt eine zweite Veranstaltung an. CDU und BBB drängen darauf, den aktuellen Planungsstand für das umstrittene Projekt noch transparenter zu machen.

So könnte die seilbahn in Bonn aussehen (Montage).

So könnte die seilbahn in Bonn aussehen (Montage).

Foto: Richard Bongartz

Die Stadt weitet die Teilnehmerplätze für das geplante „Anliegendenforum“ zur Seilbahn aus. Das Presseamt teilte am Mittwoch mit, dass die Verwaltung wegen der „hohen Resonanz“ kurzfristig entschieden habe, am Samstag, 27. April, zwei Veranstaltungen für jeweils 150 Bürgerinnen und Bürger durchzuführen. Eine erste Gruppe soll am Mittag, eine zweite am Nachmittag in den Räumen des Dottendorfer Bürgervereins mit Fachleuten über die umstrittenen Pläne diskutieren können. Ursprünglich war nur eine Informationsveranstaltung für 120 Leute angedacht.

Mehr Anmeldungen als Plätze

Nachdem die Stadt in der vergangenen Woche mitgeteilt hatte, dass sie 2000 per Zufallsauswahl ausgewählte Anlieger der Seilbahntrasse eingeladen und schon mehr Anmeldungen als Plätze erhalten hatte, waren die ersten kritischen Stimmen zur Vorgehensweise zu vernehmen. Die Auswahl der Teilnehmer sollte per Los erfolgen. Zehn Prozent der Plätze sollten mit jungen Bürgern besetzt werden.

Eine Leserin des General-Anzeigers beklagt, die Entscheidungskriterien, wer zu der Veranstaltung zugelassen werde und wer nicht, seien nicht transparent. In eine ähnliche Richtung argumentiert die CDU mit einem Antrag, der am Dienstagabend einstimmig von der Bonner Bezirksvertretung beschlossen wurde. Antragsteller Arno Hospes sagte gegenüber dem GA, es müssten so viele Veranstaltungen stattfinden, dass alle interessierten Bürger daran teilnehmen können: „Sonst machen wir uns angreifbar.“ In der Begründung zum CDU-Antrag heißt es, ein Losverfahren würde „Spekulationen Raum bieten, dass die Teilnehmer/innen nicht ausgelost, sondern ausgesucht werden.“ Derartige Spekulationen seien für das Projekt kontraproduktiv.

CDU schlägt digitale Übertragung vor

Der Beschluss der Bezirksvertretung umfasst noch einen weiteren Aspekt. Sollte die Verwaltung sich nicht in der Lage sehen, so viele Veranstaltungen zu organisieren, soll sie die Teilnahme auf hybridem Wege ermöglichen, also durch eine digitale Übertragung. Das Presseamt kündigte an, es werde über die jetzigen Informationstreffen hinaus weitere Veranstaltungen geben. Eine weitere Bürgerbeteiligung folgt gesetzlich vorgeschrieben im Rahmen des notwendigen Planfeststellungsverfahrens.

Auch der Bürger Bund Bonn (BBB) kritisierte das ursprünglich geplante Verfahren mit nur einer Veranstaltung. Die Stadtverwaltung habe auf das rege Bürgerinteresse so zu reagieren, dass sie ausreichend Plätze zur Verfügung stelle. BBB-Stadtverordneter Johannes Schott führte weiter aus: „Das gewählte Verfahren deutet darauf hin, dass das ,Programmbüro‘ die Veranstaltung sehr genau steuern möchte.“ Aus Sicht des BBB müsste es Informationsveranstaltungen in allen betroffenen Stadtteilen geben, also neben Dottendorf auch in Ramersdorf, Gronau und auf dem Venusberg.

Die seit Jahren geplante Seilbahn soll von Ramersdorf über die Rheinaue hoch auf den Venusberg zur dortigen Uniklinik führen. Eine Ratsmehrheit auch über die Koalitionsfraktionen hinaus unterstützt den Bau und Betrieb einer Seilbahn als Teil des öffentlichen Nahverkehrs. Während Lobbyverbände wie der ADFC und der VCD das Projekt unterstützen, lehnt es die Bürgerinitiative „Bonn bleibt seilbahnfrei“ ab.

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