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Stadtgarten Bonn: Passanten wundern sich über Schotterschicht

Bepflanzung nach Arbeiten : Neue Staudenbeete am Stadtgarten werfen Fragen auf

Die Stadt Bonn hat im Stadtgarten neue Staudenbeete angelegt, die Insekten anlocken sollen. Doch statt Erde fallen den Passanten graue Steinchen auf. Mit Schottergärten habe das aber nichts zu tun, sagt die Stadt.

All zu lange ist die Wiedereröffnung des Stadtgartens noch nicht her. Die Neugestaltung des Areals am Alten Zoll lockt seitdem zahlreiche Besucher an – und löst dabei Verwunderung aus. Im Zuge der Umgestaltung hat das Amt für Stadtgrün nach eigenen Angaben rund 600 Quadratmeter insektenfreundliche Staudenbeete angelegt. Davon ist jedoch noch nicht viel zu sehen. Stattdessen kommen in den Beeten viele graue Steinchen zum Vorschein. Besucher des Stadtgartens vermuten Basaltsplit, der in Schottergärten verwendet wird.

„Bei der starken Versieglung der Städte brauchen wir mehr Pflanzen für die Bienen“, sagt Danielle Wiesner-von den Driesch, Natur- und Landschaftsführerin. Sie fürchtet, dass sich durch die Steine das Beet aufheizt und die Hitze den Pflanzen schadet: In Bonn treten im Sommer immer häufiger Temperaturen um die 40 Grad Celsius auf. „Das Durchatmen wird immer schwerer“, so Wiesner-von den Driesch. Besonders vor diesem Hintergrund sei es für die Natur- und Landschaftsführerin verwunderlich, dass die Beete nicht dichter bepflanzt wurden.

Staudenbeete sind nicht mit Schottergärten vergleichbar

Die Stadt versichert, dass die Staudenbeete im Stadtgarten nicht mit Schottergärten vergleichbar seien. „In Schottergärten wird unterhalb der Schotterfläche Vlies oder Folie verlegt, was das Wachsen von Pflanzen verhindert. Das ist bei den Staudenbeeten nicht der Fall“, so Andrea Schulte vom Presseamt der Stadt Bonn. Am Stadtgarten seien ausschließlich heimische Stauden gepflanzt worden, die in kurzer Zeit das gesamte Beet bedecken sollen.

Die Stauden blühen zudem bis weit in den Herbst hinein. „Der Splitt dient hier als mineralische Mulchlage und ist nur sechs bis acht Zentimeter dick“, so Schulte. Sobald die Stauden gewachsen und dichter sind, stelle die Sonneneinstrahlung auch keine Gefahr für die Mulchabdeckung dar. „Außerdem kann sich durch die Mulchung die Feuchtigkeit länger im Boden halten“, sagt Schulte. Die gleichmäßige Bodenfeuchte sorge dafür, dass die Pflanzen stressloser wachsen können. Zudem sei dadurch der Pflegeaufwand geringer. Ähnliche Beete hat das Amt für Stadtgrün bereits etwa unterhalb der Beethovenhalle oder an der Oper angelegt.

Schottergärten in Röttgen haben für Aufsehen gesorgt

Das Thema Schottergärten begleitet die Bonner schon eine ganze Weile. Im Neubaugebiet „Am Hölder“ in Röttgen hatte die Stadt Bonn Mitte 2019 die Grundstückseigentümer angeschrieben und ihnen verboten, nicht bebaute Grünflächen durch Schotter- oder Steingärten derart zu versiegeln.

30 Schottergärten hatten Verwaltungsmitarbeiter dort ausgemacht. Die Einhaltung dieser Vorgaben gehört nach Angabe der Stadt nicht zum Prüfumfang im vereinfachten Baugenehmigungsverfahren. „Dennoch versucht die Verwaltung im Rahmen der Baukontrollen und Bauabnahmen darauf zu achten, dass Vorgärten entsprechend gestaltet werden“, sagt Schulte. Im Fall des Neubaugebietes gelang dies der Stadt jedoch nicht flächendeckend.