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Stadt Bonn: Bonner kritisiert Umgang mit Maskenpflicht im Stadthaus

Mal mit, mal ohne Mundschutz : Bonner kritisiert Umgang mit Maskenpflicht im Stadthaus

Obwohl im Bonner Stadthaus Maskenpflicht herrscht, treten viele Besucher ohne Mundschutz ein. Mitarbeiter müssen ihn nur tragen, wenn der Abstand nicht eingehalten werden kann. Bei den Bürgerdiensten kontrolliert ein Sicherheitsdienst.

An jedem Eingang stehen Hinweisschilder, am Dienstleistungszentrum sitzt zusätzlich ein Sicherheitsdienst: Damit die Mundschutzpflicht eingehalten wird, hat die Stadt Bonn aufgerüstet. Doch das funktioniert offenbar nicht immer so wie gewünscht. „Es herrscht im Dienstleistungszentrum des Stadthauses Bonn ein derart laxer Umgang, der mich fassungslos macht“, sagt GA-Leser Lothar Schiefer, der sich an die Redaktion gewandt hat. Die Stadtverwaltung hält dagegen und nennt die Beobachtungen „Momentaufnahmen“.

Die Situation, die Schiefer beschreibt, hat sich vor wenigen Tagen zugetragen. Obwohl die Dienstgebäude nur mit Mundschutz betreten werden dürften, „ist die Realität weit davon entfernt“. Das Aufsichtspersonal gehe „mit schlechtem Beispiel voran und trägt den Mund-Nasen-Schutz teilweise nur über dem Mund, nicht über der Nase“. Würden sich Besucher nicht an die Regelungen halten, lasse sie das Aufsichtspersonal gewähren.

„Bürger, die deutlich zu früh erscheinen, werden nicht abgewiesen, sondern in den Wartebereich eingelassen“, sagt Schiefer. In der Folge sei der Wartebereich überfüllt, Abstandhalten kaum möglich. Und auch die Stadtmitarbeiter würden sich nicht richtig verhalten, liefen „munter ohne Mund-Nasen-Schutz quer durch die Szenerie“.

Stadt bezeichnet Vorwurf als „Momentaufnahme“

Die Stadt Bonn weist die Vorwürfe von sich. „Es kann sich nach Wahrnehmung der Verwaltung dabei nur um Ausnahmefälle beziehungsweise Momentaufnahmen handeln“, sagt Stadtsprecherin Monika Hörig. Die Sicherheitskräfte würden im Stadthaus „ordnungsgemäß den Mund-Nasen-Schutz“ tragen. „Halten Sie sich außerhalb der Räumlichkeiten auf, ist diese Schutzmaßnahme nicht erforderlich, da sie sich im Freien aufhalten und der geforderte Mindestabstand eingehalten werden kann.“ Im direkten Gespräch mit den Bürgern werde der Schutz allerdings auch draußen getragen.

Hörig weist auch auf das Lob hin, das die Stadt für ihre Sicherheitskräfte erhalte. „Souverän und mit wachen Augen wurden freie Plätze zugewiesen, der Weg gezeigt, Fragen beantwortet und das alles mit einer Ruhe und Freundlichkeit jedem gegenüber“, heißt es. Auch die Verwaltung sei „sehr zufrieden mit der Art und Weise, wie die Sicherheitskräfte diese anspruchsvolle Aufgabe verantwortungsvoll wahrnehmen“.

Generell sind alle Arbeitsplätze im Dienstleistungszentrum mit Spuckschutzwänden ausgestattet. „Somit muss hier während der Bürgerbedienung keine Maske getragen werden, weder von den Bürgerinnen und Bürgern noch von den Mitarbeitenden“, so Hörig. Für die Mitarbeiter gebe es das Gebot, Masken zu tragen, wenn sie in den Dienstgebäuden unterwegs sind und den Mindestabstand nicht einhalten können.

Am Donnerstag war die Situation im Dienstleistungszentrum ruhig: Jeder zweite Sitzplatz blieb frei, der Warteraum war nicht überfüllt. Am Eingang fragte der Sicherheitsdienst freundlich, ob die Besucher einen Termin haben und wies auf das Desinfizieren der Hände hin. Der Mundschutz blieb dabei allerdings oft unter der Nase oder dem Kinn hängen. Untereinander scheint man es mit dem von der Stadt verhängten Gebot nicht allzu eng zu sehen: Man greift sich auch schon einmal gegenseitig in die Pommes.

Stadtverwaltung hält Maskenpflicht weiter für sinnvoll

Wer das Stadthaus betritt, kommt zwar an Mundschutz-Schildern und Desinfektionsmitteln vorbei, kontrolliert werden die Vorgaben aber nicht. Die meisten Stadtmitarbeiter laufen ohne Mundschutz durch das Foyer, die Gänge und die Aufzüge – genauso wie die Besucher. Nur am Infopunkt selbst wird man gebeten, die Regeln zu befolgen. In den Sitzgruppen vor dem Ratssaal sitzen die Mitarbeiter in Zweiergruppen eng zusammen.

Auch wenn die Masse beim Umgang mit dem Coronavirus offenbar leichtfertig handelt, hält die Stadtverwaltung die Maskenpflicht für sinnvoll. „Insbesondere dort, wo der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann“, sagt OB Ashok Sridharan. Bevor über die Abschaffung einer Maskenpflicht diskutiert werde, sollte mit Blick auf die Reiserückkehrer und den Start des neuen Schul- und Kindergartenjahres die weitere Entwicklung abgewartet werden. „Wir müssen angesichts der in Bonn leicht gestiegenen Zahl an Neuinfektionen vorsichtig bleiben“, sagt Sridharan.