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Alter Zoll: Die Chronologie der Ereignisse: Stadt weiß schon seit Mitte Januar vom möglichen Kahlschlag

Alter Zoll: Die Chronologie der Ereignisse : Stadt weiß schon seit Mitte Januar vom möglichen Kahlschlag

Die Mühlen der Bonner Stadtverwaltung mahlen langsam. Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB), Niederlassung Köln, hat die Bonner Stadtverwaltung bereits am 16. Januar über das Ausmaß der Sondierungsbohrungen im Rahmen der Sanierungsarbeiten am Alten Zoll informiert. Fast vier Wochen später hat die Untere Landschaftsbehörde die geplanten Arbeiten gestoppt.

Das bestätigte Umweltdezernent Rüdiger Wagner jetzt in einem Brief an die Fraktionen. Der BLB-Zeitplan muss der Stadtverwaltung sogar früher bekannt gewesen sein, denn die Kölner Behörde hat die Stadt seit Ende 2012, als erste Sicherungsmaßnahmen an der Bastionsmauer durchgeführt wurden, regelmäßig über den Stand informiert - zumal die Sondierungsbohrungen des Kampfmittelräumdienstes Teil der Baugenehmigung sind.

Und so verschickte der BLB am 3. Februar auch eine Pressemitteilung, in der über die nächsten Schritte am Alten Zoll informiert wurde. Genau eine Woche zuvor hatte es einen Ortstermin "mit Fachleuten der Verwaltung" gegeben, so Wagner. Da sei deutlich geworden, dass "mit erheblichen Schädigungen der Wurzelns zu rechnen ist".

Erst volle zwei Wochen später stoppte die Bonner Verwaltung die Arbeiten der Kölner. Daraufhin stellte der BLB einen Antrag auf Befreiung, und, da man nun mit den Fällarbeiten in die Schutzphase ab 1. März kam, ließ er eine artenschutzfachliche Begutachtung des Baumbestandes durchführen.

Wagner sagte den Kommunalpolitikern nun zu, im Landschaftsbeirat und in der Bezirksvertretung Bonn über die Sondierungsbohrungen und die damit befürchteten Schädigungen der Wurzeln zu berichten.

Die Grünen in der Bezirksvertretung Bonn fordern, die bisherige Planung zu überdenken und zu einer Lösung zu kommen, die den Erhalt der Bäume sichert. Dabei sind nach Ansicht der Grünen durchaus andere Varianten möglich, die denkmalgerecht den Erfordernissen genügen.

"Die bisherige Planung für die erforderlichen Arbeiten auf dem Alten Zoll sehen sehr nach fantasieloser Hau-Ruck-Methode aus. An diesem Ort sind aber sensiblere Lösungen notwendig", meint der Grünen-Bezirksverordnete und Planungssprecher der Ratsfraktion Hardy Lohmeyer.

Auch das Grünen-Ausschussmitglied im Unterausschuss Denkmalschutz, Werner Rambow, hat kein Verständnis für die geplante Vorgehensweise: "Wir sollten abwarten, wie die alten Bäume die Bohrungen nach Blindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg vertragen und nicht im Vorfeld einen Kahlschlag durchführen. Das Wurzelwerk kann sich in einem gewissen Rahmen regenerieren."

Auch der Bürger Bund Bonn (BBB) würde es gerne sehen, wenn die Bäume am Alten Zoll erhalten werden könnten. "Sollte sich aber herausstellen, dass der Erhalt der Bastionsanlage nur über eine Rodung des Bewuchses auf dem Aussichtsplateau möglich ist, wird der BBB der Sanierung des Alten Zolls den Vorzug geben", so Ratsherr Marcel Schmitt. Die Fällung der 29 Bäume dürfe aber nicht nur aus reinen Kostengründen geschehen. Wenn andere Verfahren oder Möglichkeiten bestünden, sollten diese zur Anwendung kommen.

Die Aufregung der anderen Fraktionen um die sich abzeichnende Fällung der Bäume kann der BBB aber nicht nachvollziehen. "In Bonn werden Jahr für Jahr massenhaft Bäume gefällt", so Schmitt. "Zwischen 2011 und 2013 waren das 2589 Bäume. Da erscheint es ein wenig scheinheilig und unangebracht, wenn sich einige Politiker bei einer notwendigen Maßnahme als Baumschützer aufspielen."