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Grundschulen im Bonner Norden: Stadt muss erneut Containerklassen aufstellen

Grundschulen im Bonner Norden : Stadt muss erneut Containerklassen aufstellen

Die Kapazitäten an den Grundschulen im Bonner Norden sind erschöpft. Um überhaupt ausreichend wohnortnahe Schulplätze anbieten zu können, wurden schon Containerklassen aufgebaut. Dieses Provisorium kostet rund 900.000 Euro.

Die Grundschulen im Bonner Norden platzen aus allen Nähten. Weil ab nächstem Schuljahr die vorhandenen Kapazitäten nicht mehr ausreichen, will die Stadt Bonn dort ein Provisorium errichten. Auf einer Brachfläche an der Schlesienstraße zwischen Buschdorf und Tannenbusch sollen Container für vier Klassen und drei Gruppen der offenen Ganztagsbetreuung (OGS) aufgestellt werden. Die Kosten betragen 900 000 Euro.

Parallel will die Verwaltung mit der Planung für einen zweizügigen Schulneubau am selben Standort beginnen. Die Kosten dafür stehen noch nicht fest. Das Provisorium soll zunächst als Teilstandort der Paulus-Grundschule geführt werden, die an der Hohe Straße liegt. Die Paulusschule und die benachbarte Elsa-Brändström-Schule sind bereits bis an die Obergrenze ausgelastet, so die Verwaltung. Um überhaupt ausreichend wohnortnahe Schulplätze anbieten zu können, wurden auch schon dort Containerklassen aufgebaut.

Ebenso ausgeschöpft sind der Verwaltung zufolge die Kapazitäten der Carl-Schurz-Grundschule und der Katholischen Grundschule in Buschdorf, sodass neu hinzuziehende Kinder mittlerweile nur noch auf weiter entfernt liegende Grundschulen wie zum Beispiel auf die Karlschule oder die Jahnschule in Auerberg verwiesen werden müssen.

Schulausschuss wird sich damit befassen

Der Schulausschuss wird sich an diesem Donnerstag mit der erst vorige Woche eingereichten Vorlage der Verwaltung befassen müssen. Aufgrund der „intensiven verwaltungsinternen Abstimmung“ habe die Abgabefrist nicht eingehalten werden können, heißt es zur Begründung der verspäteten Vorlage.

Nicht nur diese Begründung stößt bei FDP-Ratsfraktionschef Werner Hümmrich auf große Verärgerung: „Ich bin stinksauer auf die Verwaltung“, sagte er dem GA. „Es ist doch schon seit Jahren klar, dass die Grundschulplätze in Buschdorf und Tannenbusch knapp sind“, sagte der Liberale. Auch sei lange bekannt, dass durch weitere große Baugebiete in Buschdorf in den nächsten Jahren weit mehr als 600 Wohneinheiten entstünden. „Das impliziert doch, dass die Zahl der Familien mit kleinen Kindern zunehmen wird.“

Ins gleiche Horn stößt der Bürger Bund Bonn (BBB). Dessen schulpolitischer Sprecher Johannes Schott sieht die Verantwortung für den Mangel nicht allein bei der Verwaltung, sondern auch bei der Ratsmehrheit: „Was wir in Buschdorf mit dem Engpass bei Grundschulplätzen erleben, ist nicht nur hausgemacht, sondern von der Mehrheitskoalition seit Jahren sehenden Auges ignoriert worden“, klagte er.

Grünen-Schulexpertin Anja Lamodke ist dagegen froh, dass die Verwaltung dem Mangel an Schulplätzen im Bonner Norden jetzt schnell mit einer temporären Lösung entgegnen will. „Für Schulneubauten brauchen wir belastbare Zahlen“, sagte sie. Und die lägen nach sieben Jahren mit dem neuen Schulentwicklungsplan für die Grundschulen erst jetzt vor. Der Plan ist ebenfalls auf der Tagesordnung des Schulausschusses.

Auf den Schulentwicklungsplan beruft sich auch die CDU, die den von der Verwaltung gewählten Weg ebenfalls gutheißt. „Solche Entscheidungen zu Schulstandorten können nur im Gesamtzusammenhang erfolgen, das heißt, wenn eine Schulentwicklungsplanung vorhanden ist. Alles andere kann Fehler nach sich ziehen“, sagte CDU-Schulexperte Peter Spyra.