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Pendler berichten: So funktioniert die Mobilitätsgarantie in Bonn

Pendler berichten : So funktioniert die Mobilitätsgarantie in Bonn

SWB-Kunden in Bonn machen gute Erfahrungen mit der Kostenerstattung bei Bus- oder Bahnausfällen. Bisher gibt es 1200 Anträge auf Erstattung.

Dass man sich auf die Stadtwerke Bonn (SWB) bisweilen so wenig verlassen kann wie auf den Wetterbericht, hat Klaus Schmitz schon oft erlebt. Regelmäßig muss der Küdinghovener ins Beueler Zentrum. Und immer wieder einmal wartet er an der Haltestelle vergebens auf einen Bus der Linie 636. Die sei "stark von Ausfällen betroffen", sagt Schmitz - und weil die Busse regulär nur jede halbe Stunde fahren, ist das eigentlich besonders unangenehm.

Auf die SWB ist Schmitz dennoch gut zu sprechen. "Ich bestelle mir ein Taxi und lasse mir eine Quittung mit Datum, Uhrzeit und Ort von Beginn und Ende der Fahrt geben", berichtet er. Die Kosten habe der Verkehrsbetrieb stets erstattet, seitdem in NRW ab 20 Minuten Verspätung die Mobilitätsgarantie für Bus und Bahn im Nahverkehr gilt.

Knapp zehn Jahre nach deren Einführung sind die Erfahrungen nicht nur von Klaus Schmitz überwiegend positiv. Auch eine Facebook-Umfrage unter GA-Lesern bringt viel Lob. "Das funktioniert super. Das Geld ist innerhalb weniger Tage auf dem Konto", schreibt etwa Marina Amalia. Auch Gaby Marx und Maximilian Odenettel haben ihr Geld schnell bekommen. Bei Alice Kupermann Nogueira ließ die Erstattung nach ihrer Beschreibung indessen drei Monate auf sich warten.

Es gibt aber neben allgemeinen Klagen zur Unpünktlichkeit auch konkrete Kritik: Marion Fiedler wendet ein, mit der Erstattung von 25 Euro komme sie per Taxi nicht nach Hause. Leon Elias Heimbürger hat die Mobilitätsgarantie rund 20 Mal für Fahrten im Bonner Stadtgebiet in Anspruch genommen. Die SWB hätten die Regelungen "gedreht und gewendet", um nicht zahlen zu müssen. Ihm sei zudem "Betrug vorgeworfen" worden. Mit Hilfe der Schlichtungsstelle Nahverkehr NRW habe er aber 90 Prozent seiner Ansprüche durchgesetzt und sei inzwischen fast nur noch mit dem Auto unterwegs.

Den Stadtwerken hat das Erstattungsversprechen in den vergangenen Jahren reichlich zusätzliche Arbeit beschert. Dabei spiegelt die Zahl der Anträge auch die gewachsene Unpünktlichkeit der Bonner Busse und Bahnen wider. Wurden im vergangenen Jahr insgesamt 988 Anträge auf Erstattung gestellt, so waren es 2019 bis zum 15. Oktober bereits 1201, berichtet Konzernsprecherin Veronika John.

Die meisten Fahrgäste machten dabei auch aus Sicht der SWB berechtigte Anliegen geltend. 2018 seien insgesamt 58 Anträge abgelehnt worden, so John. In diesem Jahr waren es erst fünf. Trotzdem halten sich die Kosten für den städtischen Verkehrsbetrieb, der sie in seinem Bereich selbst übernehmen muss, in Grenzen. 2018 lagen sie bei rund 16.000 Euro. In diesem Jahr wird die Summe allerdings merklich höher ausfallen. Bis Mitte Oktober wurden bereits 19.000 Euro ausgezahlt.

Besonders von Verspätungen betroffen waren Fahrgäste in diesem und im vergangenen Jahr auf der Stadtbahnlinie 66 zwischen Siegburg und Bad Honnef sowie auf den Buslinien 603 zwischen Röttgen, dem Hauptbahnhof und Pützchen sowie auf der Linie von der Gronau über den Venusberg und Duisdorf nach Tannenbusch.

Dabei spiegeln die Beschwerden nicht unbedingt die neuralgischen Punkte im Liniennetz wider. Es ist wohl eher der gefährdete ICE-Anschluss in Siegburg, der Fahrgäste auf der Linie 66 bei Verspätungen vermehrt in ein Taxi treibt. Durch akuten Personalmangel bei den Fahrern und die Verdichtung der Taktfrequenz an den Wochenenden kämpfen die Stadtwerke seit dem Fahrplanwechsel am 26. August verstärkt mit Verspätungen. Marketing-Aktionen sollen das Personal-Problem mittelfristig lindern, wie das kommunale Unternehmen mitteilte.