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Neues Datenmaterial der Stadt Bonn: So verteilen sich Corona-Fälle auf Bonn

Neues Datenmaterial der Stadt Bonn : So verteilen sich Corona-Fälle auf Bonn

Analysten loben die neue Corona-Karte der Stadt. Sie gehen davon aus, dass sich aus kleinräumigeren Daten Rückschlüsse schließen lassen, die zur schnelleren Unterbrechung von Infektionsketten führen können.

Bunt sieht er aus, der Flickenteppich, der sich ergibt, wenn man den Bonner Ortsteilen in einer Karte die unterschiedlichen Sieben-Tage-Inzidenzzahlen zuordnet. Jenen Zahlen, die Auskunft darüber geben, wie viele Neuinfektionen innerhalb von sieben Tagen pro 100 000 Einwohner zu Buche schlagen. Besonders hoch lagen die Neuinfektionen zum Stichtag 12. Mai beispielsweise in Graurheindorf, Tannenbusch, Medinghoven und Hochkreuz. Poppelsdorf, Lengsdorf und Ippendorf liegen im Mittelfeld. Gar kein Fall ist der Stadt in Bad Godesberg-Nord oder Schweinheim bekannt gewesen.

 Die am vergangenen Donnerstag erstmals von der Stadt veröffentlichte Karte bildet das Infektionsgeschehen in den 62 statistischen Ortsteilen von Bonn ab und liefert Zahlen zu Einwohnern, Neuinfektionen und der Inzidenz. Die Einwohnerzahl ist von Bedeutung, um die Inzidenz zu berechnen. Die Statistiker setzen die Fallzahlen anhand der Einwohner ins Verhältnis. Konkretes Beispiel: In einem Ortsteil wie Neu-Endenich mit 3863 Einwohnern bedeuten fünf Infektionsfälle eine auf 100 000 Einwohner hochgerechnete Inzidenz von 128,8. In Kessenich mit 12 870 ergeben die fünf Fälle dagegen eine Inzidenz von 38,8, da dort mehr als dreimal mehr Menschen leben.

„Gutes Angebot für Bürger“

Am Freitag zeigten sich sowohl Michael Herter, Geschäftsführer des Dateninstituts Infas 360, als auch der Geograph Christoph Höser vom GeoHealth Centre am Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit des Bonner Uniklinikums erfreut über die künftig immer donnerstags aktualisierte Statistik. Sie ist unter dem Link www-bonn.de/coronakarte zu finden. „Das ist ein gutes Angebot, damit Bürger konkret schauen können, wie das Infektionsgeschehen in ihrem Ortsteil aussieht. Toll, dass die Stadt das so schnell realisiert hat“, sagte Herter. Er, Höser und ein weiterer Analyst der Infas hatten gegenüber dem GA vor einigen Wochen darauf hingewiesen, dass kleinräumigere Daten, wie sie beispielsweise die Stadt Köln erhebt, dazu dienen können, die Erkenntnisse über das Infektionsgeschehen zu vertiefen. Bis dato waren die Zahlen nur für die viel gröberen und damit auch sehr heterogenen Postleitzahlenbezirken bekannt.

Wie bereits Gesundheitsdezernentin Margarete Heidler am Donnerstag gesagt hatte, weisen auch Herter und Höser darauf hin, dass die nun veröffentlichten Infektionszahlen „eine Momentaufnahme“ seien. Sie bilden Zahlen ab, die etwa eine Woche in der Vergangenheit liegen und zeitversetzt eingepflegt werden, damit sie bereinigt sind von Falschmeldungen. Die Stadt hat angekündigt, den Bürgerinnen und Bürgern weitere Informationen zur Verfügung zu stellen. Denkbar wären nach Ansicht von Herter die Zahl der Geimpften und Genesenen in den Ortsteilen, „um den Anteil der Immunität erkennen zu können“. Zahlen zu Tests oder auch die Angabe von Ausbrüchen in Schulen, Pflegeheimen oder Kindergärten im jeweiligen Ortsteil hätten ebenfalls Aussagekraft.

Warnung vor falschen Rückschlüssen

Gewarnt hatte die Leiterin des Bonner Gesundheitsamts, Susanne Engels, am Donnerstag vor falschen Rückschlüssen. Am Beispiel Graurheindorf führte sie aus, dass die hohe Inzidenz von 541 am 12. Mai vor allem auf Ausbrüche in drei Familien mit zusammengenommen 17 Betroffenen zurückzuführen sei. Im Umkehrschluss bedeute das für Graurheindorfer, dass sie weiterhin gefahrlos in der Öffentlichkeit unterwegs sein könnten. „Das Infektionsgeschehen bleibt diffus“, sagte Engels.Geograph Höser sagte dem GA, neben den nun veröffentlichten Daten liefen Gespräche der Statistiker mit der Stadt, wie unter Einhalten des Datenschutzes die kleinteiligen Daten von Infas mit den Infektionsdaten der Stadt so miteinander verschränkt werden könnten, „dass wir lernen, das Infektionsgeschehen besser zu verstehen“. Es gehe dabei keinesfalls darum, „Gruppen zu marginalisieren“, sondern vielmehr darum, sie zu schützen. Forscher haben nachgewiesen, dass beengte Wohnverhältnisse die Infektionsgefahr erhöhen.

Heidler hatte bereits geäußert, dass sich die Stadt den Einsatz von mobilen Impfteams in Ortsteilen mit hoher Inzidenz vorstellen kann, sobald ausreichend Impfstoffe vorhanden und die Priorisierungen aufgehoben sind. Höser kann sich überdies vorstellen, dass Aufklärungs- oder Impfkampagnen gezielter beworben werden. „Es könnte auch sein, dass in einem Ortsteil besonders viele Menschen leben, die im produzierenden Gewerbe tätig sind und nicht ins Homeoffice wechseln können. Dass viele von ihnen morgens in einen bestimmten anderen Ortsteil fahren und abends wieder zurück“, erklärte Höser. Solches Wissen, um die Gewohnheiten in Vierteln, könnte ein gezielteres Handeln in der Pandemie ermöglichen.