Stimmen direkt vom Weihnachtsmarkt So feiern die Bonnerinnen und Bonner das Fest

Bonn · Noble Restaurants, kultige Glöckchen am Heiligabend und das allgegenwärtige Thema Corona: Wie Bonner Weihnachtsmarktbesucherinnen und -besucher ihre zweite Corona-Weihnacht feiern.

Stimmen direkt vom Weihnachtsmarkt: So feiern die Bonnerinnen und Bonner das Fest
Foto: Benjamin Westhoff

Weihnachten steht auch in diesem Jahr im Zeichen der Pandemie. Auch wenn die Regeln für Zusammenkünfte einen gewissen Personenkreis zulassen, lässt sich Weihnachten 2021 durch die vierte Welle mit der Corona-Variante Omikron nicht so unbekümmert feiern, wie noch vor zwei Jahren. Wie Besucherinnen und -besucher des Bonner Weihnachtsmarkts ihr Weihnachtsfest feiern, erkundete GA-Mitarbeiter Stefan Hermes am vierten Adventswochenende.

Michael Herforth und seine Frau sind kinderlos und dankbar dafür, sich im Rentenalter etwas leisten zu können, was ihnen früher nicht möglich war. So werden sie an den drei Festtagen zum Abendessen feine Restaurants in Bonn und der Umgebung aufsuchen. „Das sind so die kleinen Annehmlichkeiten, die wir uns jetzt herausnehmen“, freut sich Herforth. Er hat sich vorgenommen, seinem Ärger über Corona und vor allem über die Impfverweigerer über Weihnachten keinen Raum zu geben. Stattdessen werde das Paar die Tage mit seinen beiden Katzen in Ruhe zuhause genießen und vielleicht noch den ein oder anderen Ausflug machen.

Da alle ihre Weihnachtsbesucher mindestens zweimal, manche bereits zum dritten Mal geimpft sind, sieht Waltraud Schwadorf im Gegensatz zu Weihnachten 2020 kein Problem darin, im Familienkreis zusammen mit Nachbarn das Weihnachtsfest zu feiern. Gerne erinnert sie sich daran, als 30-Jährige Weihnachten in Brasilien verbracht zu haben, wo man in der Hitze des Tages tanzend und singend die Geburt Jesu feiert. „Auch der Karneval hat mich dort fasziniert“, sagt sie und freut sich bereits heute auf den 8. Mai 2022, den Tag, auf den Düsseldorf seinen Karnevalszug verschoben hat.

Deborah Boateng und ihr Mann Sascha Kaul feiern gemeinsam mit ihren Familien. „Für uns bedeutet Weihnachten mit all den Menschen zusammen zu sein, die wir mögen. Daran ändert auch Corona nichts“, sagt Boateng. „Wir treffen uns allerdings erst, nachdem alle einen aktuellen Test gemacht haben“, ergänzt Kaul, für den es als Pfleger in einem Altenheim selbstverständlich ist, sich und andere durch Schnelltests zu schützen. Das schönste Weihnachten war für ihn, als seine Großmutter noch lebte und er als Kind noch kurz vor der Bescherung in die Badewanne musste und wusste, dass danach das Christkind kommen würde. Noch heute erinnert er sich gerne an das aufregendste Geschenk, dass ihm als Elfjähriger 1994 mit einem Handy gemacht wurde. „Da kostete die Gesprächsminute zwar noch mehr als eine Mark, aber das war damals das absolute Highlight.“

„Das wird das erste Weihnachten für unsere Helene“, sagt Martin Reitmeier und zeigt auf seine elf Monate alte Tochter, die dem Heiligabend, auf den ihre beiden Geschwister Kilian (7) und Raphael (3) voller Spannung warten, noch gelassen entgegensieht. Für den dreifachen Vater war dagegen immer der Morgen nach der Bescherung der schönste Moment, wo er sich alleine und in Ruhe mit seinen neuen Spielzeugen beschäftigen konnte. In diesem Jahr freut er sich insbesondere darauf, seine Frau mit einem Geschenk überraschen zu können, mit dem sie keinesfalls rechne.

