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Bonner Histörchen: „Umzug ist Unfug“: So wehrten sich die Bonner gegen den Hauptstadtbeschluss

Bonner Histörchen: „Umzug ist Unfug“ : So wehrten sich die Bonner gegen den Hauptstadtbeschluss

Erinnerungen an das Jahr 1999: Bonner wehren sich mit Demonstrationen und anderen Aktionen gegen den Hauptstadtbeschluss von 1991. Die Umzugswagen aber rollten schon.

So drückten die Aufkleber unter einem Teller, auf dem zeitweise frische „Berliner“ und „Bonner“ (mit Eierlikör gefüllte und glasierte „Berliner“) friedlich nebeneinander dekoriert liegen, kurz und bündig die Stimmungslage vieler Bonner aus, die sich gegen den Hauptstadtbeschluss von 1991 wehrten.

Schon bald nach dem Fall der Berliner Mauer stellte sich die Frage nach der künftigen Hauptstadt. Bonn oder Berlin? An der Frage entzündete sich eine emotional geführte Debatte. Monatelang demonstrierten Befürworter Bonns mit Transparenten und bösen Sprüchen gegen vermeintlich unloyale Politiker und gierige Berliner. „Umzug ist Unfug“ war dabei eine noch milde Formulierung der Meinungskundgebung. Während einige Bonner Sorge um den Verlust von Ansehen hatten, setzten sich andere für eine konstruktive Lösung ein, die Berlin zur Hauptstadt und Bonn zum Regierungssitz machen sollte.

Als dann die damalige Bundestagspräsidenten Rita Süssmuth (CDU) am 20. Juni 1991 im Bonner Wasserwerk das Abstimmungsergebnis präsentierte, waren die Bonn-Verfechter entsetzt: „Für den Antrag Bundesstaatslösung (Bonn-Antrag) 320 Stimmen, für den Antrag Vollendung der Einheit Deutschlands (Berlin-Antrag) 337 Stimmen, zwei Enthaltungen.“ Im April 1994 wurde daraufhin das Bonn/Berlin-Gesetz verabschiedet, in dem festgelegt wurde, welche Bundesministerien nach Berlin ziehen sollten. Es gab Bonn die Zusage zum Erhalt des Politikstandortes Bonn, für den „der größte Teil der Arbeitsplätze der Bundesministerien (…) erhalten bleibt.“ Zudem darf Bonn seitdem den deutschlandweit einmaligen Namenszusatz „Bundesstadt“ führen. Im Juli 1999 transportierten dann zwei Dutzend Lastwagenzüge etwa 50 000 Kubikmeter Umzugsgut, darunter 11 000 Meter Akten, nach Berlin. So konnte der Bundestag am 6. September 1999 im umgebauten Reichstag seine Arbeit aufnehmen. 20 Jahre später sagte Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble in einem Gespräch mit dem GA, dass die Geschichte viel glücklicher verlaufen sei, als sich das irgendjemand damals auch nur hätte träumen lassen, „daran hatte die Bundesrepublik Deutschland mit ihrer damaligen Hauptstadt Bonn einen entscheidenden Anteil. Dafür kann man dankbar, darauf darf man stolz sein.“

Die Ausstellung „50 Objekte – 50 Fotos – Eine Zeitreise durchs 20. Jahrhundert“ ist noch bis zum 18. Oktober im Bonner Stadtmuseum an der Franziskanerstraße zu sehen. Von Kurator Horst-Pierre Bothien ist in der Schriftenreihe des Stadtmuseums das Buch „Bonn im 20. Jahrhundert“ erschienen. Morisel Verlag, 144 Seiten, 19,90 Euro.