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Energetische Sanierung steht im Fokus: So lief die 10. Immobilienbörse des GA im Telekom Dome

Energetische Sanierung steht im Fokus : So lief die 10. Immobilienbörse des GA im Telekom Dome

Bei der 10. Bonner Immobilienmesse standen im Zeichen der Energiekrise vor allem energetische Sanierungsmaßahmen und die Zinsentwicklung im Fokus.

Was interessierte die rund 1800 Besucher der 10. Bonner Immobilienmesse, die sich - organisiert vom General-Anzeiger - am Samstag wieder im Telekom Dome auf dem Hardtberg präsentierte? Vor allem waren es Verbraucherfragen rund um explodierende Energiekosten sowie Überlegungen, wie sich diese Kosten etwa mit Sanierungsmaßnahmen beziehungsweise durch die Eigengewinnung von Sonnenstrom verringern lassen.

Als Gradmesser mag einer der ohnehin in der Mehrzahl auffallend gut besuchten Fachvorträge der Messe taugen. Mit rund hundert Zuhörern proppevoll war der Saal insbesondere, als Stephan Herpertz über „Photovoltaik (PV) - Neue Perspektiven und Möglichkeiten durch die aktuelle Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG)-Novelle“ referierte.

Herpertz ist Energieberater bei der Bonner Verbraucherzentrale, und er resümierte anschließend sichtlich beeindruckt von dem großen Interesse: „Immer mehr Immoblienbesitzer haben die Zeichen in den Krisenzeiten erkannt.“ Der Energieberater registrierte dann auch an dem bestens besuchten Messestand der Verbraucherzentrale „immer differenziertere Fragen zu Dämmmaßnahmen, Heizungstausch und PV-Technik“. Das mache dann natürlich auch die Beratung immer anspruchsvoller, so Herpertz weiter.

Auch vor den Beratern der Bonner Energie Agentur (BEA) um Geschäftsführerin Celia Schütze hatten sich auf der Messe teils längere Warteschlangen gebildet. Ein weiteres Thema von Rang: Wie stark dämpft die Zinsentwicklung Kauf- und Sanierungsabsichten?

Wie stark das Thema Energiekosten Immobilienbesitzer belastet, bekommt Markus Gelderblom, Hauptgeschäftsführer von Haus & Grund Bonn/Rhein-Sieg, fast täglich mit; „70 bis 80 Prozent der Anfragen unserer Mitglieder drehen sich um das Thema." Vor allem gehe es darum, ob die Mieter in der Lage sein werden, die verauslagten Heizkosten der Vermieter letztlich auch zu bezahlen, so Gelderblom, der am Samstag ebenfalls einen Fachvortrag zu dem Thema hielt. Kunststück, so der Haus&Grund-Experte weiter; Allein beim Gas rechnet Gelderblom vor, liege der Großhandelspreis bei derzeit 284 Euro pro Megawattstunde. Bedeutet: 914 Prozent mehr, als im August vergangenen Jahres.

Vor allem der dramatisch gestiegene Gaspreis war es denn auch, der den 77 Jahre alten Beueler Manfred Beyer zum Stand der Verbraucherzentrale führte: „Ich suche nach einer Alternative für meine Gasheizung.“,Der rüstige Senior muss nämlich ab dem 1. Oktober statt einem monatlichen Abschlag von 160 Euro an den Energieversorger dann 235 Euro überweisen. Beyer weiß zwar, „dass ich noch weit besser dran bin, als manch anderer Verbraucher“. Aber wenn es 800 Euro würden, „dann komme ich schon ans Rechnen“. Daher informierte er sich bei Energieberater Stephan Herpertz über Sanierungsmaßnahmen: „Eine Außendämmung und den Einbau einer Wärmepumpe.“

Dass derweil das Thema „Energieeffizienz“ auch beim Immobilienkauf beziehungsweise -verkauf eine zunehmend wichtigere Rolle spielt, ist aus Sicht von Christoph Engels ein „spürbarer Trend“. Engels ist Gebietsleiter Bonn/Rhein-Sieg bei dem Immobilienbüro Dr. Oebels und Partner: „Wenn jemand eine Immobilie zum Eigenbedarf kauft, dann lieber eine solche,, wo keine größere Sanierung erforderlich ist.“ Viele Eigentümer würden sich zudem fragen: „Wo geht es mit der energetischen Sanierung eigentlich hin?“

Wie sehr die Zinsentwicklung in dem Zusammenhang und das Hoffen auf günstigere Konditionen die Immobilienachfrage dämpft, beurteilte Michél Geck vom Baufinanzierer Hüttig und Rompf so: „Das ist eine spekulative Nummer, aber die Kosten werden nicht weniger, denn Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis.“ Zwar habe sich seit dem Ukraine-Krieg die Annuität, also die Gesamtrate, die monatlich für Zinsen- und Tilgung anfällt, von im Schnitt zwischen rund 1300 und 1500 Euro auf etwa 1900 bis 2300 Euro erhöht. Trotzdem würde gekauft, so Geck: „Allerdings müssen wir jetzt öfter in enttäuschte Gesichter sehen, wenn wir die Raten berechnen.“

Allerdings erlebt Andreas Oelke, Bereichsleiter Privatkunden Immobilenberatung der Sparkasse KölnBonn, im Kreditgeschäft, das die Einnahmeüberschussrechnungen schwieriger geworden sind: „Wegen der Zins- und Preisentwicklung fallen die persönlichen, finanziellen Puffer oft sehr viel geringer aus.“ Daher würde auch mancher Kunde auf einen Kauf verzichten und stattdessen Mieten. Alternativ empfiehlt Oelke bei einem Kauf „mehr Eigenkapital einzusetzen und auch mal mit dem Verkäufer zu verhandeln.“