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Jugendhilfe in Bonn: Sorge um Zukunft der Offenen Türen

Jugendhilfe in Bonn : Sorge um Zukunft der Offenen Türen

Im Zuge der Haushaltskonsolidierung hat die Stadtverwaltung auch Kürzungen im Jugendfreizeit- und Familienbildungsbereich vorgeschlagen.

Sie sind zwar noch nicht im Haushaltsentwurf für 2015/16 enthalten, aber in der mittelfristigen Finanzplanung ab 2017 vorgesehen. Davon betroffen sind vor allem die Jugendzentren und die drei Familienbildungsstätten in Bonn.

l Das Angebot: In Bonn gibt es 47 Kinder- und Jugendtreffs. Dabei handelt es sich unter anderem um Offene Türen und Spielhäuser. 31 stehen in freier und 16 in städtischer Trägerschaft. Hinzukommen drei Familienbildungsstätten in freier Trägerschaft: Die Werkstatt für Friedenserziehung, das Haus der Familie in Bad Godesberg sowie die Katholische Familienbildungsstätte.

l Die Zielgruppen: In der Vernetzungsstruktur der sozialräumlich ausgerichteten Arbeit des städtischen Jugendamtes genießt die offene Kinder- und Jugendarbeit einen hohen Stellenwert, sagt Familiendezernentin Angelika Maria Wahrheit. In den letzten Jahren hat sich, auch wegen des Ausbaus des Ganztagsbetriebs in den Schulen, die Besucherstruktur in den Einrichtungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit verändert.

Sie werden Wahrheit zufolge in hohem Maß von Kindern und Jugendlichen aus benachteiligten Familien besucht. Öfter als früher haben viele von ihnen einen Migrationshintergrund. Stephan Dülberg, Sprecher des neugegründeten Netzwerks der freien Trägerder Jugendhilfe, spricht von etwa 4500 Kindern und Jugendlichen zwischen sechs und 18 Jahren, die als Stammbesucher der Jugendeinrichtungen gelten.

Hinzu kommen noch einmal zahlreiche Besucher von Aktionen und Veranstaltungen. "Die Zahlen erscheinen gemessen an der Einwohnerzahl Bonns erst einmal nicht besonders hoch", sagt Dülberg, "aber mit dieser präventiven Arbeit verhindern wir, dass viele von ihnen später vielleicht auf andere Weise der Jugendhilfe zur Last fallen". Die Familienbildungsstätten zählen im Jahr nach Angaben von Martina Deutsch, Leiterin der Familienbildungsstätte an der Quantiusstraße, rund 27 000 Kursteilnehmer, darunter 7500 Kinder.

l Was ist geplant? Im nächsten Jahr sollen die Zuschüsse für die Jugendeinrichtungen in freier Trägerschaft von derzeit 2,1 Millionen Euro zunächst wieder auf 2,46 Millionen Euro aufgestockt werden, sodass der Eigenanteil der freien Träger von derzeit 25 Prozent wieder auf die vorher üblichen 15 Prozent der anerkennungsfähigen Kosten gesenkt werden können.

Ab 2017 sind dann allerdings Kürzungen von 15 Prozent vorgesehen. Damit sollen Einsparungen in Höhe von rund 380 000 Euro jährlich, ab 2024 jährlich von rund 422 500 Euro erzielt werden, sagt die Verwaltung. Die Zuschüsse für die drei Familienbildungsstätten sollen ab 2016 stufenweise reduziert werden. Ab 2024 ist vorgesehen, die Zuschusszahlungen einzustellen.

l Was sagen die Träger? "Dass die Stadt Bonn die Zuschüsse für die Jugendeinrichtungen wieder auf den Stand von vor zwei Jahren bringt, ist unabdingbar. Andernfalls hätten viele Einrichtungen schließen müssen", sagt Dülberg. Die Träger seien durchaus bereit zu sparen, "aber wir fordern schon seit Langem, dass die Richtlinien geändert werden und wir mit der Stadt Leistungsvereinbarungen abschließen können, wie es in den meisten anderen Kommunen üblich ist."

Bleibe es bei der bisherigen Praxis der rein prozentualen Bezuschussung, bedeute dies auf Dauer das Aus vieler Häuser, weil sie den Eigenanteil nicht mehr aufbringen könnten. Dülberg hofft, dass die freien Träger in der künftigen Jugendhilfeplanung mehr Gewicht erhalten. Für die Familienbildungseinrichtungen sieht Martina Deutsch schwarz, wenn die Stadt ihre Zahlungen einstellt.

Die Werkstatt für Friedenserziehung müsste schließen, die anderen beiden Häuser müssten ihre Angebote drastisch reduzieren. Die Stadt Bonn versichert dagegen, anerkannte Einrichtungen der Familienbildung könnten beim Land Zuwendungen zur Sicherung des Zugangs zu Bildungsveranstaltungen für sozial benachteiligte Familien beantragen.

Das Netzwerk

Die Träger und Akteure der freien Jugendhilfe, darunter auch die freien Wohlfahrtsverbände wie Caritas und Diakonie, haben ein Trägernetzwerk ins Leben gerufen.

Das Netzwerk will durch diesen Zusammenschluss die Arbeit der freien Jugendhilfe noch effektiver gestalten, gemeinsame Haltungen und Qualitätsstandards erarbeiten sowie in den relevanten Gremien - wie im städtischen Jugendhilfeausschuss oder den entsprechenden Facharbeitskreisen der Bonner Stadtratsfraktionen - vertreten.

Das Ziel ist, so Netzwerksprecher Stephan Dülberg, in Zukunft wichtige Themen rund um die Jugendhilfe, wie zum Beispiel der geplante integrierte Freizeitstätten- und Schulentwicklungsplan, gemeinsam mit der Stadtverwaltung und den Kommunalpolitikern diskutieren zu können.