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Spenden sichern Arbeit des Zentrallagers Sachspenden Bonn (ZeSaBo)

Soziales Engagement : 2000 Förderer stemmen die Hallenmiete für das Zentrallager

Nachdem die Stadt die Förderung für das Zentrallager Sachspenden Bonn (ZeSaBo) eingestellt hat, will der Verein aus eigener Kraft finanziell unabhängig werden. Die Aussichten sind gut.

Lange Zeit war die Zukunft des Zentrallagers Sachspenden Bonn (ZeSaBo) vollkommen ungewiss. Zumindest für die nächste Zeit kann der Bonner Verein optimistisch sein, dass es weitergeht. „Finanziell abgesichert sind unsere Aussichten jetzt besser, aber noch nicht gut genug“, berichtet Jan Erik Meyer, Gründer und Betriebsleiter von ZeSaBo. Nachdem die Zuschüsse durch die Stadt nach drei Jahren eingestellt wurden, hatte der Verein begonnen, nach Wegen in die finanzielle Unabhängigkeit zu suchen.

Um die Kaltmiete für das 1500 Quadratmeter große Zentrallager zu stemmen, sollen Fördermitglieder gewonnen werden. 2000 Bonnen sind nötig, die mit einem jährlichen Förderbeitrag von 30 Euro die Finanzierung der Hallenmiete und somit die Versorgung von Tausenden von Menschen in einer Notlage sichern. Würde man die Zahl von 2000 Fördermitgliedern erreichen, wäre die Finanzierung der Hallenmiete nicht nur bis Ende des Jahres, sondern auch langfristig gesichert.

Mietkosten betragen 60.000 Euro

Das ZeSaBo ist auf einem guten Weg zu diesem Ziel: „1500 Fördermitglieder haben wir in den vergangenen zwei Jahren bereits gewinnen können, uns fehlen also noch 500“, sagt Meyer. Die Mietkosten für die Lagerhalle betragen jährlich 60.000 Euro. 10.000 Euro hat der Verein im Rahmen der diesjährigen Bonner Operngala von der Deutschen Aidsstiftung erhalten. Damit wäre die Hallenfinanzierung zumindest bis Ende des Jahres gesichert.

Den Betrieb des Sammellagers am Laufen halten insgesamt rund 250 ehrenamtlich Aktive . Zu ihren Aufgaben zählt das Prüfen, Sortieren und Einlagern von Sachspenden sowie die bedarfsgerechte Ausgabe. Seit der Gründung des Vereins 2017 sind sowohl die Spendenbereitschaft, als auch die Nachfrage stark gestiegen: „70.000 Warenstücke haben wir im ersten Jahr verteilt. Das hat uns damals schon sehr glücklich gemacht. Heute verteilen wir eine halbe Millionen Sachspenden pro Jahr“, berichtet Meyer. Eine Herausforderung, die das ehrenamtliche Team professionell meistert, ist die Koordination von Entgegennahme und Verteilung der enorm großen Mengen an Sachspenden für Menschen in Notlagen. Im Zentrallager werden alle abgegebenen Kleidungsstücke – sowie unter anderem Schuhe, Haushaltswaren und Bettwäsche – nach Größen sortiert.

Keine langen Lagerzeiten

Sachspenden werden im ZeSaBo nie lange gelagert, sondern wechseln stets schnell den Besitzer. „Mich würde es wundern, wenn man hier einen Artikel sechs Wochen nach Abgabe noch wiederfindet“, sagt Meyer. Im Laufe der Jahre ist die Organisationsstruktur des ZeSaBo-Teams immer perfekter geworden. „Uns ist es wichtig, dass wir lieferfähig bleiben, aber nicht zu viel Reserve anlegen“, sagt Meyer.

Ausgegeben werden die Spenden nicht an Bedürftige selbst, sondern ausschließlich an Personen, die sich ehrenamtlich oder hauptamtlich um Menschen mit akutem Bedarf in und über Bonn hinaus kümmern. Weitere Abnehmer sind soziale Einrichtungen wie Caritas, DRK oder Kinderschutzbund, die Menschen mit Bedarf betreuen. „In den vergangenen sechs Monaten haben wir 250 Haushalte hinzugewonnen, die ukrainische Flüchtlinge aufgenommen haben“, berichtet Meyer.

Schnelle Hilfe

Durch spezielle Sammelaktionen ist das ZeSaBo in der Lage, auch in unerwarteten und akuten Notsituationen, zum Beispiel nach der Flutkatastrophe oder bei der Versorgung von Geflüchteten aus der Ukraine, in sehr kurzer Zeit umfangreiche Sachspenden auszugeben. „Nach einem Aufruf für geflüchtete Frauen aus der Ukraine hatten wir hier innerhalb von zwei Tagen 62 Kinderwagen stehen“, berichtet Meyer. Aber auch die Flut im Ahrtal und in der Eifel habe deutlich gemacht, wie schnell jede Person in eine Notlage geraten kann.

In der bevorstehenden kalten Jahreszeit erwartet das ZeSaBo eine insgesamt wieder steigende Nachfrage nach Sachspenden. Auch die Inflation werde zu einem erhöhten Bedarf bei Haushalten führen, die bereits jetzt mit jedem Cent rechnen müssen. „Es kann jeden treffen. Wir sind da, um Not zu lindern“, sagt Meyer.