Hilfe für die Ukraine Spendenbereitschaft der Bonner ist enorm

Bonn · Das Zentrallager Sachspenden Bonn ist eine wichtige Anlaufstelle für alle, die Flüchtlingen aus der Ukraine helfen wollen. Der Bedarf an Helfern, Bestellern und Spenden ist enorm, die Hilfsbereitschaft auch.

  Frisch registriert: Zwei Frauen bringen Waren aus dem ZeSaBo-Lager, um damit ukrainische Familien zu versorgen.

Frisch registriert: Zwei Frauen bringen Waren aus dem ZeSaBo-Lager, um damit ukrainische Familien zu versorgen.

Foto: Stefan Knopp

Um Punkt 15 Uhr stehen die Leute wieder beim Zentrallager Sachspenden Bonn an. Sie bringen Rucksäcke, Schlafsäcke, Kissen, viele Hygieneartikel, Windeln. Eine Frau hat einen Kinderwagen dabei, ein Mitarbeiter von Autohaus Thomas bringt teils abgelaufene Verbandskästen, deren Inhalt aber trotzdem noch genutzt werden kann. Das alles entspricht dem Bedarf, den der Verein ZeSaBo auf seiner Homepage aufgelistet hat, und das geht so den ganzen Nachmittag weiter, Verkehrschaos auf dem Parkplatz und an der Endenicher Straße inklusive – die Spendenbereitschaft der Bonner für Flüchtlinge aus der Ukraine ist enorm. Der Anlass ist kein schöner, aber dass es läuft, freut den Vorsitzenden Jan Erik Meyer.

Die Sachen bleiben oft nicht lange dort: Weil der Bedarf so explizit aufgelistet ist, gehen diese Spenden schnell weiter an die, die es brauchen. „Wir haben uns entschieden, keine Transporte in die Ukraine auf den Weg zu bringen“, sagt Meyer. Dafür hätten andere bessere Möglichkeiten, etwa die Initiative Meckenheim hilft. Man will sich um die Leute kümmern, die nach Bonn gekommen sind. „Das werden täglich mehr.“ Fast jeden Abend klingele noch sein Telefon, wenn wieder neue Menschen angekommen seien, die mit dem Nötigsten versorgt werden müssten.

Einige kommen dann erst mal zum Beispiel in der Turnhalle des Robert-Wetzlar-Berufskollegs unter oder im Aloisiuskolleg in Bad Godesberg, das die Räume des ehemaligen Jungeninternats für inzwischen 180 Geflüchtete geöffnet hat. Für die wird dringend Bettzeug benötigt: Isomatten, Schlafsäcke, Decken und Kissen, dann auch Kleidung und immer wieder Hygieneartikel. Aber das sollte nur eine Übergangslösung sein, sagt Alina Gaedke, die sich um die Familien dort kümmert. „Die Leute brauchen Ruhe.“ Die würden sie in großen Unterkünften nicht bekommen, deshalb suche man nach Wohnungen und Menschen, die Flüchtlinge aufnehmen.

Die Bereitschaft sei auch da, sagt Meyer. „Es gibt viele Leute, die jetzt ihre Häuser öffnen, den Partykeller umbauen und Flüchtlinge dort wohnen lassen.“ Er hofft, dass sich noch mehr Menschen in Bonn und Umgebung für diesen Schritt entscheiden. Die Zahl der Hilfsbereiten kann er auch daran ablesen, wie viele neue Warenabholer das ZeSaBo jetzt auf der Liste hat. „Wir hatten in den letzten Tagen 26 neue Registrierungen.“ Und immer wieder kommen neue dazu, Privatleute, die sich um eine oder mehrere Familien kümmern.

Zu ihnen zählt auch Liliana Vezicanin. Die Mutter ihres Mannes hat elf ukrainische Flüchtlinge in Uckerath aufgenommen, für die sie noch das Notwendigste eingekauft hat. Für eine sechsköpfige Familie – drei Frauen, zwei Kinder, ein Mann –, die Vezicanin in Rösrath betreut, hatte sie dann das Zentrallager als kostenlose Alternative gefunden. Sie wolle einfach helfen, sagt sie. Vor allem Hygieneartikel nahm sie mit aus dem Lager, das sie sicher künftig öfters aufsuchen wird.

Anders als sie ist Alina Gaedke schon lange registriert, eine Helferin der ersten Stunde des ZeSaBo. Damals waren es Flüchtlinge aus Syrien oder Afghanistan, heute kommen sie aus der Ukraine, mit nichts als der Kleidung am Leib und einer Tasche. Gaedke hilft, weil die gebürtige Polin das selbst kennt. „Ich bin Wirtschaftsflüchtling und kam 1981 auch nur mit einer Tasche her.“

Die jetzigen Geflüchteten seien „nicht so betreuungsintensiv“ wie die vor sieben Jahren, weiß sie zu berichten. Was auch an der ukrainischen Kultur liegt, die der deutschen näher ist als die aus den afrikanischen Ländern. Und weil sie, das ist der größte Unterschied, wieder zurück in ihr Heimatland wollen, wenn alles vorbei ist. Sie kenne keinen Syrer oder Afghanen, der wieder in die Heimat möchte, wohl aber einige Kurden, sagt sie. Vielleicht ist deshalb auch die Bereitschaft der Deutschen, ukrainische Familien im eigenen Haus aufzunehmen, so groß: Man kann sie als vorübergehende Gäste ansehen. Sollten sie irgendwann wieder in die Ukraine zurückkehren, werden sie die meisten Spenden wohl mitnehmen, oder es handelt sich um Verschleißware. Mit einem großen Rücklauf an abgeholten Spenden rechnet Meyer nicht.

Helfer teilen den Bedarf mit

Der Bedarf wird zugleich auch von den Helfern mitgeteilt. „Die wissen am besten, was gebraucht wird“, so Meyer. Deshalb ändert sich die Liste der benötigten Dinge im Internet fast täglich. „Unser Ziel ist: Wir müssen immer lieferfähig sein.“

Was man nicht annimmt, sind Lebensmittel. „Wir brauchen Spender nach Bedarf und Zeitspender, also Leute, die mit anpacken.“ Auch dafür melden sich viele Leute, es ist aber noch Luft nach oben. „Außerdem brauchen wir neue Besteller und weitere Fördermitglieder. Ganz wichtig sei, dass die ukrainischen Flüchtlinge nicht selbst vor der Tür stehen – und dann wieder weggeschickt werden müssen, für alle Seiten unangenehm –, sondern nur von ihren Betreuern oder Gastfamilien versorgt werden, mahnt Meyer. „Wir sind eher Großhandel als Kleiderstube.“

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