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Pferde im Bonner Karneval: Stadt: Pferde dürfen nicht ruhiggestellt werden

Pferde im Bonner Karneval : Stadt: Pferde dürfen nicht ruhiggestellt werden

Der Bürgerausschuss diskutierte am Donnerstag über künftige Teilnahme der Tiere beim Rosenmontagszug. Sollten die Tiere dabei sein und ruhiggestellt werden dürfen? Diskutieren Sie hier mit!

Die Kavallerie rückt mit hölzernen Steckenpferden an und zieht mit ihnen am Rosenmontag in Bonn durch die Straßen. Das haben die Jecken vergangenes Jahr gesehen, als Kälte und Glatteisgefahr den Aufmarsch echter Pferde nicht zuließen. Wenn es nach Tierschützern geht, bleiben die Rösser immer an Karneval in ihrem Stall. Jährlich weisen sie auf die Strapazen für die Pferde bei Umzügen hin und vermuten, dass die Tiere diese nur mit Beruhigungsmitteln überstehen.

Am Donnerstagabend beschäftigte sich der Bonner Bürgerausschuss ausgiebig mit dem Thema. In ihrem Bürgerantrag argumentieren der Verein „rheinvegan“, das Netzwerk für Tiere und die Tierrechtsinitiative Köln: „Pferde sind sehr schreckhafte Fluchttiere. Als Reit- und Kutschtiere im Karneval sind sie jedoch höchstem Stress durch Lärm, Menschenmassen und herumfliegende Kamelle ausgesetzt.“ Die Vereine berufen sich auf Quellen, wonach Tiere beruhigt würden, um sie durch „solch einen anstrengenden Tag zu bringen“. Reitergarden stritten das aber ab.

Pro und Contra

Auch in Bonn wird hinter vorgehaltener Hand erzählt, dass Pferde bisweilen sediert würden. Früher sei das Spritzen von Beruhigungsmitteln aber viel intensiver gewesen. In ihrer Stellungnahme für den Bürgerausschuss teilt die Stadt mit: „Eine Sedierung der Pferde ist nicht zulässig.“ Dabei beruft sich die Verwaltung indes nicht direkt auf das Tierschutzgesetz, in dem die medikamentöse Beruhigung nicht erwähnt wird, sondern auf die Interpretation der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz aus Bramsche (siehe Text „Die Gesetzesvorgabe“). Die kommt zu dem Schluss, dass Sedierung tatsächlich einen Gesetzesverstoß darstellt. Auch die Antragsteller sprechen von einem Verbot.

Im Rosenmontagszug gehen Veterinäre mit

„Eine Überprüfung, ob ein Pferd sediert worden ist, kann zuverlässig nur mittels Blutuntersuchung festgestellt werden“, teilt Vize-Stadtsprecher Marc Hoffmann mit. Das Untersuchungsergebnis würde allerdings erst vorliegen, wenn der Umzug längst vorbei ist. „Die Stadt Bonn gibt vor, was wir dürfen und was nicht“, sagt Zugleiter Axel Wolf vom Festausschuss Bonner Karneval. Er bestätigt, dass Pferde nicht beruhigt werden dürfen. „Es sind nur die Pferde zugelassen, von denen keine Gefahr ausgeht. Die Tierärzte der Corps müssen das überwachen.“ Veterinäre müssen auch im Rosenmontagszug mitgehen. „Unruhige Pferde werden immer mal wieder am Aufstellgelände aus dem Zug genommen“, sagt Wolf. Es gingen nur solche Tiere mit, die trainiert und damit geeignet seien. So sei auch einmal ein show- und TV-erprobtes Trampeltier durch Bonn gelaufen.

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Die Sicherheit von Reitern und Besuchern steht laut Wolf und Vertretern der Bonner Garden an erster Stelle. „Es hat in Bonn noch keine Unfälle gegeben“, so der Zugleiter. „Die Vereine sind immer sehr souverän mit dem Thema umgegangen.“ In Köln hat das Festkomitee bereits vor Jahren in seinen Richtlinien festgelegt, dass die Sedierung von Pferden durch Pferdelieferanten, Reiter oder Reitställe verboten ist. Während in Bonn die Kontrolle den Corps überlassen wird, überprüft in der Domstadt das Veterinäramt selbst.

Die Bonner Stadtsoldaten versichern, sich an die Auflagen des Festausschusses zu halten. „Als Corps haben wir einen eigenen Tierarzt dabei sowie mehrere Betreuer des Reitstalls, die vor und während des Zuges die Tiere permanent beobachten“, sagt Kommandant Ralf Wolanski. „Aus Sicherheitsgründen gehen bei vielen Reitern noch Begleitpersonen mit, bei den Bagage- und Kutschpferden sind immer zwei Personen auf dem Bock.“ Das gibt auch Thomas Janicke, Kommandant der Bonner Ehrengarde, an.

Kavallerie absolviert Reitstunden

Wolanski kann alle Sicherheitsvorschriften verstehen. „Aber wer schützt uns Zugteilnehmer vor Idioten, die Kamelle zurückwerfen?“, ärgert er sich. Da werde der Kinderprinz auf dem Wagen zur Zielscheibe. „Sowohl Mensch als auch Tier muss der notwendige Respekt entgegengebracht werden.“ Laut Janicke kontrolliert der Tierarzt vor dem Zug den Zustand eines jeden Tiers. „Er fährt über die Fesseln, nimmt die Hufe hoch. Wenn etwas nicht stimmt, wird das Pferd aus dem Zug genommen.“ Ansonsten müsse jeder Reiter vor dem Rosenmontag mindestens 25 Reitstunden absolvieren. Doch es seien viel mehr: Die Kameraden der Kavallerie seien wöchentlich bei den Ställen Hippe in Heimerzheim und Hannelore Heiß in Wachtberg-Pech. „Sedierung machen wir nicht“, sagt die Ehrengarde. Die Reitpferde würden anders vorbereitet. Etwa indem die Reiter in den Ställen mit Standarte aufsattelten und beim Reiten Karnevalsmusik ertöne.

Nach überzeugendem Auftritt der Tierschützer im Bürgerausschuss und langer Diskussion der Politiker landet das Thema nun im Umweltausschuss. Vor der nächsten Session soll es Gespräche mit Karnevalisten und Tierschützern geben. Noch in diesem Jahr sollen angekündigte Blutproben genommen werden.

Bonns Amtstierärztin Uda Erbe merkte an: Gemessen an ein mehr als 20-jährigen Pferdeleben sei die Zugteilnahme an einem Tag kein tierschutzrechtlich relevantes Leiden.

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