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Streit im Weiberfastnachtszug: Stadt Bonn äußert sich zu Plakat-Verbot auf Beueler Zoch

Streit im Weiberfastnachtszug : Stadt Bonn äußert sich zu Plakat-Verbot auf Beueler Zoch

Nach dem Verbot von Plakaten auf dem Beueler Weiberfastnachtszug bedauert die Stadt die „Irritationen“. Wie berichtet, hatte eine Gruppe der Realschule mit Plakaten auf Asbest im frisch bezogenen Schulgebäude in Vilich aufmerksam machen wollen.

Wie viel Persiflage und politische Botschaft ist im Karneval erlaubt? Diese Frage stellt sich aus aktuellem Anlass. An Weiberfastnacht hat, wie berichtet, die städtische Zugleitung einer Gruppe von Lehrern, Eltern und Schülern der Realschule Beuel verboten, kritische Plakate zu zeigen, die auf Asbest im recht frisch bezogenen Schulgebäude der früheren Anne-Frank-Hauptschule hinweisen (siehe unten).

Auf den vorbereiteten Tafeln waren Sprüche wie „Eine Faser reicht und du kommst ins Himmelreich“ zu lesen. In einer Botschaft wird Bezirksbürgermeister Guido Déus namentlich angegriffen, in dem das bekannte Kirchenwort „Im Namen des Herrn, des Sohnes und des heiligen Geistes“ folgendermaßen aufgegriffen wird: „In nomine DEUS et CDUus in Asbest sancti.“

Der so Gescholtene hielt sich am Freitag mit einer Bewertung zurück: „Ich finde das überzogen, zumal eine politische Mehrheit für den Umzug gestimmt hat. Aber darüber sollen andere urteilen“, sagte Déus. Er habe erst nach dem Zug von dem Verbot erfahren und sei in die Entscheidung nicht involviert gewesen: „Wahrscheinlich hätte ich es weiterlaufen lassen.“

Grenze zwischen Narrenfreiheit und Angriff?

Die Stadt, die den Zug organisiert, teilte auf Nachfrage mit, sie bedaure „die Irritationen“. OB Ashok Sridharan sagte: „Narrenwort ist frei, und die Meinungsfreiheit ist ein sehr hohes Gut.“ Zugleich stelle sich die Frage, ob eine Brauchtumsveranstaltung dazu genutzt werden sollte, politische Statements abzugeben. Aus Sicht des Vize-Präsidenten des Bonner Festausschusses, Stephan Eisel, „ist Persiflage in Ordnung, aber persönliche Angriffe sind es nicht“.

Horst Gehrmann, Fraktionsgeschäftsführer der CDU, stellte die Frage: „Wo wird eine Grenze überschritten?“ Er zeigte Verständnis für die Zugleitung: „Einige Plakate erwecken den Eindruck, dass die Schüler bewusst gesundheitlichen Gefahren ausgesetzt werden.“ Bärbel Richter von der SPD meint, dass persönliche Attacken gegen eine Person nicht sein müssen: „Wenn Karnevalsteilnehmer dagegen Gruppen – beispielsweise die Parteien angreifen – müssen wir das aushalten.“ Werner Hümmrich (FDP) erklärte: „Aus den Botschaften der Schule spricht eine Menge Wut. Der Karneval soll aber auf die Schippe nehmen und die Menschen zusammenführen.“

Klar gegen Zensur positioniert sich Tim Achtermeyer (Grüne): „Das Verbot halte ich für politisch falsch. Ein Karnevalszug ist nach seiner Geschichte im Kern politisch. Es ist das gute Recht der Schulpflegschaft, ihre Position auch humoristisch im Karneval zu transportieren.“ Das sieht Johannes Schott vom Bürger Bund Bonn (BBB) ähnlich: „Die Stadt hat mit dem Verbot überreagiert.“ Sie dürfe ihren Bürgern nicht verbieten, ihre Meinung zu sagen. Ratsherr Jürgen Repschläger (Linke) erklärte: „Die Wahl des OB war ein demokratischer Akt. Seine Amtszeit, die mit einer kurfürstlichen Regentschaft vergleichbar ist, scheint es nicht zu sein.“

Widerspruch bleibt weiter ungeklärt

Allerdings war der OB in die Entscheidung offenbar nicht involviert. Wie Stadtsprecherin Monika Hörig sagte, habe die Bezirksverwaltungsstelle der Schule im Vorfeld des Zuges mitgeteilt, dass sie das angekündigte Motto „Wir haben ein neues Nest, leider voller Asbest“ für „unglücklich“ empfinde. Da darauf keine Reaktion erfolgte, blieb es „beim Versand der Zugunterlagen an alle Zugteilnehmer unberücksichtigt“. Beim Zug selbst machte der Zugleiter die Plakate aus und entschied nach Rücksprache mit der Koordinierungsgruppe, dass diese Plakate nicht gezeigt werden dürften oder ein Ausschluss vom Umzug erfolgen müsse. Eine Rücksprache mit der Stadt sei nicht mehr möglich und der Realschulrektor nicht vor Ort gewesen. Am schulfreien Freitag war er für Rückfragen des GA nicht erreichbar.

So bleibt ein Widerspruch ungeklärt. Ramona Schreiter, Schulpflegschaftsvorsitzende der Realschule, erklärte erneut: „Ich habe mit der Bezirksverwaltungsstelle telefoniert und gefragt, ob es Bedenken mit dem Motto gibt. Daraufhin ist mir gesagt worden, es gebe keine Bedenken.“ Während des Zuges hatten die Realschulvertreter noch einmal versucht, die Plakate hochzuhalten, was Ordner unterbanden. Sie wollten auch dem GA-Fotografen verbieten, ein Foto zu schießen. Der OB zog bezüglich des Vorfalls einen Vergleich aus der Sportwelt heran: „Die Situation ist ähnlich wie auf dem Fußballplatz: Der Schiedsrichter hat das Sagen und trifft aus der Situation heraus die Entscheidung. Auf einem anderen Blatt steht, ob diese dann im Nachhinein anders bewertet wird“, so Sridharan.