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Kommentar zu Obdachlosigkeit in Corona-Zeiten: Solidarität mit allen

Kommentar zu Obdachlosigkeit in Corona-Zeiten : Solidarität mit allen

Es ist wichtig, sich auch mit den Menschen aus der Obdachlosen-Szene solidarisch zu erklären, und sei es mit Lebensmittelspenden oder sogar einer Packung Zigaretten, kommentiert GA-Redakteurin Lisa Inhoffen.

Das ist für die Ordnungskräfte sicher eine der größten Herausforderungen in Zeiten der Corona-Krise: Sie müssen neben allen anderen Aufgaben auch die sogenannte Szene in Schach halten. Sie müssen diese Menschen, die aus den unterschiedlichsten Gründen den Halt in ihrem Leben verloren haben, in die schon für den „normalen“ Bürger äußerst ungewöhnlichen Verhaltensregeln einweisen und sie entsprechend disziplinieren. Das ist ihnen, alle Achtung, offensichtlich größtenteils gelungen. Denn wer in diesen Tagen am Alten Friedhof vorbeikommt, wo sich Obdachlose normalerweise in Scharen treffen, kann beobachten, wie diese Menschen mittlerweile überwiegend alleine unterwegs sind – allerdings  mit sichtlich ratlosen Gesichtern. Denn mit dem Aufruf „Bleibt zu Hause!“ können sie nur wenig anfangen.

Viele sind nicht nur obdachlos, sondern meistens auch sehr krank. Nun haben sie auch noch das Problem,  dass sie nicht wissen, wie sie das nötige zusätzliche Kleingeld für die Dinge zusammenbekommen können, die sie mit ihrem Sozialbudget nicht bestreiten können. Ja, dazu gehört nun mal auch Tabak. Doch kaum ein Passant ist noch in der City unterwegs, um ihnen ein paar Cents zuzustecken. Die Verkäufer der Fifty-Fifty-Zeitungen finden keine Abnehmer mehr.  Es gibt nur noch wenige,  die den Obdachlosen noch einen Kaffee und ein belegtes  Brötchen vorbeibringen. Ja, auch das sind Folgen der Corona-Krise,  die natürlich lange nicht so schwer wiegen, wie der Kampf der Schwererkrankten um Leben und Tod.

Und trotzdem ist es richtig, sich auch mit den Menschen aus der Szene solidarisch zu erklären, und sei es mit Lebensmittelspenden oder sogar einer Packung Zigaretten. Nelly Grunwald, die Leiterin des Vereins für Gefährdetenhilfe hat sich schwer getan, in der Öffentlichkeit um Letzteres zu bitten. Aber sie kennt die Nöte ihrer Klientel am besten. Und in Zeiten wie diesen sind Pragmatismus und Kreativität ohnehin mit die besten Ratgeber.