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Ohne Test und Termin: So lief der erste Shopping-Samstag nach dem Lockdown

Ohne Test und Termin : So lief der erste Shopping-Samstag nach dem Lockdown

Shoppen ohne Test und Termin: In Bad Godesberg, Beuel und der Bonner Innenstadt war dies am Samstag endlich wieder möglich. Und die Menschen haben die neuen Lockerungen im Einzelhandel gut angenommen. Der GA war mit vor Ort.

Man freut sich inzwischen schon über die scheinbar kleinsten Dinge. "Meine Freundin und ich haben heute den ersten Prosecco getrunken, weil wir endlich wieder in die Läden dürfen“, sagte eine Kundin, die mit besagter Freundin im Rieker-Shop von Landgraf am Bad Godesberger Theaterplatz einkaufte. Gemeint war: ohne Corona-Schnelltest shoppen. Darüber freuten sich viele Menschen in Bad Godesberg und noch mehr in der Bonner Innenstadt, und auch in Beuel werden die seit Freitag geltenden Lockerungen für den Einkauf gut angenommen.

Schuhe, das stand ganz oben auf der Einkaufs-Wunschliste von Monika Holstein. „Zu Essen hatte man ja, aber keine Schuhe!“, meinte sie. Die endlich wieder im Laden anprobieren zu können, das genoss sie. „Das ist wie eine Erlösung.“ Sie hätte das auch schon früher machen können, als man noch Ware mittels click & collect online bestellen und vor Ort am Tisch in der Tür abholen konnte: Man habe den Kunden auch das Anprobieren auf der Straße angeboten, sagte Verkäuferin Susanne Küster. Aber das ist ja nicht das Gleiche.

Viele bereits zweimal geimpfte Kunden habe sie auch schon in der vergangenen Woche im Laden gehabt, jetzt dürfen auch die nicht Geimpften ohne Test rein. „Wir sind erleichtert, die Kunden verwundert“, sagte Küster. Holstein bestätigte das. Es sei „total merkwürdig und etwas verstörend“, jetzt plötzlich wieder in einer vollen Einkaufsstraße in die Läden gehen zu können. „Es ist eine große Vertrauensfrage. Wie ein kollektives Trauma kommt es mir vor. Wenn man das zurückerobert, merkt man, wie privilegiert man ist.“ Vielleicht bewirke das ja eine neue Dankbarkeit bei den Leuten.

Der Betrieb in der Bad Godesberger Innenstadt war noch etwas verhalten, aber es geht sichtbar aufwärts. Bei Schugt Accessoires freute sich Birgit Hofmann über die neuen Lockerungen für den Einzelhandel. „Heute Morgen habe ich noch gemerkt, dass die Leute unsicher waren“, sagte sie. Darf man nun mit oder ohne Test rein? „Das braucht einfach noch ein bisschen.“ Die Leute würden das aber sehr positiv aufnehmen. So wie Rosemarie Gross, die im Geschäft eine Tasche kaufte. „Ich bin glücklich, dass wir wieder in die Geschäfte rein dürfen.“ Für sie als zweifach Geimpfte galt das aber schon letzte Woche.

 In Bad GHodesberg fiel der Ansturm derweil kleiner aus.
In Bad GHodesberg fiel der Ansturm derweil kleiner aus. Foto: Stefan Knopp

„Wenn die Außengastronomie unkomplizierter nutzbar wäre, wäre es für uns noch besser“, meinte Hofmann. Dass man dort an der frischen Luft noch einen negativen Test brauchte, wunderte sie. Für Doriana Rroji, Chefin des Eiscafés bellavista, ist das ein Ärgernis. Das Wetter in der letzten Woche ist eine Sache, kaum einer wollte bei den Temperaturen unter den Sonnenschirmen ein Eis essen, und drinnen darf man in der Gastronomie nach wie vor nicht sitzen. Die andere Sache ist: „Wir müssen Kunden ohne Test wegschicken“, erzählte Rroji. Die kämen aber nicht wieder. „Viele wollen keinen Test machen, um eine Tasse Kaffee zu trinken.“

Heike und Michael hatten sich testen lassen und gönnten sich etwas Leckeres beim Eiscafé Torri am Theaterplatz. Sie genossen den Platz in der Sonne, seit Oktober konnten sie das nicht mehr machen. Es sei gut, dass alles wieder auf hat, sagte sie. „Aber ich habe mich schon an das Ruhige gewöhnt.“ Jetzt habe sie Sorge, dass alles wieder hektischer werde.

Welchen Sinn es hat, dass man an der frischen Luft einen Test braucht und in Geschäftsräumen nicht, wussten sie nicht. Werner Koch hatte dafür Verständnis. „In Geschäfte geht man rein, kauft etwas und geht wieder raus“, erklärte der Vorsitzende der Beueler Gewerbe-Gemeinschaft. Aber in der Gastronomie bleibe man ja längere Zeit an einem Ort. Man sei „vorsichtig optimistisch“, dass es in Beuel mit den neuen Öffnungsregeln wieder bergauf gehe, sagte er. Die Absperrbaken müssten noch weg (der GA berichtete). Er wunderte sich nur, dass die Bonner Inzidenzzahl nicht runtergeht. Zum Vergleich: Im Rhein-Sieg-Kreis lag sie am Samstag laut Robert-Koch-Institut bei 29 und in Köln bei 37,5.

Von verhaltenem Betrieb konnte in der Bonner Innenstadt keine Rede sein: Dort herrschte Betrieb wie damals vor Corona an einem sonnigen Samstag. Hochbetrieb am Rheinufer, in den Biergärten und der Außengastronomie, viele warteten vor Testzentren und Geschäften. Kein Zweifel: Die Bonner haben die Ladenöffnungen herbeigesehnt.

Kira und Frederik wollten einfach nur mal wieder durch die Straßen schlendern und Essen zum Mitnehmen holen. Das fühle sich momentan noch ungewohnt an, „wenn man sieht, dass alle Leute Schlange stehen, wo man sonst einfach reingeht“, meinte sie. Frederik kommentierte: „Wir haben schon gewitzelt: Das ist wie im Freizeitpark.“