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Kommentar zu OGS-Plätzen in Bonn: Späte Erkenntnis

Kommentar zu OGS-Plätzen in Bonn : Späte Erkenntnis

Die Entscheidung der Politik, mehr Betreuungsplätze in der offenen Ganztagsschule zu schaffen, ist sinnvoll, damit die Stadt für Eltern attraktiv bleibt. Das hätte man allerdings schon viel früher entscheiden können.

Will die Stadt Bonn sich weiterhin mit Titel schmücken, besonders familienfreundlich zu sein, haben Stadtrat und Verwaltung keine andere Wahl, als die Betreuungsplätze an den offenen Ganztagsschulen deutlich zu erhöhen. Klar, das kostet Geld und belastet den ohnehin strapazierten städtischen Haushalt zusätzlich. Aber: Ein qualitativ gutes und quantitativ ausreichendes Betreuungsangebot in Kita und Schule ist ein immens wichtiger Standortfaktor – vor allem für eine Stadt wie Bonn, die Sitz von zwei Dax-Unternehmen und weiteren großen Arbeitgebern wie etwa die Universität ist.

Leider kommt die Entscheidung der Jamaika-Koalition recht spät, das Jahreskontingent an neuen OGS-Plätze künftig verdoppeln zu wollen. Den Familien, die jetzt leer ausgegangen sind – und das sind nicht wenige – hilft es akut nicht. Das Problem ist auch nicht plötzlich vom Himmel gefallen. Es war schon lange abzusehen, dass die Zahl der OGS-Plätze in Bonn bei Weitem nicht ausreichen würde. Dafür muss man nur einen Blick in die Kitas werfen, wo das Gros der Kinder inzwischen längst ganztags betreut wird, damit die Eltern Familie und Beruf unter einen Hut bekommen können. Warum sollte sich das ändern, wenn die Kinder in die Schule kommen?

Vernünftig ist es auf jeden Fall, für die neuen Plätze auch die Klassenzimmer zu nutzen und das Geld für Neubauten zu sparen. Zumal es auf vielen Schulgrundstücken ohnehin keinen Platz für zusätzliche Gebäude gibt, will man dafür keine Spielflächen opfern. Apropos Spielflächen: Wer Kinder in der Kita oder OGS hat (oder hatte), weiß ohnehin: Am liebsten spielen und toben die Kleinen draußen an der frischen Luft. Zudem ist es an vielen Grundschulen längst geübte Praxis, die Klassenzimmer multifunktional zu nutzen. Einzusehen ist es jedenfalls nicht, warum diese Räume nachmittags leer stehen sollen.