Antrittsrede im Rat Sridharan gegen Regierungsumzug

BONN · Das war ein historischer Augenblick, als Ashok Sridharan (CDU) am Donnerstagabend als dritter direkt gewählter Oberbürgermeister in Bonn seinen Vorsitz in der Sitzung des Stadtrates einnahm.

Insignien: Künftig wird Oberbürgermeister Ashok Sridharan die Amtskette zu offiziellen Anlässen tragen.

Insignien: Künftig wird Oberbürgermeister Ashok Sridharan die Amtskette zu offiziellen Anlässen tragen.

Foto: Barbara Frommann

Kurz vorher hatte Bürgermeister Reinhard Limbach (CDU) den 50-jährigen ehemaligen Kämmerer und Ersten Beigeordneten der Stadt Königswinter offiziell vereidigt.

Die mit Spannung erwartete Rede Sridharans zu seinem Dienstantritt erhielt viel Applaus. Vor allem seine klare Position zum Thema Bonn/Berlin stieß bei den Stadtverordneten und dem Publikum in den voll besetzten Zuschauerreihen auf große Zustimmung. Sridharan erinnerte an den Anschlag gegen seine neue Amtskollegin in Köln, Henriette Reker.

Er werde vor dem fremdenfeindlichen Hintergrund der Tat prüfen lassen, ob die Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus nicht im Alten Rathaus untergebracht werden könne.

"Das wäre einerseits ein würdiger Ort und würde andererseits zu einer intensiveren Nutzung dieses so gelungen restaurierten, historischen Gebäudes führen." Die wichtigsten Punkte seiner Rede in aller Kürze:

Bonn/Berlin

"Wir brauchen eine dauerhafte Präsenz der Bundesregierung in Bonn", sagte der OB. Eine Haltung, die er schon vor seinem offiziellen Dienstantritt mehrfach öffentlich bekundet hatte.

Aber aus dem Munde eines Oberbürgermeisters klingt es dann doch schon mehr wie eine Kampfansage an den Bund, der in Person seiner Umzugsbeauftragten Barbara Hendricks (SPD) aktuell kaum Zweifel daran lässt, dass für ihn an einem Komplettumzug kein Weg mehr vorbeiführen wird.

Und: Sridharan positioniert sich in der Frage zur Zukunft Bonns und der Region im Gegensatz zu seinem Vorgänger Jürgen Nimptsch eindeutig. "Es muss darum gehen, die zigtausend Arbeitsplätze, die nachweislich aufgrund der Präsenz der Bundesregierung in der Region existieren, zu erhalten."

Bürgerdienste

Sridharan sieht die Stadtverwaltung klar als Dienstleister. Sein erstes Interesse am ersten Arbeitstag am Mittwoch galt denn auch den viel kritisierten Bürgerdiensten.

Er verspricht: Solange die Bürger nicht innerhalb der im Meldegesetz vorgesehenen Frist von einer Woche einen Termin bekommen, wird es in den Stadtbezirken Bad Godesberg, Beuel und Hardtberg an mindestens zwei Tagen ein entsprechendes Angebot geben.

Wirtschaftsförderung

Sridharan will die Wirtschaftsförderung zur Chefsache machen. Das Amt für Wirtschaftsförderung ist ihm ab sofort zugeordnet. Gemeinschaftlich soll verhindert werden, dass nach dem angekündigten Umzug der Zurich-Versicherung nach Köln und eine Teilverlagerung von Haribo in die Grafschaft weitere Unternehmen Bonn verlassen.

Bäder

Der neue Oberbürgermeister spricht sich für den Bau eines Kombibads auf der linksrheinischen Seite Bonns aus. "Bonn braucht kein Spaßbad", sagte Sridharan. Erst nach Fertigstellung und Inbetriebnahme komme eine Schließung des Frankenbads und des Kurfürstenbads in Betracht.

Über die Zukunft der Freibäder solle mit den Fördervereinen diskutiert werden. Ob in der Bäderfrage oder generell bei Bauvorhaben der Stadt mit privaten Partnern zusammengearbeitet werden soll, müsse im Einzelfall untersucht werden, sagte Sridharan.

Beethoven

Die Marke Beethoven will Sridharan angesichts des 250. Geburtstags des Komponisten im Jahr 2020 stärken und deutlicher hervorheben. "2020 müssen wir durch Inhalte und Konzepte überzeugen und Gäste aus aller Welt zu uns holen." Zur geplanten Sanierung der Beethovenhalle äußerte er sich nicht.

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