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Südüberbauung in Bonn: Stadt: Maximilianstraße wird keine Schlucht

Südüberbauung in Bonn : Stadt: Maximilianstraße wird keine Schlucht

Die geplante Entkernung der Südüberbauung beginnt voraussichtlich im Oktober. Die Stadt und Projektleiter Moritz Tank widersprechen Befürchtungen, wonach die Maximilianstraße zu einer dunklen Häuserschlucht werden könnte.

Die Stadt Bonn und Investor Ten Brinke widersprechen den Vorwürfen, etwa des Bürger Bundes Bonn, mit dem Neubau der Südüberbauung werde die Maximilianstraße zu einer „dunklen Häuserschlucht“. „Die Straßenbreite der Maximilianstraße beträgt nach Realisierung des Neubaus an der engsten Stelle circa 9,20 Meter“, sagte Markus Schmitz vom Presseamt.

Moritz Tank, Projektleiter bei der Ten Brinke Group, erläuterte, dass bisherige Rücksprünge des Gebäudes bis zur Grundstücksgrenze begradigt würden: „Die Abstandsflächen werden eingehalten. Das bedeutet, dass die Breite mindestens bei den 9,20 Metern bleibt. Im Bereich des McDonald's wird der Raum sogar breiter, weil dieses Gebäude etwas zurückspringt.“

Schmitz betonte, dass der Neubau seine eigenen Abstandsflächen nach den gesetzlichen Bestimmungen bis zur Straßenmitte der Maximilianstraße einhalten werde, und der betrage dort 4,58 Meter. „Der Neubau reicht wie die gegenüberliegende, bestehende Bebauung bis an die Grundstücksgrenze zur öffentlichen Verkehrsfläche. Die Bemessung der Abstandfläche wurde im Baugenehmigungsverfahren durch einen öffentlich bestellten Vermessungsingenieur durchgeführt.“

Investor Albert ten Brinke hatte im Stadtrat ausgeführt, dass bereits im Oktober mit der Entkernung des Gebäudes begonnen werden soll. „Außer ein paar Containern wird aber nichts zu sehen sein“, erläutert Tank. „Der eigentliche Abbruch beginnt im Januar.“ An die Anlieger gerichtet sagte er, dass zwar ein Baustellen-Einrichtungsplan vorliege, „dieser wird aber noch mit der Stadt Bonn optimiert“.

Im Zusammenhang der Proteste gegen die Ansiedlung eines Primarks im zukünftigen Maximilian-Center verweist Tank auf Verhaltensgrundsätze, die sich der Textilkonzern auferlegt habe. Das Unternehmen selbst sagt, es seien „Kernprinzipien bezüglich Arbeitsbedingungen, fairer Gehälter und Arbeitnehmerrechte“. Allein im Jahr 2015 habe Primark 2629 Überprüfungen bei Zulieferbetrieben durchgeführt, um sicherzustellen, dass der Verhaltenskodex eingehalten werde.

Zudem sei der Konzern, der nach eigenen Angaben weltweit etwa 60.000 Beschäftigte hat, Mitglied verschiedener Initiativen, so seit zehn Jahren bei der Ethical Trading Initiative (ETI). Zudem unterstützt Primark nach eigenen Angaben ein Projekt, um Frauen aus mehr als 20 Zulieferbetrieben den Zugang zu Gesundheitsvorsorge und -aufklärung zu ermöglichen. Primark wirbt auch damit mit Initiativen zusammenzuarbeitet, die weiblichen Kleinbauern in Indien zeigen, wie sie Baumwolle nachhaltiger herstellen können – mittlerweile seien bereits 1251 Frauen in das Projekt integriert worden.

Die günstigen Preise kämen dadurch zustande, dass Primark fast keine Werbung schalte, Kleidung in sehr großen Mengen bestelle und von der daraus resultierenden Kostenersparnis profitiere. „Die Gewinnspanne von Primark ist sehr viel niedriger als bei den Wettbewerbern“, heißt es. Dennoch hat sich ein Zusammenschluss von Bonner Initiativen gegen die Ansiedlung des Textilkonzerns gewandt, weil „den Preis für billige Fast Fashion die Arbeiterinnen und Arbeiter in Asien und Osteuropa zahlen“, heißt es in einem Schreiben an den Stadtrat.

Die niedrigen Preise kommen laut einem Bericht der „Welt“ auch dadurch zustande, dass Primark mit einem „äußerst effizienten Personalmanagement“ arbeite. Nachdem es viele negative Schlagzeilen über die Arbeitsbedingungen im Konzern gegeben hatte, einigte sich die Gewerkschaft Verdi im vergangenen Dezember mit Primark auf einen Tarifvertrag: Die 7000 Beschäftigten des Textildiscounters werden mittlerweile nach den Flächentarifen des Einzel- und Versandhandels bezahlt.