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Umbau kommt gut an: Stadtbibliothek Bonn wurde vor 75 Jahren eröffnet

Umbau kommt gut an : Stadtbibliothek Bonn wurde vor 75 Jahren eröffnet

Die Bonner Stadtbibliothek wurde heute vor 75 Jahren eröffnet. Der Umbau der Räumlichkeiten am Mülheimer Platz, der 2015 abgeschlossen wurde, kommt bei den Besuchern gut an.

Wilm Görlich ist fündig geworden und grinst zufrieden. Er hält den „Herr der Ringe“ in der Hand – alle drei Teile, als Hörspiel. Die Hülle ist stark abgegriffen, er ist nicht der Erste, der sie ausleihen wird. „Meine Freundin ist krank. Mit dem 'Herr der Ringe' wird man schnell gesund. Das weiß ich aus Erfahrung“, sagt der 30 Jahre alte Wildnispädagoge.

Er ist bewusst in die Bonner Stadtbibliothek gekommen. „Natürlich könnte ich das auch online besorgen. Ich mag es aber, materielle Dinge anzufassen, ich hänge eh schon genug vorm PC.“ Görlich liest vor Ort gerne Comics oder leiht erklärende Bücher aus, die er in seiner Arbeit mit Kindern und Jugendlichen einsetzt.

Heute vor 75 Jahren kamen die ersten Besucher in die Stadtbibliothek am Mülheimer Platz. Die Geschichte der Bonner Stadtbibliothek beginnt somit am 8. Februar 1943. Besucher konnten damals rund 10.000 Bücher ausleihen. Dieser Bestand vergrößert sich bis zum heutigen Tag stetig.

Damals wurde er allerdings kurzfristig dezimiert – ein Bombenangriff am 18. Oktober 1944 zerstörte neben dem Rathaus auch die Stadtbibliothek. Notausgabestellen in Poppelsdorf und Graurheindorf verwalteten übergangsweise den stark verkleinerten Bestand. Nach Kriegsende waren nur noch 3400 Bücher im Bestand der Stadtbibliothek. Diese Zahl stieg aber innerhalb von zwei Jahren auf 40.000 Publikationen.

Im Jahr 2017 wurden 1.463.911 Mal Bücher und andere Medien ausgeliehen. Das ist eine steigende Zahl, da der Umbau zwischen 2011 und 2015 einen Umzug notwendig gemacht hatte – mit Einschränkungen für die Besucher. In der Folge gab es weniger Ausleihen, obwohl alle Medien weiter verfügbar waren – in Dottendorf, Beuel, Godesberg und in der Cassius-Bastei.

Besucher sind zufrieden mit dem Umbau

Mit dem Umbau ist Iris Berrischen zufrieden. „Früher war hier sehr viel Teppich, der Holzboden gefällt mir besser“, sagt sie. Die Studentin der naturwissenschaftlichen Forensik kommt zwei- bis viermal in der Woche in die Stadtbibliothek, immer ein bis zwei Stunden. „Das mache ich so, seit ich zehn Jahre alt bin“, sagt die heute 25 Jahre alte Bonnerin.

Im Vergleich zur Situation vor dem Umbau gefällt ihr am meisten, dass „alles sehr viel offener und freundlicher wirkt. Nicht mehr so beengt wie vorher.“ Berrischen freut es, dass viele verschiedene Menschen in die Stadtbibliothek kommen und dort auch ganz unterschiedliche Dinge tun. Da ist die Rentnerin, die sich mit allerhand Tageszeitungen und Magazinen eindeckt, um tagesaktuell informiert zu bleiben. Der Student, der stapelweise Bücher und Ausdrucke vor sich liegen hat und an seiner Abschlussarbeit schreibt. Ein Flüchtling hat ein Arbeitsheft aufgeschlagen und liest gemeinsam mit einem älteren Mann deutsche Texte.

Wilm Görlich ist gebürtiger Ostfriese. Seit drei Jahren lebt er in Bonn. Er kennt die Stadtbibliothek nur nach dem Umbau: „Ich finde sie sehr schön. Vor allem, wenn man sich anschaut, wie Bibliotheken in anderen Städten aussehen.“

Im Juni 2018 ist anlässlich des heutigen Jubiläums ein Festtag geplant. Am Programm dazu basteln die Verantwortlichen bereits.