Julia Behnisch wird kurz vor den Weihnachtstagen von Bonn aus ins heimatliche Berlin fahren. Dort hatte sie bisher auch ihr schönstes Weihnachtserlebnis, als sie in Berlins Mitte durch eine weihnachtliche Winterlandschaft mit dem Schlitten zu ihrer Tante fuhr. Da ihr das Schenken zu Weihnachten nicht so wichtig ist, hat die Asienwissenschaftlerin auch in diesem Jahr keinen Einkaufsstress erlebt und habe so die Vorweihnachtszeit auch genießen können, sagt sie.

Stimmen direkt vom Weihnachtsmarkt: So feiern die Bonnerinnen und Bonner das Fest
Foto: Stefan Hermes

„Eigentlich halten alle Leute, die ich kenne, den Kreis der Familienzusammenkünfte zu Weihnachten möglichst klein“, sagt Rebecca Ittenbach. Sie treffe sich mittlerweile auch nicht mehr mit ihren Freunden. „Wir machen alles per Videochat“, sagt sie. Selbst Weihnachtsgeschenke für ihre Patenkinder werde sie vor deren Türen abstellen. Sicherheit gehe vor. Schließlich wollten wir ja alle mal wieder ein normales Leben führen. Ihr schönstes Weihnachtsgeschenk? „Schlittschuhe!“, sagt sie ohne lange nachdenken zu müssen. Und dazu der zugefrorene Rheinauensee. Für ihre Geschenke habe sie in diesem Jahr mehr Geld als sonst ausgegeben. „Man hat ja an Urlaub, Konzertkarten und so weiter ordentlich eingespart“, sagt sie lachend.

Stimmen direkt vom Weihnachtsmarkt: So feiern die Bonnerinnen und Bonner das Fest
Foto: Stefan Hermes

Unabhängig von Covid-19 feiert Rüdiger Fischer nach wie vor im Familienkreis. Seine vier größtenteils erwachsenen Kinder werden mit ihrem jeweiligen „Anhang“ über die Tage verteilt nach Königswinter kommen. „Sie müssen eben allen Familien gerecht werden“, so Fischer. Er freut sich darauf, die Familie zu bekochen. Außer einem kurz gebratenen Reh am Heiligabend wird es an den Festtagen nur noch Vegetarisches geben. „Bei meinen Kindern komme ich mit einer Weihnachtsgans nicht mehr weit“, lacht er. Auch lässt sich sein schönstes Weihnachtserlebnis heute nicht mehr umsetzen. „Das war für mich immer der Moment, wo ich auf der Treppe auf das Glöckchen wartete, mit dem das Christkind uns zur Bescherung rief“, sagt er. Da hätten sie immer noch in Windeseile versucht, das Christkind noch zu sehen, was ihnen jedoch nie gelungen ist. „Aber das Glöckchen habe ich noch heute“ sagt er.

Josefine Bode wird zum Schulende kurz vor Heiligabend von ihrer Mutter vom Bonner Sportinternat abgeholt und die Weihnachtstage in Thüringen verbringen. Dort wird sie nach den Festtagen von ihrem Vater in sein neues Zuhause in Bayern geholt. Eine Reiserei, die sie mit vielen Scheidungskindern teilt. Sie freut sich auf die Feiern in kleinen Familienkreisen. In Thüringen wird sie sich mit Mutter und Großeltern gemeinsam um die Gans im Ofen kümmern. Ihre schönsten Weihnachten erlebte sie immer, als ihre Eltern noch zusammen waren und der Großvater als Weihnachtsmann die Geschenke überbrachte. „Aber mit etwa fünf Jahren war mir klar, dass es den Weihnachtsmann gar nicht gibt“, sagt sie.

„Wir sitzen alle im gleichen Boot“, sagt Bernhild B. auf die Frage, wie sie Weihnachten in Corona-Zeiten feiere. „Wir sollten alle gleich rudern, damit wir ans Ziel kommen.“ Sie werde im kleinen Kreis feiern und versuchen, etwas zu schenken, was die Herzen erfreue. Weihnachten sei schließlich das Fest der Liebe. Ihr schönstes Weihnachtsfest sei 35 Jahre her. Da hatte sie allen Familienangehörigen Kärtchen als Geschenk verpackt, auf denen ein Klapperstorch die Geburt ihres Sohnes ankündigte. „Wenn ich daran denke, kommen mir heute noch die Tränen.“