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Reinigungskolonnen: Stadt verschärft Druck auf die privaten Firmen

Reinigungskolonnen : Stadt verschärft Druck auf die privaten Firmen

Das Städtische Gebäudemanagement (SGB) hat die Reinigungsverträge für rund 250 kommunale Gebäude zum 1. Januar 2013 neu ausgeschrieben. Eine Verschärfung der Leistungsvorgaben durch die Stadt könnte dabei die Mitarbeiter privater Reinigungsfirmen zusätzlich unter Druck setzen. Schon jetzt mehren sich die Hinweise darauf, dass viele Putzkräfte ihre Arbeit kaum in der vorgegebenen Zeit schaffen.

"Entweder man riskiert Reklamationen oder macht unbezahlte Überstunden", berichtete ein Betroffener dem GA vor einigen Monaten. Der Mann hatte unter anderem in der Katholischen Grundschule (KGS) Holzlar geputzt.

Genau für dieses Objekt gab das SGB auf Druck der Linksfraktion im Rat ein Gutachten in Auftrag - und das stützt die Aussagen des Betroffenen. Das Forschungs- und Prüfinstitut für Facility Management (Metzingen) prüfte während der Sommerferien die Sauberkeit in der Schule, nahm ein Aufmaß der Räume und berechnete auf der Grundlage des städtischen Leistungsverzeichnisses den durchschnittlichen Reinigungsaufwand pro Tag.

Die Gutachter kamen auf 13,5 Stunden, was einem sogenannten Leistungswert von 202 Quadratmetern pro Stunde entspricht. Die beauftragte Kölner Firma Wieprecht kalkuliert in der KGS Holzlar allerdings nur mit zehn Stunden täglich (Leistungswert 280 Quadratmeter).

Trotzdem hätten die Gutachter die Reinigungsqualität für gut befunden, schrieb das SGB in einer Mitteilungsvorlage für den zuständigen Ratsausschuss. Und schlussfolgert: "Das bedeutet, dass auch mit einem geringeren Zeitaufwand der Reinigungserfolg erreicht wird."

In der Neuausschreibung zieht das SGB die Schrauben sogar noch weiter an: Die Bewerber müssen Angebote in einem "Korridor" von 8,56 bis 12,7 Stunden täglich vorlegen. "Das SGB geht davon aus, dass auch bei einer Reinigungszeit von 8,56 Stunden noch ein gutes Ergebnis erzielbar ist", erklärte eine Mitarbeiterin des Presseamtes.

Selbst mit 12,7 Stunden pro Tag liegt die Stadt noch unter der Empfehlung des Gutachtens. Dazu das Presseamt: Nicht jedes Mal müssten alle Räume geputzt werden, wie es für das Gutachten der Fall gewesen sei. Wenn Räume sauber sind, liege es im Ermessen der Firma, auch einmal nicht zu reinigen.

"Mit täglich zehn Stunden garantieren wir für die KGS Holzlar genau die Qualität, die mit der Stadt vereinbart wurde", betonte Claudia Frobese, Geschäftsführerin bei Wieprecht. Unbezahlte Überstunden gebe es nicht. Sie wundere sich mit Blick auf die neue Ausschreibung, dass die Stadt trotz des Gutachtens eine Stundenzahl von 8,56 pro Tag für ausreichend hält.

Die Verschärfung sei kein Einzelfall: "Auch bei acht weiteren Objekten, die wir in Bonn säubern, ist die Ausschreibung entsprechend anspruchsvoller geworden." Diesen Trend beobachte die Firma in anderen Städten ebenfalls. Frobese: "Das hat wohl mit den Haushaltsproblemen der Kommunen zu tun."